Kleines Pflanzenwunder mit 50x größerem Genom als der Mensch

Die Wissenschaftler haben das Lebewesen mit dem größten bekannten Genom entdeckt – es umfasst 160 Milliarden Basenpaare. Dieses Genom ist mehr als 50 Mal größer als das menschliche, und das Lebewesen, das es beschreibt, ist ein winziger Gabelbaumfarn, den man nicht wahrnehmen würde, selbst wenn man im Wald darüber stolperte.

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Kleines Pflanzenwunder mit 50x größerem Genom als der Mensch

3. Juni 2024 von   Kategorie: Wissenschaft
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Das Wunderwerk DNA


Jede lebende Zelle enthält den gesamten Bauplan für dieses Organismus. DNA ist ein unglaublich dichtes Datenspeichermedium. In einem einzigen Gramm DNA können 215 Millionen Gigabyte gespeichert werden. Kein Wunder also, dass Wissenschaftler interessiert sind, wie man dies nutzen kann. Doch das nun entdeckte Lebewesen mit dem größten bekannten Genom hat manche überrascht.

Ein bescheidener Gigant: Tmesipteris oblanceolata


Ein bescheidener Farn, bekannt als Tmesipteris oblanceolata, trägt ein Genom bestehend aus 160,45 Milliarden Basenpaaren (Gbp) in sich. Zum Vergleich: Das menschliche Genom umfasst 3,1 Gbp. Nehmen wir einmal an, man könnte die DNA-Stränge entwirren. Unser Genom würde sich auf etwa 2 Meter (6,6 Fuß) ausdehnen – etwa so groß wie LeBron James. Aber das Genom von T. oblanceolata würde weit über 100 Meter (328 Fuß) lang sein – höher als die Freiheitsstatue oder der Turm von Big Ben.

Rekordtitel für das Unscheinbare


Dieser unscheinbare Farn hat sich nun gleich drei Guinness-Weltrekordtitel geschnappt: größtes Genom, größtes Pflanzengenom und größtes Ferngenom. Schon allein ersterer Titel ist beeindruckend genug. Er stiehlt die Krone von einer anderen Pflanze, Paris japonica, die mit ihrem 148,89 Gbp umfassenden Genom den bisherigen Rekord hielt.

Eine wahre TARDIS-Pflanze


Auf den ersten Blick würde man nicht vermuten wie besonders dieser Farn ist. Mit einer Länge von bis zu 30 cm (12 Zoll) sieht er unscheinbar aus – wie etwas, das man beim Spaziergang durch den Wald übersehen könnte. Doch andere Mitglieder seiner Pflanzenfamilie wurden bereits mit großen Genomen entdeckt. Dies weckte das Interesse der Wissenschaftler vom Royal Botanic Gardens in Kew, London und dem Institut Botànic de Barcelona (IBB-CSIC) in Spanien. Diese machten sich auf den Weg nach Neukaledonien – einer Insel im Südwestpazifik – um Proben der Pflanze zu sammeln.

Analyse des Genoms


Die Studie begann mit der Isolierung der Zellkerne tausender Zellen der Pflanze. Diese Zellkerne wurden mit einem Farbstoff gefärbt, der an die DNA im Zellkern bindet. Durch die Messung, wie viel Farbstoff gebunden wurde, konnte die Größe des Genoms geschätzt werden – das Ergebnis: ein neuer Weltrekord.

Größer ist nicht immer besser


Das Team sagt, dass ein großes Genom nicht immer von Vorteil ist. Pflanzen mit großen Genomen tendieren dazu, langsamer zu wachsen, benötigen mehr Nährstoffe und führen die Photosynthese weniger effizient durch. Es wird angenommen, dass T. oblanceolata an die oberen Grenzen der Genomgröße stößt.

Faszination Genetik und ihre Wunder


Die Genetik enthüllt immer wieder faszinierende Geschichten der Natur. Die Entdeckung von T. oblanceolata und deren riesigem Genom zeigt dies eindrucksvoll. Die wissenschaftliche Gemeinde wird sicherlich weiter daran arbeiten, die Geheimnisse dieses außergewöhnlichen Genoms zu entschlüsseln. Ebenso spannend ist die Frage, welche weiteren Überraschungen die Welt der DNA bereithält.

DNA als Datenspeicher der Zukunft?


Die dichte Informationsspeicherung in DNA inspiriert Forscher, innovative Ansätze zur Datenspeicherung zu entwickeln. Es ist denkbar, dass wir in Zukunft von den natürlichen Designs profitieren, die durch die Evolution perfektioniert wurden. Ob dies eines Tages in voller Blüte steht, bleibt abzuwarten.

Das Streben nach Wissen


Wissenschaftler sind ständig auf der Suche nach neuen Erkenntnissen. Die Aufdeckung des bislang größten Genoms ist nur ein Beispiel für die faszinierenden Entdeckungen, die noch vor uns liegen. Ob es sich um winzige Organismen handelt oder gigantische – die Natur verbirgt stets Geheimnisse, die es zu lüften gilt.

Grenzen des Machbaren


Die Natur scheint sich selbst keine Grenzen zu setzen. Doch auch das vielleicht größte Genom trifft irgendwann auf seine biologischen Limits. Wie weit diese ausgereizt werden können – daran arbeiten Forscher wie die von Royal Botanic Gardens und dem Institut Botànic de Barcelona.

Fazit: Kleine Pflanzen – große Überraschungen


Selbst die unscheinbarsten Organismen können beeindruckende Merkmale haben. Tmesipteris oblanceolata – ein Farn, den man leicht übersehen könnte – bietet faszinierende Einblicke in die Wunder der Natur. Der Besitz des weltweit größten Genoms ist ein Titel, der neugierig macht und weiterhin die Forschung anregt. Was wird die Wissenschaft als nächstes enthüllen?

In jedem Blatt, in jeder Zelle steckt ein Potenzial für neue Erkenntnisse und Einblicke in die komplexen Mechanismen des Lebens auf unserem Planeten.

Quelle: A 160 Gbp fork fern genome shatters size record for eukaryotes DOI:https://doi.org/10.1016/j.isci.2024.109889