KombiPaket der TA wird nicht verboten, aber modifiziert

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von rainman, 21. November 2007 .

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  1. #1 21. November 2007
    Der österreichische Ex-Monopolist Telekom Austria (TA) darf sein neues KombiPaket aus Festnetzanschluss, ADSL-Flatrate und bis zu drei Mobilunk-SIM-Karten weiter anbieten. Dies hat die Regulierungsbehörde Telekom Control Kommission (TKK) entschieden. Jedoch sind einige Änderungen erforderlich. Der Preis von 19,90 Euro brutto pro Monat soll nur noch für Neukunden gelten, die keinen Breitbandanschluss der TA haben. Bestandskunden, die bereits DSL von der TA haben und auf das KombiPaket umsteigen, müssen fortan 25,90 Euro pro Monat bezahlen. Die Konkurrenten sehen nicht alle Probleme beseitigt.

    Durch eine Senkung der monatlichen Gebühr für entbündelte Leitungen von 10,70 auf 10,44 Euro netto soll die Margenreduktion bei den alternativen Anbietern gemindert werden. Im Aktionszeitraum bis Mitte Januar entbündelte Leitungen kosten 6,35 Euro netto pro Monat. Die TA-Tochter Mobilkom Austria wird einen dem TA-Produkt entsprechenden Mobilfunktarif auf den Markt bringen, der auch ohne Festnetzanschluss zu haben sein wird: 5 Cent pro Minute (60/30-Takt) in alle Netze ohne Mindestumsatz oder Grundgebühr.

    Vor allem aber muss die TA zum 27. November die Vorleistungspreise im Großhandel senken, damit auch alternative Anbieter ohne eigenes Fernsprechprodukt ähnliche Angebote machen können. Für die TA-Großhandelspartner gilt im Aktionszeitraum bis 15. Januar ein Einkaufspreis von 1,50 Euro brutto (Neukunden) beziehungsweise 7,50 Euro brutto (Bestandskunden) für eine 2-MBit-Flatrate. Da die Endkunden dazu aber noch die TA-Grundgebühr von mindestens 15,98 Euro bezahlen müssen, darf der alternative Anbieter auf seinen Einkaufspreis nur 2,01 Euro netto aufschlagen, um seinen Kunden ebenfalls einen Gesamtpreis von 19,90 Euro beziehungsweise 25,90 Euro für Festnetzanschluss und ADSL-Flatrate bieten zu können. Mit nur zwei Euro pro Monat dürften sich Kundenbetreuung, Abrechnung, Werbung und Gewinnspanne aber nicht realisieren lassen.

    "Natürlich sind wir nicht einverstanden und enttäuscht, dass man uns gezwungen hat, ein Angebot zu machen, das für Bestandskunden unser attraktives Angebot teurer macht", sagte TA-Sprecher Martin Bredl gegenüber heise online, "Wir wollen dass die Endkundenregulierung aufhört. Im Vorleistungsmarkt ist es klar (dass es Regulierung gibt)."

    "Eines der Probleme ist, dass es keine Endkundenpreisregulierung gibt. Ein weiteres, dass die TA nach wie vor wie ein Monopolist agiert und ihre Marktbeherrschung voll ausnützt", vertrat Kurt Einzinger, Generalsekretär des Providerverbandes ISPA, eine ganz andere Auffassung. "Die kleinen Betreiber werden vom Markt gedrängt und die großen in eine Position gebracht, in der sie keine attraktiven Angebote machen können. Alle sind nämlich von den Vorleistungen der TA abhängig." Die TA-Aktion führe zu keiner nachhaltigen Preisreduktion, sondern diene nur dazu, Kunden von alternativen Anbietern abzuwerben. Denn auch die TA könne sich diese Preise auf Dauer nicht leisten. "Wenn sie eine generelle Preissenkung wollten, könnten sie ja alle Kunden automatisch auf die niedrigeren Tarife umstelle. Aber das wollen und können sie nicht, weil dann das Geschäft zusammenbrechen würde", so Einzinger weiter, "Die einzige Lösung ist eine strukturelle Trennung von Netzbetrieb und Verkauf."

    Als "bei weitem nicht ausreichend", qualifiziert Jan Engelberger, Geschäftsführer des Verbandes Alternativer Telekom-Netzbetreiber (VAT), die von der TKK bewirkten Änderungen. "Die Preiserhöhung für Bestandskunden führt nur dazu, dass die TA im Revier der Konkurrenz wildern kann, ohne Umsatzverluste bei ihren Bestandskunden fürchten zu müssen." Zudem sei der Marketingvorsprung der TA mit ihrem KombiPaket in diesem Weihnachtsgeschäft nicht mehr aufzuholen. Es dauere mindestens acht Wochen, ein neues Produkt zu gestalten, auf den Markt zu bringen und zu bewerben. "Ein rückwirkendes Angebot von gesenkten Vorleistungspreisen ist daher kaum hilfreich. Das KombiPaket hätte so nie auf den Markt kommen dürfen."

    Zu den Leidtragenden der aktuellen Situation zählen aus Sicht der ISPA auch kleine Provider, die ihre Kunden etwa über WLAN anbinden. Denn die Preise für den Backhaul am Land, wo es keine Alternativen zu TA gibt, seien nach wie vor extrem hoch. Für eine 10-MBit-Mietleitung seien etwa 1.500 Euro pro Monat zu veranschlagen. Selbst wenn die Provider darüber 100 Kunden versorgen würden, könnten sie keine konkurrenzfähigen Produkte um 20 Euro anbieten und würden so zwangsweise Kunden verlieren.

    Siehe dazu auch:

    * Regulierungsbehörde: Bedenken über KombiPaket der TA
    * Festnetz-, Internet-, Mobilfunk-Paket von Telekom Austria unter Dumping-Verdacht

    (Daniel AJ Sokolov) / (jk/c't)

    Quelle:http://www.heise.de/newsticker/meldung/99373
     

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