Microsoft-Chef: Linux "nutzt unser geistiges Eigentum"

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Melcos, 17. November 2006 .

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  1. #1 17. November 2006
    Microsoft-Chef: Linux "nutzt unser geistiges Eigentum"

    Steve Ballmer hat offen behauptet, dass Linux "unser patentiertes geistiges Eigentum nutzt" und somit "ein Problem für unsere Aktionäre" darstelle. Den erneuten rhetorischen Angriff auf Open-Source-Software startete der Microsoft-Chef am gestrigen Donnerstag bei der Erläuterung des jüngst geschlossenen Abkommens mit dem Linux-Distributor Novell auf einem Treffen der Professional Association for SQL Server (PASS) in Seattle. Dort zeigte sich Ballmer laut einem Blogeintrag des Seattle Post-Intelligencer erfreut darüber, dass mit Novell nun erstmals eine Open-Source-Vertriebsfirma für die Verwendung patentierter Microsoft-Erfindungen geradestehe. Sollte sich jemand gegen Windows und für Linux entscheiden, dann würden sich die Redmonder künftig für einen möglichst hohen Marktanteil von Novells SUSE-Linux stark machen, erklärte der Microsoft-Boss. Denn nur ein Käufer dieser Distribution "hat ordentlich für die Nutzung geistigen Eigentums von Microsoft gezahlt".

    "Man könnte gewissermaßen sagen, dass jeder, der Linux in seinem Daten-Center betreibt, ein nicht genau beziffertes Minus auf seinem Konto hat", weitete Ballmer seinen Vorwurf der Patentverletzung auf alle Anwender des frei verfügbaren Betriebssystems aus. Betroffen seien schließlich nicht nur Microsofts Patente. Angesichts der Funktionsweise von Open Source sei bislang niemand imstande gewesen, dafür eine Freistellung von Patentansprüchen anzubieten. Die Firma Open Source Risk Management (OSRM) wirbt allerdings bereits seit über zwei Jahren für eine Art Linux-Rechtsschutzversicherung. Sie will allein im Kernel des offenen Systems 238 Patentverletzungen ausgemacht haben.

    Ballmer hatte im März mit Patentklagen gegen Anwender und Anbieter von Linux gedroht. Damals hatte er sich allerdings noch vorsichtiger ausgedrückt, was die Möglichkeit von Patentverstößen angeht. "Ich glaube, es gibt Experten, die sagen, Linux verletzt unser geistiges Eigentum", wand sich der Geschäftsführer des Softwaregiganten noch um eine klare Aussage herum. Das Säbelrasseln ist in Redmond allerdings schon länger Tradition. Schon vor Jahren hatte Ballmer Linux aufgrund der verwendeten GNU Public License (GPL) als "ein Krebsgeschwür" bezeichnet, "das in Bezug auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt". Seitdem ist Microsoft dazu übergegangen, mit der Rechtssicherheit der eigenen Produkte im Bereich geistiger Eigentumsrechte zu werben und Nutzer der eigenen Software gezielt von möglichen Patentklagen freizustellen.

    In der umstrittenen Vereinbarung mit Novell sieht Ballmer nun anscheinend ein Eingeständnis von Open-Source-Seite, dass Linux gegen fremde Patentrechte verstößt. Novell hat sich im Rahmen des Pakts bereit erklärt, mindestens 40 Millionen US-Dollar an die Redmonder zu zahlen. Diese wiederum wollen dem Linux-Anbieter vorab 240 Millionen US-Dollar für Gutscheine für Novell-Distributionen überweisen, von denen Microsoft bis zum Ablauf des Abkommens am 1. Januar 2012 jährlich mindestens 70.000 an seine Kunden verteilen soll. Außerdem versichert Microsoft, nicht gegen Novell wegen möglicher Patentverletzungen zu klagen.

    Rechtsexperten aus der Open-Source-Gemeinde wie die Groklaw-Betreiberin Pamela Jones haben den neuen Angriff Ballmers gegen Linux als "FUD" ("Fear, Uncertainty and Doubt"), als Streuen von Furcht, Unsicherheit und Zweifel, abgetan. Der Microsoft-Chef möge doch bitte klagen, falls er sich wirklich sicher sei, Rechtsansprüche geltend machen zu können. Auch der stellvertretende Justiziar von Red Hat, Mark Webbink, sieht keinen Anlass für einen ähnlichen Pakt mit Microsoft und damit eine Art "Innovationssteuer" zu zahlen. Ballmer hatte Red Hat auf der Tagung in Seattle noch einmal gezielt aufgefordert, ebenfalls ein Patentabkommen mit den Redmondern abzuschließen. Das Übereinkommmen mit Novell sei keinesfalls exklusiv und man würde gern auch mit anderen Linux-Distributoren verhandeln. Die Free Software Foundation (FSF) hat dagegen gerade deutliche Zweifel an der rechtlichen Gültigkeit des Novell-Deals vorgebracht.

    Quelle: heise.de
     

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  3. #2 18. November 2006
    Schlammschlacht zwischen FSF und Microsoft

    Schlammschlacht zwischen FSF und Microsoft

    von Klaus Laenger: Freitag 17 November 2006, 5:30

    Zwischen der Free Software Foundation und Microsoft bahnt sich eine hässliche Schlammschacht an: Die FSF will die GPL V3 verändern, um den Novell-Microsoft-Deal zu blockieren und Steve Ballmer droht mit der Patent-Keule.

    Der Patent-Deal zwischen Novell und Microsoft sorgt schon so für dicke Luft im Pinguin-Lager: Nun legt Eben Moglen, der Rechtsvertreter der FSF, noch nach. Der Anwalt erklärte gegenüber CNN, dass die kommende Version 3 der GPL so verändert werden soll, dass ein Abkommen wie das zwischen Novell und Microsoft gegen die GNU-Lizenz verstößt. Welche Auswirkungen das haben wird ist aber noch offen, da die GPL V3 im OSS-Lager nicht unumstritten ist. So hat die Mehrzahl der Kernel-Entwickler mit Linus Torvalds an der Spitze schon erklärt hat, der Linux-Kernel würde auf keinen Fall unter die neue Lizenz gestellt werden. In einem Statement von Novell gegenüber CNN ist zu lesen, dass man das Abkommen mit MS als Gewinn für Linux im Firmenumfeld betrachte und dass die neue Lizenz das nicht gefährden solle, wenn sie lebenfähig und relevant sein solle. Zudem merkte der Novell-VP John Dragoon an, dass Novell schließlich eine Menge zu Linux begetragen hätte und 250 OSS-Entwickler beschäftige.
    Auf jeden Fall ist es tatsächlich reichlich fragwürdig, extra die GPL zu ändern nur um im Kreuzzug gegen Microsoft einen Punkt machen zu können.
    Auf der anderen Seite schüttete Microsoft-Boss Steve Ballmer derweil noch eine tüchtigen Schwung Benzin ins Feuer: Auf einer SQL-Konferenz in Seattle ließ er in einer Fragerunde nach seiner Keynote verlauten, dass Tele des Linux-Kernels Microsoft-Patente verletze. Beweise dafür blieb Ballmer bisher aber schuldig, so dass seine Drohung auch unter die Kategorie FUD fallen könnte. Das wäre für Ballmer durchaus auch nichts neues.

    CNN zur FSF und der GPL V3
    Computerworld zu Steve Ballmers Drohgebärden

    Quelle: The Inquirer
     
  4. #3 18. November 2006
    AW: Schlammschlacht zwischen FSF und Microsoft

    Tja, bin mal gespannt wie des alles ausgehen wird, hoffe nur, dass Linux-Distros net noch illegal werden. Open Source is cool, aber wenn man sich z.B. Office und OpenOffice (OK, jez net grad seit Office 2007) anschaut, dann kann wohl keiner sagen, dass es net fast gleich is. Irgendwie schon bedenklich. KP.


    BB. Ch3c
     
  5. #4 21. November 2006
    Microsoft: Vorerst keine Klagen gegen Linux geplant

    Microsoft: Vorerst keine Klagen gegen Linux geplant

    Nachdem Microsoft und der Linux-Distributor Novell Anfang November ein Abkommen bekannt gegeben hatte, das auch Zahlung von 40 Millionen US-Dollar zur Unterbindung möglicher Patentansprüche seitens der Redmonder abdeckt, wuchs in der Open-Source-Szene die Angst vor Klagen gegen andere freie Software-Projekte.

    Microsoft-CEO Steve Ballmer sorgte später mit der Aussage für Unruhe, dass Linux das geistige Eigentum des Software-Riesen enhalte. Nun hat sich Novell in einem Offenen Brief von den Äusserungen Ballmers distanziert. Dennoch soll die Zusammenarbeit mit Microsoft weiterhin fortgesetzt werden.

    Novell-Chef Ron Hovsepian schrieb, dass man durch den Deal mit Microsoft keineswegs eingestanden habe, dass Linux Patente der Redmonder verletzt. Wer dies behaupte versuche nur, für Unsicherheit, Angst und Zweifel zu sorgen, wodurch keine faire Basis für Wettbewerb mehr gegeben sei.

    Microsoft hat mittlerweile ebenfalls eine Stellungnahme abgegeben, in der man mitteilt, dass man die in drastischen Worten geäusserte Meinung Novells respektiere, aber dennoch anderer Ansicht sei. Bei der Inspektion des eigenen Patentportfolios sei deutlich geworden, dass man ein entsprechendes Abkommen treffen müsse.

    Weiterhin hiess es, dass man vorerst keine Informationen darüber veröffentlichen will, welche konkreten Teile von Linux gegen Microsofts Patente verstoßen. Dies sei einfach "nicht sehr produktiv". Als Grund nennt man die Komplexität des Patentsystems, wodurch es nicht sinnvoll sei, einzelne Patente zu hinterfragen.

    Offenbar will Microsoft dennoch nicht gegen Projekte aus der Open-Source-Szene vorgehen. Das Unternehmen ließ verlauten, dass man zwar viel Wert auf die Berücksichtigung von Patenten lege, aber nicht zu den Firmen zählt, die deswegen klagen. In den letzten zehn Jahren war Microsoft nur in einem Fall wegen Patentverletzungen aktiv geworden.

    Unterdessen arbeitet man bereits daran, die freie General Public License, unter der die meisten Open-Source-Programme veröffentlicht werden, so zu verändern, dass von Abkommen wie dem zwischen Microsoft und Novell keine Gefahr mehr ausgeht.


    quelle: WinFuture.de
     

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