Netzüberwachung: ISPs müßten Kunden hacken

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von zwa3hnn, 24. Oktober 2005 .

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  1. #1 24. Oktober 2005
    Neuer Widerspruch gegen geplante EU- Datenspeicherung

    Seine Kunden zu hacken, würde Providerpflicht werden, warnt der Geschäftsführer des Wiener ISP Silver Server, Oskar Obereder. Die EU-Kommission, welche eine Richtlinie zur monatelangen Datenspeicherpflicht der Provider unter anderem bei der eMail - Kommunikation fordert, habe offenbar nicht verstanden, wie das Internet funktioniert, oder dem Netz bewusst die überkommenen Strukturen der zentralistisch gesteuerten Telekom-Welt überstülpen. Würden die Kommissionsvorgaben umgesetzt, müsse man entweder die User nach chinesischem Vorbild bespitzeln oder sich mit kriminellen Methoden auf ihre Rechner und Server einhacken - mit zweifelhafter Aussicht auf Erfolg.

    Die Daten, zu deren Speicherung die Provider verpflichtet werden sollen, seien nämlich nicht so leicht und zentralisiert verfügbar, wie sich die Kommission dies offensichtlich vorstellt. Allein am Beispiel eMail legt Obereder dies aufs Anschaulichste dar. Für normalen Pop3/SMTP - Mailverkehr müßten die Provider den kompletten Traffic über Port 110 (eingehend) und 25 (ausgehend) analysieren. Verwendet der Kunde Pop3 via SSL oder gar ein VPN, so muss dies nach den Wünschen der Kommission vom Provider konsequenterweise geknackt werden.

    Die Mehrheit seiner Kunden würde gar Webmail verwenden, so Obereder, was wiederum die Komplettüberwachung des http - Traffics auf Port 80 notwendig mache, was unter anderem jedoch bislang (und glücklicherweise, mag man hinzufügen) gegen deutsches wie österreichisches Recht verstoße.


    Auf die komplexeren Optionen, Mailverkehr abzuwickeln, ist Obereder dabei nicht einmal eingegangen - neben den Mailservern von Kunden, die der Provider quasi hacken müßte, bestehen ja noch weitere Möglichkeiten zur Verschleierung von Kommunikation, die eMail - Problematik mit ihrer Vielzahl von Datenquellen, die angezapft werden müßten, stellt sich im Bereich Instant Messaging noch in leicht größerer Dimension. Und zuletzt müssen die erfassten Daten ja auch auf irgend eine Form archiviert und durchsuchbar gemacht werden - ansonsten sie ein nutzloser Berg von Logfiles wären, welche den Datenschnüfflern nichts und den Providern nur Kosten bringt - welche zu guter Letzt bekanntermaßen die Kunden tragen.
    Das Schöne daran: es ist in der Tat davon auszugehen, dass sich neben den Protesten von Bürgerrechtsorganisationen, Aktivisten und Datenschützern im Netz mit der ISP-Branche ein weiterer, gewichtiger Partner im Kampf gegen die Datenschnüffler etabliert - und sich wiederholt und fundiert zu Wort meldet. Was man von der Kommission nun nicht wirklich behaupten kann. Zumindest in Bezug auf das Attribut "fundiert"...


    quelle: gulli untergrund news
     

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