Norwegen: Hälfte aller Neuzulassungen sind E-Autos

Artikel von Fabiane Herbst am 13. Juli 2017 um 20:53 Uhr im Forum Auto & Motorrad

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Norwegen: Hälfte aller Neuzulassungen sind E-Autos

13. Juli 2017   Fabiane Herbst  
Das Skandinavische Land hat es nun geschafft, als erste europäische Nation mehr Elektroautos als Autos mit Verbrennungsmotor zuzulassen. Der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen lag im Juni bei 53 Prozent. Damit ist Norwegen weiterhin Vorreiter in Sachen Elektromobilität, die Quote liegt dort Weltweit am höchsten.

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Das Land hat einen straffen Plan: Bis 2025 sollen keine Autos mit reinem Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Zwar sind über das komplette Jahr gesehen die Verbrennungsmotoren bei den Neuzulassungen noch in der Mehrheit, aber die Entwicklung, zeigt einen deutlichen Trend zur umweltfreundlicheren Fortbewegung.


Dass Elektroautos in Norwegen so erfolgreich sind, ist zum großen Teil der Regierung zu verdanken. Auf Autos mit Elektroantrieb muss beim Kauf weder Import- noch Mehrwertsteuer gezahlt werden. Außerdem dürfen die Elektroautos in vielen Städten die Busspur nutzen sowie kostenfrei parken.

Aufgeschlüsselt entfielen von den 53 Prozent im Juni etwa 27 Prozent auf reine Elektroautos, 15 Prozent auf Plugin-Hybride und etwa 10 Prozent auf Vollhybride. Der eine Prozentpunkt Differenz entsteht durch Rundungen.

E-Golf ist das beliebteste Auto
Deutsche Hersteller profitieren dabei ordentlich vom Elektroauto-Boom in Norwegen. Der E-Golf von Volkswagen war im Juni das am häufigsten zugelassen Auto in Norwegen, der i3 von BMW schaffte es auf Platz vier, gefolgt von Opels Ampera. Platz zwei belegte das Elektro-SUV Model X von Tesla, der Renault Zoe folgte auf Platz 3. Das erste Auto mit reinem Verbrennungsantrieb auf der Liste ist der Skoda Oktavia – er belegte hinter dem Nissan Leaf den sechsten Platz.

Norwegen ist das Land, von dem sich andere europäische Länder in Sachen Elektroautos eine Scheibe abschneiden sollten. Die staatliche Unterstützung wird von einem großzügigen Netzwerk von Ladestationen unterstützt und das Land ist auf dem besten Weg dazu, zum absoluten Elektroauto-Vorreiter auf der Welt zu werden.

In Deutschland stellt sich die Politik quer. Sie befürchtet einen Nachteil für deutschen Autobauer, die in Sachen E-Mobilität noch einiges aufholen müssen. Zudem ist die Produktion von E-Autos deutlich weniger Aufwendig und diese Arbeitsplätze sollen noch erhalten bleiben.

China hat indessen neue Gesetze verabschiedet die eine E-Auto Quote festlegen die Jährlich steigen soll. Die Bundesregierung hatte in vielen Verhandlungen immer wieder für eine Verschiebung geworben.

Autoland Deutschland versucht die Verbrennungsmotoren so lange wie möglich herzustellen und zu verkaufen. So ist die enge Partnerschaft mit Ölförderstaaten kein Wunder. Die Ziele sind die gleichen, eine schnelle Entwicklung im Individualverkehr oder bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist unerwünscht und wird seit Jahrzehnten behindert.
 

Kommentare

#2 14. Juli 2017
Ein E-Auto ist allerdings dummerweise nicht zwangsläufig so sehr viel umweltfreundlicher als ein Auto mit Verbrennungsmotor. Entscheidend ist nämlich, wie der Strom gewonnen worden ist. Für die Umwelt ist es völlig egal, ob das CO2 in einem Braunkohlekraftwerk oder in einem Verbrennungsmotor entsteht.

Verschwörungstheorie - oder hast du Beweise?
 
#3 14. Juli 2017
Das dürfte wohl für die Länder mit der hohen E-Auto Quote kein Problem sein, da diese ohnehin viel Strom aus Wasserkraft gewinnen und viele Pumpspeicher haben. Ich vermute das dies auch ein Hauptgrund ist warum diese die Elektromobillität fördern, denn es ist viel günstiger im Land produzierten Strom zu verwenden als teuer importiertes Erdöl, was auch schlecht für die Handelsbilanz ist.

Da in Deutschland aber auch immer mehr erneuerbare Energie eingespeist wird, dürfte der geringe und gering wachsende Anteil an E-Autos wohl nicht dazu beitragen das irgend wo ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen muss.

Besser wäre auch gewesen die Kohlemailer in der Laufzeit zu begrenzen und stattdessen die wenigen neueren bzw sicheren AKWs weiter laufen lassen. So werden stattdessen neue Gaskraftwerke oder sogar Kohlekraftwerke tatsächlich noch lange laufen und sogar neu gebaut. Die Brennstoffe werden dann Importiert :rolleyes:.
 
#4 16. Juli 2017
Welche Länder denn? Du schreibst doch von Norwegen - und das ist bis jetzt erst mal nur ein Land und nicht mehrere.
Im Übrigen ist Norwegen im europäischen Vergleich nicht gerade ein Musterknabe, was den Energieberbrauch angeht.
Energiehaushalt in Norwegen
Wasserkraft ist auf den ersten Blick zwar umweltfreundlich, muss aber schließlich auch erst mal hergestellt werden. Zu diesem Zweck regulierte Flüsse und gebaute Stauseen beeinträchtigen die Natur aber ebenfalls, auch wenn das gerne unterschlagen wird.
Frag mal bei alten Leuten nach, vielleicht findest du noch einen Zeitzeugen, der wegen eines stausees seine Heimat verlassen und Haus und Hof aufgeben musste.

So lange wir keine Infrastruktur besitzen, wo Strom über längere Zeit gespeichert und kurzfristig wieder abgerufen werden kann, werden wir ohne Kraftwerke mit fossilen Energieträgern nicht auskommen. Und dazu gehören zumindest noch auch Braunkohlekraftwerke.
Eine Möglichkeit wären Pumpspeicherkraftwerke, die aber eben auch erst mal errichtet werden müssen und dabei ganze Landschaften - und somit Lebensräume - zerstören.

Sichere Atomkraftwerke? Gehts noch dümmer? Es ist sogar weltweit noch nicht EIN EINZIGES taugliches Endlager gefunden worden. Da kann man wohl kaum von sicher sprechen. Und ja, die Abfallentsorgung gehört mit zur Energieerzeugung dazu!
 
#5 16. Juli 2017
Zuletzt bearbeitet: 16. Juli 2017
Skandinavien also Länder mit viel Wasserkraft oder Stromüberschuss aus reg. Energien.

Nja gut wenn man so Argumentiert muss man wohl auf jeden Fortschritt verzichten... gibt sicher auch Menschen die wegen Kohleabbau umziehen mussten.
Das es nichts Perfektes gibt ist klar, aber zumindest ist Wasserkraft langfristig vermutlich eines der nachhaltigsten Energieerzeuger. Selbst Windkraft hat deutlich mehr Nachteile und ist viel wartungsintensiver, von Solaranlagen ganz zu schweigen.

Wenn man bedenkt das Weltweit noch etwa hundert davon gebaut werden in Zukunft und unsere Nachbarländer so uralte Teile laufen haben... da ist das Risiko das dort etwas passiert tausendfach höher. Die moderneren Reaktoren hätten ruhig noch laufen können, so lange bis man den Übergang für die Erneurbareenergie Infrastruktur errichtet hat.

Die paar Tonnen mehr Müll für weitere 5-10 Jahre Laufzeit für ein zehntel der AKW wäre wohl ohnehin auch nicht mehr gewichtig. Das Problem der Endlagerung besteht ohnehin, ob dann noch ein paar Kieselsteine mehr dazu kommen reist es nicht raus.

Das die Norweger mehr Energie brauchen ist auch klar, weil sie mit Strom auch heizen und eben Elektrofahrzeuge verwenden... du musst schon den CO2 Ausstoß pro Kopf vergleichen. Verbranntes Benzin und Öl zum Heizen ist nicht besser als mit Strom heizen wenn es Nachhaltig gewonnen wurde und eh zur Verfügung steht.
 
#6 17. Juli 2017
Und trotzdem ist nur von Norwegen die Rede.


Nein, aber die Nachteile bzw. die Umweltbelastungen nicht einfach unter den Teppich kehren.


Nö, lieber nicht. Man muss nur mal an Tschernobyl und die Auswirkungen denken, dann sollte man einsehen, dass jeder Störfall ein Störfall zu viel ist. Denn die Folgen können verheerend sein.
Liste meldepflichtiger Ereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen – Wikipedia

20-30 Tonnen pro AKW und Jahr möchte ich nicht einfach wegtragen müssen. Und natürlich muss bedacht werden, dass auch größere oder mehrere Endlager gefunden/errichtet werden müssen, je mehr Atom-Müll anfällt.

Bloß nicht! Sonst würde man ja feststellen, dass sie trotz E-Auto-Boom und Wasserkraftwerken gar nicht die Öko-Musterknaben und -mädels sind.
 
#7 17. Juli 2017
In meinem Kommentar habe ich doch geschrieben "Das dürfte wohl für die Länder mit der hohen E-Auto Quote kein Problem sein" Damit sind alle Länder gemeint die eine recht hohe E-Auto Quote haben und das sind u.a die Skandinavischen inklusive Norwegen.
Nur weil der Artikel sich auf Norwegen bezieht heißt das nicht, dass alle Kommentare das auch machen.

Das passiert immer noch oder habe ich etwas verpasst und die ganzen Risikoreaktoren im Osten und Westen der Nachbarländer wurden abgeschaltet? Das Risiko ist das selbe und hat sich nicht verändert, dadurch das nur wir was abschalten. Teilweise wurden in den Nachbarländern für echt Uralte teile neue Laufzeitverlängerungen beschlossen... die Dinger werden in 10-20 Jahren immer noch laufen während wir dafür 10 neue Gaskraftwerke und Kohlekraftwerke bauen deren Anschaffungskosten dem Rückbau der AKWs entsprechen. Zumindest die Betreiber haben einen guten Kompromiss gefunden, der Steuerzahler übernimmt das Risiko der Altlasten als Entschädigung für die ungeplante Laufzeitkürzung.

Sondern? Soll das Ironie sein? Auf deiner im vorherigen Kommentar verlinkten Seite wird doch gezeigt, woher die Energie kommt und wie viele Fossile-Brennstoffe verwendet werden. Nur so ganz grob, in DE ist die CO2-Emission pro Kopf 30% höher als in Norwegen.
 
#8 17. Juli 2017
Wenn ein Land in der EU Öl hat, dann wohl Norwegen.


Nur weil es andere machen, heißt es nicht, dass es gut ist. Eine etwas längere Laufzeit wäre aber Vertretbar gewesen.

Autsch, SO würde ich nicht in Zukunft argumentieren.

Zurück zum Thema:
Norweger sind sehr, sehr Umweltbewusst. Zudem kosten e-Autos dank der entfallenden MwSt nicht entscheidend viel mehr als Konventionelle Autos, dazu kommt die höhere Kaufkraft - da tuen die paar Tausend mehr nicht weh (ist in der Schweiz nicht anders).

Jein. Fakt ist, dass die Produktion eines e-Auto viel weniger Personal benötigt und DE führend zB beim Getriebe ist (hat ein e-Auto nicht).
In Zukunft spielt die Musik aber in Massenmärkten wie China und Indien; und mit einem weiteren Preisrutsch im elektro Segment wollen die Staaten diese Antriebsart gezielt fördern, da hier auch (neue) einheimische Konzerne mitspielen können.
Natürlich sind deutsche Firmen nicht so weit wie Tesla oder Toyota, aber auch nicht so schlecht vorbereitet wie gerne behauptet. zB hat BMW mit dem i3 ein sehr solides Produkt, nur die schwierige Karbon Produktion macht das Auto unnötig teuer, kann sich aber durch den 3D Druck noch ändern.


Es wird massig in den ÖPNV investiert und es gibt jährlich mehr Pendler, deine Aussage ist Blödsinn.
 
#9 17. Juli 2017
Das ist für die Politik ein Hauptgrund hier möglichst lange weiter alte Technik zu behalten, um mehr Zeit zu gewinnen für mögliche neue Arbeitsplätze, die durch Frei-Handelsverträge geschaffen werden sollen.
Die Automobilindustrie bzw Investoren sind ebenfalls drauf gestimmt möglichst lange die laufenden Verbrenner-Serien zu verkaufen. Vor allem aber auch die Diesel und Benzin Hersteller, die dort beteiligt sind und entsprechen auch was mit zu reden haben.

Es wird Investiert, aber viel zu wenig. Im Verhältnis werden viel mehr Subventionen für Verbrennungsmotoren geleistet sowie den Individualverkehr als in einen Ausbau von Schienennetzen oder Mini-Buslinien. Die Anbindung am Stadtrand oder am Land sind teilweise so ungünstig das man ohne Auto dort gar nicht zurecht kommt, dass ist Fakt. Sicherlich kostet das Geld und ist nicht immer Rentabel, aber wenn man einen Wandel will muss man auch solche Netze ausbauen und dann werden auch mehr Menschen diese nutzen. Sicherlich werde ich nicht sofort auf den Bus umsteigen nur weil jetzt eine Linie fährt, denn das Auto habe ich ja schon Angeschafft und die Kosten sind bisher geringer als die Bequemlichkeit. Es fehlt also auch an Anreizen, wie mehr Flexiblität und offensichtlicheren "Preisvorteilen" - Sammeltaxis sind da schon eine gute Idee. Generell wäre eine Mobilitätsflatrate sinnvoll. Finanziert von allen, ggf auch über höhere Abgaben im Individualverkehr über eine Ökosteuer auf Abgassünder z.B. Oder einfach die Dieselsubvention aufheben.
 
#10 18. Juli 2017 um 08:33 Uhr
Und genau das ist in einer der Konzepte von ÖPNV inzwischen. Du kannst nicht jeden einzelnen auf den Dorf abholen im 15 Minuten Takt, dass ist weder wirtschaftlich, rentabel, noch Umweltfreundlich. Aber an einer der nächst großen Bahnstation schaffst Du das relativ gut mit einem P+R Parkplatz sowie einer zuverlässigen Anbindung in die Stadt.

ÖPNV ist nur zu ca. 75% Kostendeckend im Betrieb, dazu kommen allgemeine Investitionen ins Netz - unterschätze nicht die daraus resultierende Summe.
 
#11 18. Juli 2017 um 12:36 Uhr
Zum Einkaufen fahren ist ohnehin nicht optimal, viel effektiver ist es, wenn alles durch Logistik geliefert wird oder in der Nähe an kleinen Läden verteilt wird.
Bräuchte man alles nicht, wenn so kleine Supermärkte am Land überleben würden. Doch oft ist es so, das viele dann zum großen Discounter fahren mit mehr Auswahl und billiger.

Ein Dorfladen mit Bäcker und Metzger reicht völlig aus um alles wichtige dort logistisch Anliefern zu lassen. So verliert man nicht das reale Einkaufvergnügen (da sonst alles online ist) und es ist zu Fuß erreichbar, so dass deshalb kein Auto nötig wäre.

Wenn natürlich im Dorf keiner Einkauft weil es beim Aldi billiger ist, dann funktioniert das eh nicht. Und genau diese Sparmentalität führt zur Qualitätsminderung in allen Lebensbereichen.
Besser schönes Auto als gutes Essen... also doppelt Umweltschädlich.