Öko, aber logisch - die Anders-Grünen

Dieses Thema im Forum "Politik, Umwelt, Gesellschaft" wurde erstellt von Shnuppl, 1. Oktober 2011 .

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  1. #1 1. Oktober 2011
    Biosprit? Schadet der Natur. Genforschung? Hilft gegen Hunger. Sie sind gegen Tabus und für Technik. Das macht sie zum Feindbild für die eigene Bewegung: die Anders-Grünen.

    Sein Rebellen-Lebenslauf ist vom Feinsten. Stewart Brand, 72, organisierte in den 60er-Jahren das erste Hippie-Festival in San Francisco. Er kämpfte für die Rettung der Erde, und das zu einer Zeit, als Umweltschutz für die allermeisten noch ein Fremdwort war.

    Heute lebt Stewart Brand auf einem Hausboot, wie es einen Alt-Hippie schmückt. Er umgibt sich mit Indianerkunst. Auch das passt ins Bild. Doch seine Ansichten sind für viele Weggefährten aus der Ökobewegung Ketzerei. Dabei behauptet er: „Ich bin ein grüner Aktivist. Heute mehr als je zuvor.“

    Minderheit in Deutschland

    Brand hält Gentechnik für ein nützliches Instrument zur Rettung der Natur. Und auch das weltweite Wachstum der Städte stürzt ihn nicht in Untergangsvisionen: Städter verbrauchen weniger Ressourcen als Menschen, die sich in der Natur ein Haus bauen.

    Zwar beraten heute prominente Grüne wie Joschka Fischer, Rezzo Schlauch und Jürgen Trittins Staatssekretärin Margareta Wolf die Atomindustrie. Doch fanden die den Mut zum Wandel erst auf dem Weg in den politischen Ruhestand. Tatsächlich sind in Deutschland alternative Grüne eine winzige Minderheit.

    Keine gemeinsame Linie

    Zu den bekannteren zählen der Zukunftsforscher Matthias Horx, der Publizist Dirk Maxeiner und der Biologe Josef H. Reichholf, 65. Reichholf ist ein Grüner der ersten Stunde. Zusammen mit Bernhard Grzimek und Hubert Weinzierl gründete er 1972 die Gruppe Ökologie. Dass er und andere Gründerväter die heutige Ökoszene kritisch betrachten, hält er für eine logische Entwicklung. „Wir können“, sagt er, „viel besser als Außenstehende beurteilen, was abgelaufen ist. Wir erlebten mit, wie sich die guten und gut gemeinten Anfänge zur Ideologie veränderten. Wir sahen, wie es schwieriger wurde, einmal festgelegte Positionen auf Grund besserer Daten und neuer Einsichten zu ändern.“

    Das Beharren auf Biotreibstoffen hält Reichholf für ein typisches Beispiel erstarrter Positionen. „Es ist Irrsinn“, befindet er, „Wälder zu roden, um Energiepflanzen anzubauen.“ Eine gemeinsame Linie haben die Anders-Grünen nicht. So zweifelt Reichholf an den Katastrophenszenarien des Weltklimarats IPCC. Brand dagegen glaubt, dass eine globale Erwärmung droht. Gemeinsam ist ihnen der Sinn für Logik und Wissenschaft. Das verbindet sie mit einem anderen Urgestein, dem Kanadier Patrick Moore, 63.

    „Apokalypse als zentrales Motiv“

    Moore gehörte zu den Gründern von Greenpeace. Heute wirft er der Organisation vor, die Rationalität aufgegeben zu haben. Auch der Däne Bjørn Lomborg, 46, den das US-Magazin „Time“ 2004 zu den „100 einflussreichsten Menschen der Welt“ zählte, ist von Greenpeace zu den Ökoskeptikern gewechselt. Heute ist Lomborg einer der schärfsten Kritiker des ökoaktiven Friedensnobelpreisträgers Al Gore.

    Gemeinsam ist den Anders-Grünen, dass sie das Alleswirdimmerschlimmer-Mantra nicht mitbeten wollen.„Mich stören die düsteren Szenarien“, sagt Josef H. Reichholf. „Sie schüren Zukunftsängste und nehmen den jungen Leuten ihren Optimismus – eben auch den Optimismus, es besser zu machen.“

    „Die Apokalypse ist zum zentralen Motiv des Ökologismus geworden“, befindet Patrick Moore, „vieles davon ist eine kollektive Neurose.“

    Ideologisierung des Naturschutzes

    Er und die anderen Abweichler halten Fortschritt nicht für einen Fluch. Sie glauben, dass intelligente Technik hilft, die Herausforderungen der Umwelt zu meistern.

    Kopfschüttelnd beobachten die Anders-Grünen, wie Umweltverbände und grüne Parteien immer mehr Technologien zum Tabu erklären: Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke; PET-Flaschen und Dosen; Pflanzenschutzmittel und Gentechnik; Autobahnen und ICE-Trassen, Landebahnen und unterirdische Bahnhöfe, Durchfahrtsstraßen und Umgehungsstraßen.

    „Wissenschaftler ändern ihre Meinung“, sagt Brand. Genau das unterscheide sie von Romantikern und Ideologen: „Es ist Teil jeder Ideologie, dass Sinneswandel etwas Böses ist.“

    „Mich stört diese Ideologisierung des Natur- und Umweltschutzes, die sich mit wissenschaftlicher Redlichkeit vielfach nicht vereinbaren lässt“, befindet auch Josef H. Reichholf. Er ist wie die anderen Dissidenten davon überzeugt, dass die Politik der großen Umweltverbände und grünen Parteien dem Umweltschutz mittlerweile mehr schadet als nützt.

    Nachdem sie in den 70er- und 80er-Jahren erfolgreich dafür kämpften, Parlamente und Regierungen für ökologische Fragen zu gewinnen, klebten sie heute an lieb gewonnenen Dogmen, die oftmals gar nicht so ökologisch sind. Ökolandbau verbraucht mehr Naturfläche als die moderne Landwirtschaft. Die Förderung von Biotreibstoffen führt zu einer massiven Entwaldung in Südostasien, wo Palmöl für Biodiesel angebaut wird. Energiesparleuchten enthalten giftiges Quecksilber. „Wir brauchen die richtigen Prioritäten“, sagt Bjørn Lomborg. „Die meisten Grünen wollen nicht über Prioritäten diskutieren. Es geht viel zu oft darum´ sich gut zu fühlen, und zu wenig darum, die Dinge wirklich besser zu machen.“

    Eine Priorität, die besonders Patrick Moore am Herzen liegt, ist die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität: „Nur so können wir die wachsende Menschheit ernähren, ohne dass wertvolle Naturgebiete unter den Pflug kommen. Hier sehe ich die größte Hoffnung in den Möglichkeiten einer grünen Gentechnik.“

    „Öko-Judas“

    Die Grünen tun sich mit den Anders-Grünen ebenso schwer wie die Kirchen mit ihren Ketzern oder der Sozialismus mit seinen Kritikern. Als „Öko-Judas“ wird Patrick Moore von seinen alten Mitstreitern beschimpft. Und mehr noch: „Sie haben versucht mich aus ihrer Geschichte zu tilgen. 2007 strichen sie meinen Namen aus der Liste der Greenpeace-Gründer.“

    Dabei haben sich nicht nur die Kritiker, sondern auch die Vertreter der grünen Mehrheit gewandelt – zumindest äußerlich. Cem Özdemir und Jürgen Trittin haben mit den strickenden Zauselbärten von einst wenig gemein. Während der typische Umweltschützer früherer Tage im Schlauchboot Giftmüllschiffe attackierte oder bedrohte Lurche beim Überqueren von Schnellstraßen unterstützte, steigt der moderne Öko-Lobbyist mit Anzug und Aktenkoffer ins Flugzeug, um in Brüssel die Sache der Solarindustrie zu vertreten. Sonne und Wind sind ein globales Milliardengeschäft geworden, ebenso wie der Markt für Bionahrung oder Müll-Recycling. Selbst die Deutsche Bank brüstet sich heute damit, wie viel Kohlendioxid sie einspart, und in Wahlkämpfen will jede Partei die grünste sein. Richtige Gegner gibt es schon lange nicht mehr. Vielleicht erklärt das die Lust am Kampf mit den Anders-Grünen in den eigenen Reihen.

    Nagende Zweifel

    Diesen Freitag veranstaltet die Fraktion der Grünen im Bundestag eine Tagung, die mit einiger Wahrscheinlichkeit Zweifler an der offiziellen Klimatheorie als Dunkelmänner und bezahlte Agenten darstellen wird. Dennoch nagt der Zweifel an den Frömmsten – zumindest in aller Heimlichkeit.

    „Häufig begegnet mir im Gespräch mit Verbandsfunktionären große Zustimmung“, berichtet Reichholf, „wenngleich hinter der vorgehaltenen Hand. Man braucht einfach Zeit und Geduld.“

    Stewart Brand beschreibt es so: „Das ist wie bei Software. Zuerst ist der Prozess eher schleppend, und plötzlich geht alles ganz schnell.“ Er könnte Recht behalten. Die erste grüne Bundestagsfraktion lehnte Computer noch kategorisch ab. Heute gehören Mobiltelefone und das Internet zum Alltag von Öko-Aktivisten. Auch über medizinische Gentechnik regt sich kein Grüner mehr auf. Dabei war man einmal sehr stolz, die gentechnische Herstellung von Insulin in Deutschland verhindert zu haben.

    MENSCHEN: Öko, aber logisch - Menschen - FOCUS Online - Nachrichten



    Diskussionsgrundlage:

    was haltet ihr von den Anders-Grünen?
    Totaler Schwachsinn oder eine Alternative zu den etablierten Grünen?
     

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  3. #2 1. Oktober 2011
    AW: Öko, aber logisch - die Anders-Grünen

    die grünen sind schon lange nicht mehr grün. man erinnere sich noch an alte zeiten. am anfang sind die grünen mit dem fahrrad in den bundestag gefahren, aber als es dann kostenlos einen mercedes als dienstwagen gab, ist jeder mit dem auto gefahren.
     
  4. #3 1. Oktober 2011
    AW: Öko, aber logisch - die Anders-Grünen

    Ich glaube ich würde mich in diesem Fall "anders grüner" nennen.
    Macht in vielen Belangen einfach keinen Sinn gerade dass die angesprochene
    Ökolandwirtschaft beispielsweise mehr Land in Anspruch nimmt, doch nicht
    nur das, sondern auch die "Öko"Pestizide sind für die Natur viel schädlicher,
    als die vermeintlich böse normale Chemiekeule.

    Die ganze Co2 Geschichte hat jedenfalls überhand genommen, die meisten verstehen
    ja heutzutage unter Umweltschutz nur noch Co2-Emission minimieren.
    Dabei gibt es so viel wichtigere Dinge die zu verhindern sind.


    Allerdings muss man alles verhältnismäßig sehen, das Quecksilber, das mit den
    Energiesparlampen in den Umlauf gebracht wird, wird auf der anderen Seite durch
    die Emissionen der Kohlekraftwerke aufgewogen ( die auch Quecksilber freisetzen).
    Ich stimme dem Artikel aber soweit zu, dass Verbote etc. zu schnell ausgesprochen
    werden, wieso treibt man denn dann nicht erstmal die LED-Entwicklung voran.
     
  5. #4 1. Oktober 2011
    AW: Öko, aber logisch - die Anders-Grünen

    Für mich sind die Grünen ein doppelzüngiger Haufen. Auf der einen Seite sonnen sie sich im Öko-Image längst vergangener Tage, als die Grünen wirklich noch grün waren und auf der anderen Seite gehen sie einer Zweitbeschäftigung bei Energieversorgern oder anderen Firmen nach, da diese die Hoffnung hegen, dass auch etwas von diesen grünen Schein auf sie fällt. Das rückt die Grünen in ein schlechtes Licht und das zu recht.

    Was den Ökolandbau angeht, muss ich sagen, dass ich nicht glaube, dass wir in einer waldlosen Steppe leben würden, wenn auf Ökolandbau umgesattelt würde. Schließlich müssen wir uns vor Augen halten, dass unsere Agrarwirtschaft hier in Deutschland auch große Überschüsse produziert und wir nicht gleich am Hungertuch nagen würden wenn die Erträg-pro-Fläche niedriger ausfallen würden.
    Die konventionelle Landwirtschaft wird doch eher aus wirtschaftlichen Aspekten (Preisdruck etc.) bevorzugt und weniger auf Grund der Versorgungssicherheit der Bevölkerung.

    Was die Öko-Pestizide angeht stimm ich tada zu. Da muss noch was getan werden. Zumindest wenn ich da an Kupfersulfat denke, dass im Ökolandbau eingesetzt wird. Anderseits muss man aber auch daran denken das die Pestizide und Düngemittel in der konventionellen Landwirtschaft auch nicht ohne sind (RoundUp *Hust*).

    Was die Energiesparlampen angeht, glaub ich ebenfalls, dass eher wirtschaftliche und weniger ökologische interessen dahinter stecken. Meiner Meinung nach ist das Verbot der Glühbirne darauf zurückzuführen, dass Phillips, Osram und Co. einfach Geld machen wollen. Bei einem Produkt, wie der Glühbirne, die ja ein ziemliches Low-Tec Produkt ist und es eigentlich keinen Unterschied macht, ob ich sie bei Kodi oder im Baumarkt von Osram hole, können die Firmen ihren Absatz nur durch einen niedrigen Preis sicherstellen. Das führt dazu, dass der Gewinn an einer verkauften Glühbirne immer mehr schrumpft, da man ja mit vielen Marktteilnehmern preislich konkurieren muss. So kommt es also dazu, dass die Firmen eben wenig an einer Glühbirne verdienen.
    Werden nun aber die Glühbirnen verboten und Energiesparlampen eingeführt, kann man den Kunden zur Kasse bitten. Denn hier ist keine Energiesparlampe, wie die andere und der Kunde muss jedes bisschen Mehr, wie zum Beispiel ein besonders warmes Farbspektrum oder auch eine extra lange Lebensdauer, extra Zahlen. So entgeht man den Preisdruck aus Fern-Ost oder anderer Konkurrenten und kann eine höhere Gewinnspanne erzielen. So zumindest meine Meinung.

    So genug geschrieben...
     
  6. #5 1. Oktober 2011
    AW: Öko, aber logisch - die Anders-Grünen

    Die Grünen sind ebenso wie Vereine wie zum Beispiel Greenpeace mittlerweile starke Lobbygruppen die knallhart eigene Interessen verfolgen.
    Es gibt einige Dinge die einem von ihnen als Grün verkauft werden es aber garnicht sind.
    Umweltschutz ist natürlich trotzdem wichtig...
     
  7. #6 5. Oktober 2011
    AW: Öko, aber logisch - die Anders-Grünen



    Wenn solche Idioten aufhören würden, die Hälfte des produzierten Gemüses unterzupflügen und die Hälfte des Restes wegzuwerfen, dann müsste er sich darum keine Sorgen machen. Abgesehen davon wächst auf einer permakulturell betriebenen Fläche vielmehr pro Quadratmeter. Konventionelle Landwirtschaft ist der letzte Mist und Gentechnik für Lebensmittel braucht es schon gar nicht. Und wenn Gentechnik, beispielsweise um Krankheiten zu heilen, dann müssen die Pflanzen abgeriegelt wie Tschernobyl unter der Erde wachsen.
    Allein das verwenden von deutschlandweit weggeworfenem Brot als Biomasse würde ein Atomkraftwerk ersetzen!
     
  8. #7 5. Oktober 2011
    AW: Öko, aber logisch - die Anders-Grünen

    Agree
    =====

    Grüne Gentechnik ?

    Das ist nicht nur Korrumpiert, sondern schon total umgedreht
    und m.E.n. Verrat an der eigenen Sache oder sie sie sind dermassen unterwandert und aufgeweicht worden durch Jahrelanges geklüngel, daß sie selber nichtmal mehr merken,
    dass sie als Grün-Bio-Partei schon längst verloren haben.

    Die ganzen Ideale für die sie eingetreten sind,
    treten sie nun selber ein.
    Muss es wirklich IMMER so laufen ?

    Die Piraten als neue Oppositz, steht ja nun mal eher
    für die technische Seite (Freiheit im Internet - Datenschutz etc.)

    Werden also in dieser Richtung wohl kaum großartig intervenieren ...
    Obwohl - wie heißt es ...
    Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.

    Im Grunde genommen brauchen wir wohl auch eine neue Partei, die sich wieder aus Spontis zusammensetzt und
    für die belange der Natur eintritt und den Genverdrehern auf die Finger klopft.

    Und btw.

    Umweltschutz != Naturschutz

    Zum Abschluss noch ein philosophischer ...

    Die Menschen haben es erst dann verstanden, wenn Naturschutz nicht mehr in Ihrem Wortschatz vorkommt, denn es sollte sich von selber verstehen und nicht erst
    politisiert werten müssen.
    (nein, kein Rechtschreibfehler .)


    grüz
    KK
     

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