Opera vs. Microsoft: Ernsthafte Kartellbeschwerde oder PR-Paukenschlag?

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von elf4, 14. Dezember 2007 .

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  1. #1 14. Dezember 2007
    Ernsthafte Kartellbeschwerde oder PR-Paukenschlag?

    Der norwegische Browser-Hersteller Opera hat gestern angekündigt, eine Beschwerde bei den europäischen Wettbewerbshütern gegen Microsoft einzureichen. Eine Ankündigung, die auf den ersten Blick wie ein ein kostengünstiger PR-Einfall daherkommt, obwohl oder gerade weil so viele internationale Medien auf die Mitteilung reagierten. Doch vielleicht haben die Norweger auch einfach die Zeichen der Zeit erkannt und wollen nun einen juristischen Fehler der Vergangenheit wieder wettmachen.

    Denn als fehlerhaft könnte man es ansehen, wie der Fall des Kartellverfahrens gegen Microsoft in den USA behandelt wurde. Dazu nur ein kleiner Blick zurück in die Geschichte:

    Bis in die Mitte der 90er Jahre lässt sich die Situation salopp so zuammenfassen, dass Microsoft die Entwicklung des Internet schlicht verschlafen hatte. Doch das war unternehmensintern erkannt worden und Bill Gates selbst ließ verlauten, dass sein Unternehmen das Internet "umarmen" müsse, wolle man den künftigen Konkurrenzkampf bestehen.

    Das war aber leichter gesagt als getan, denn der schon damals wichtigste Bereich des Internet, das WWW, wurde von einem kleinen Unternehmen namens Netscape Communications beherrscht, dessen Browser ein Abkömmling des universitär entwickelten Mosaic-Browsers war. Der Microsoft-eigene Internet Explorer führte dagegen ein kümmerliches Randdasein. Was aber auch verdient war, denn der Explorer stellte keine Alternative zum Navigator von Netscape dar.

    Doch mit der Version 3.0 des MSIE kündigte sich eine Änderung an. Diese Software schaffte es schnell, sich bis zu 30% Marktanteil zu erkämpfen. Das allerdings mit Mitteln, die von Netscape beim US-Justizministerium angeprangert wurden. Unter anderem soll Microsoft Computer-Hersteller unter Druck gesetzt haben. Sie sollten den Explorer vorinstalliert mit jedem verkauften OEM-Rechner anbieten.

    Andernfalls - so behauptete und belegte es Netscape - wurde ihnen mit Vertragskündigung oder erhöhten Preisen gedroht. Auch die Bündelung des Explorers mit dem Betriebssystem wurde zu dieser Zeit erstmals angekündigt. Später entwickelte sich diese Bündelung zu einer der wichtigsten und komplexesten Fragen des US-Kartellverfahrens gegen Microsoft.

    Dieses Verfahren begann 1997 mit den ersten Anhörungen, wobei es durchaus erwähnenswert erscheint, wie skeptisch die US-Medien diesen Fall betrachteten. Der Vorsitzende Richter Thomas P. Jackson wurde beispielsweise als wenig kompetent bezeichnet, da er in Computer-Fragen als unerfahren galt. Am Hauptstandort Microsofts wurden in der Seattle Times sogar "Studien" verbreitet, wonach Jackson zu den "schlechtesten" Richtern Washingtons gehörte.

    Doch der Richter erkannte das Problem der Computer-Händler dennoch sofort und erließ noch 1997 eine Verfügung, die jede weitere Einflussnahme auf die Händler untersagte. Gegen diese Verfügung ging Microsoft sofort vor und startete damit ein jahrelanges juristisches Tauziehen bei dem Dutzende von Anwälte auf den verschiedensten Kampfplätzen antraten.

    Richter Jackson formulierte damals auch zum ersten Mal in einem Memorandum seine Einschätzung von Microsoft. Er sprach von einer Missachtung und Verspottung des Gerichts durch das Unternehmen und seine Vertreter. Zu dieser Einschätzung kam er in den folgenden Jahren noch häufiger, wenn anscheinend klar formuliertes Beweis-Material durch die Anwälte "neu interpretiert" wurde.

    Oder wenn sogar Bill Gates im Zeugenstuhl sich kaum an etwas erinnern konnte und sich im Stuhl wackelnd vor eindeutigen Antworten drückte (vgl. YouTube-Beispiel.

    Und so wundert es dann auch wenig, wenn Jackson in seiner Zusammenfassung der Beweisaufnahme ("Findings of Fact") zu dem Ergebnis kommt, dass Microsoft gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen hat, dass US-Unternehmen und US-Verbraucher hierdurch benachteiligt wurden, und dass die technische Innovation durch diese Handlungen ebenfalls beeinträchtigt wurde.

    Auf Grundlage dieser Erkenntnis verlangte er in seinem Urteil eine Zerschlagung des Unternehmens in mindestens zwei unabhängige Abteilungen.

    Doch dazu kam es bekanntlich nicht. Weil Jackson sich gegenüber den Medien zu Microsoft-feindlich gezeigt hatte, wurde das Urteil von einem Berufungsgericht aufgehoben. Zuvor schon hatte AOL das angeschlagene Unternehmen des Konkurrenten Netscape übernommen, obwohl der AOL-Chef Steve Case aussagte, dass sein Unternehmen kein Interesse an einem eigenen Browser habe.

    Netscape wurde dann jahrelang in einem Zustand der unternehmerischen Verwahrlosung gehalten, bis AOL sich schließlich davon trennte. Aus den Unternehmensresten, d.h. aus einigen verbliebenen Mitarbeitern formierte sich dann Mozilla als Organisation.

    Der Rechtsstreit gegen Microsoft wiederum wurde erneut aufgenommen. Doch im Herbst 2001, kurz nach den Terroranschlägen in New York, forderte die Vorsitzende Richterin Colleen Kollar-Kotelly beide Seiten zu einer Schlichtung auf, da das Land nun vor größeren Herausforderungen stehe. Tatsächlich kam zu einer schnellen Einigung zwischen dem klagenden Justizministerium - inzwischen unter neuer Führung der Bush-Regierung - und Microsoft.

    Derweil verdient es Erwähnung, dass bereits im Jahr 1998 mit Robin Miller erstmals ein US-Journalist feststellte, dass nicht nur Netscapes Existenz von Microsoft bedroht wurde, sondern auch die der kleinen norwegischen Software-Schmiede Opera. Doch wenn dieses Unternehmen sich damals bei der EU-Kommission beschwert haben würde, hätte es eine Absage erhalten.

    Man hatte sich auf eine transatlantische Aufgabenteilung verständigt. In den USA sollte das Kartellverfahren in Sachen Netscape verhandelt werden. Das in Europa eingeleitete Kartellverfahren gegen Microsoft sollte dagegen die Server-Software sowie den Media Player zum Gegenstand haben. Dieses letztgenannte Verfahren kann seit diesem Jahr als abgeschlossen gelten und man darf Microsoft als Verlierer des Verfahrens bezeichnen.

    Doch vielleicht wäre es aus heutiger Sicht auch an der Zeit, den "Krieg der Browser" noch einmal aufzurollen. Denn eine Behauptung steht nach wie vor im Raum, wurde aber zuletzt nicht mehr ernsthaft geprüft: Microsoft soll seine Monopolstellung auf dem Markt der Betriebssysteme ausgenutzt haben, um sich ein weiteres Monopol im Bereich der Browser bzw. der Internet-Software aufzubauen.

    Ohne den Druck auf die Computer-Händler und ohne die Bündelung mit dem Betriebssystem könnte Opera heute zu den weltweit führenden Browser-Herstellern gehören. Stattdessen musste das Unternehmen den Verkauf von Browser-Software einstellen und ist heute ebenso wie andere Browser-Produzenten von den Geldspritzen Googles abhängig, einem anderen Monopolisten aus den USA.

    Links:
    Quelle: intern.de
     

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  3. #2 14. Dezember 2007
    Opera vs. Microsoft: Stellungnahme aus Redmond

    Gestern berichteten wir darüber, dass die Software-Schmiede Opera bei der Europäischen Kommission eine Beschwerde gegen Microsoft eingereicht hat. Man fordert die Trennung des Internet Explorers vom Betriebssystem Windows.

    Nun haben die Redmonder reagiert und eine Stellungnahme abgegeben. Demnach kann man die Meinung von Opera nicht vertreten. Jeder Windows-Nutzer hat die Möglichkeit, alternative Browser zu installieren und diese als Standard-Anwendung für alle Aufgaben zu verwenden. Zudem können die PC-Hersteller auch ab Werk andere Browser vorinstallieren.

    Opera wirft Microsoft vor, seine Marktmacht zu missbrauchen, um den Internet Explorer zu verbreiten. Zudem werden Web-Standards konsequent ignoriert, so dass die Entwicklung von Webseiten deutlich schwieriger ist, als sie eigentlich sein müsste. Man fordert die Trennung des Internet Explorers vom Betriebssystem oder die Beilegung von Alternativen (Opera, Firefox, etc.).

    Nun könnte ein ähnliches Verfahren anstehen, wie einst im Zusammenhang mit dem Windows Media Player. Damals wurden die Redmonder gezwungen, Windows auch ohne den Multimedia-Player anzubieten. Allerdings sind die so genannten 'N'-Versionen kaum auf dem Markt vertreten.

    Quelle:http://www.winfuture.de/news,36415.html
     
  4. #3 16. Dezember 2007
    AW: Opera vs. Microsoft: Stellungnahme aus Redmond

    für mich ziehmlich sinnlos. da kann man doch gleich auch paint und alles andere entfernen inclusive den explorer. paint würde ja gimp zu große konkurenz bereiten o0
     
  5. #4 16. Dezember 2007
    AW: Opera vs. Microsoft: Ernsthafte Kartellbeschwerde oder PR-Paukenschlag?

    oooooooooooookkkkaaay....

    nur frag ich mich: Wenn ich mein betriebssystem neu aufsetze und kein Internet Explorer habe, wie soll ich dann Opera runterladen? Da wäre ich ja total aufgeschmissen und müsste erst meine Cds nach Browsern durchsuchen ;)
     
  6. #5 16. Dezember 2007
    AW: Opera vs. Microsoft: Ernsthafte Kartellbeschwerde oder PR-Paukenschlag?

    Genau da fängt es ja schon an, dass man von Anfang an quasi erst Mal keine Alternativen hat.^^
    Aber irgend ein Browser sollte ja schon vorinstalliert sein, nur leider kann man sich bei Microsoft vorher nicht entscheiden.
     
  7. #6 16. Dezember 2007
    AW: Opera vs. Microsoft: Ernsthafte Kartellbeschwerde oder PR-Paukenschlag?

    Wer Lesen kann , ist klar im Vorteil ......

    Das läuft darauf hinaus, dass man beim OS Installieren schon einen
    anderen Browser mit bei hat und nicht Gezwungen ist IE zu benutzen

    grüz
    KK
     
  8. #7 17. Dezember 2007
    Opera: 'Wir werden für Fehler von Microsoft bestraft'

    Nachdem der norwegische Browserhersteller Opera in der letzten Woche die Einreichung einer Beschwerde bei der EU wegen Microsofts angeblich wettbewerbsbehindernder Bündelung des Internet Explorer mit Windows bekannt gab, versucht das Unternehmen nun die Gründe für die Beschwerde klar zu stellen.

    Microsoft hatte Operas Beschwerde als grundlos bezeichnet, weil die Anwender ja nach eigenem Gutdünken einen Browser ihrer Wahl installieren könnten. Opera hatte Microsoft vorgeworfen, seine Marktmacht mit der Bündelung seines Browsers mit Windows und die Missachtung von etablierten Webstandards zu missbrauchen.

    Im Gespräch mit ComputerWorld hat Opera nun weitere Einblicke in die Hintergründe der Beschwerde gewährt. Nach Angaben von Operas Chief Technical Officer Hakon Wium Lie, entstehen für sein Unternehmen diverse Probleme, weil Microsoft sich nicht an sein Versprechen hält, aktuelle Standards zu respektieren.

    Durch die Missachtung der Standards seien Entwickler in der ganzen Welt dazu gezwungen, ihre Webseiten für die Nutzung mit dem Internet Explorer anzupassen. Dies zieht nach Meinung von Lie eine Reihe von Problemen nach sich, die auch andere Browserhersteller betreffen. So sei Opera ständig gezwungen, Fehler des Internet Explorer zu replizieren, um eine ordnungsgemäße Darstellung diverser Websites im eigenen Browser zu gewährleisten.

    Da die für den Internet Explorer angepassten Websites dennoch nicht immer optimal angezeigt werden, verliert Opera laut Lie teilweise Anwender an die Konkurrenz von Microsoft. Viele Nutzer würden zwar Opera bei der Internet-Nutzung bevorzugen, müssten dann aber wieder auf den Internet Explorer wechseln, weil die von ihnen besuchten Seiten nicht richtig dargestellt werden, so Lie.

    Er argumentiert deshalb, dass Webentwickler nicht dazu gezwungen sein dürften, ihre Projekte für Microsofts Browser anzupassen. Schließlich gebe es Standards, an die sich alle Anbieter halten müssten. Wenn nun aber ein Unternehmen mit der Marktmacht von Microsoft die Standards missachte, würden die Anbieter praktisch bestraft, die sich an die Vorgaben halten, sagte er weiter.

    Microsofts mögliche Ausrede, dass es technisch unmöglich sei, den Internet Explorer entsprechend der Standards zu verändern, will Lie unterdessen nicht gelten lassen. Die Redmonder hätten schließlich die Entscheidungen für die in den Spezifikationen enthaltenen Vorgaben mit getragen, die Richtlinien seien also bekannt und von Microsoft akzeptiert worden.

    Lie wies auch Unterstellungen zurück, wonach Opera die Beschwerde bei der EU nur deshalb eingereicht habe, weil man im freien Markt sonst nicht bestehen könnte. Man habe im Bereich der mobilen Anwendungen mit Opera großen Erfolg, im Desktop-Sektor sei der mangelnde Erfolg allerdings auf das Fehlen eines fairen Wettbewerbs zurückzuführen.

    Alles was man mit der Beschwerde bei der EU erreichen wolle, seien gleiche Bedingungen für alle Browserhersteller, so Lie abschließend. Operas Browser wird nach Angaben der Marktforscher von Net Applications von weniger als einem Prozent der Surfer verwendet. Microsofts Internet Explorer wird noch immer von 77 Prozent der Nutzer eingesetzt, musste aber in der letzten Zeit immer mehr Marktanteile an den freien Browser Firefox abgeben.

    Quelle:http://www.winfuture.de/news,36446.html
     
  9. #8 18. Dezember 2007
    Microsoft hat nichts gegen vorinstallierten Opera-Browser

    Microsoft hat nichts gegen vorinstallierten Opera-Browser
    Nutzer können ihren Standard-Browser frei wählen
    Mit Unverständnis reagiert Microsoft auf Operas Beschwerde bei der EU-Kommission. Der norwegische Browser-Hersteller wirft Microsoft vor, durch die Verbindung von Internet Explorer und Windows seine dominante Position zu missbrauchen. Zudem behindere Microsoft die Interoperabilität verschiedener Applikationen durch die Nicht-Einhaltung von Webstandards.


    Bei Microsoft kann man Operas Beschwerde nicht nachvollziehen: Computernutzer hätten die volle Freiheit, jeden Browser als Standard-Browser festzulegen, einschließlich Opera. Auch habe Microsoft nichts dagegen, dass PC-Hersteller Windows-Systeme mit Opera als vorinstalliertem Standard-Browser ausliefern. Zudem sei die enge Verknüpfung von Browser und Betriebssystem von Vorteil für die Nutzer.

    Zudem sei der Internet Explorer schon seit zehn Jahren ein fester Bestandteil des Windows-Betriebssystems und unterstütze eine große Auswahl an Webstandards.


    quelle: Golem.de
     
  10. #9 18. Dezember 2007
    AW: Microsoft hat nichts gegen vorinstallierten Opera-Browser

    Ganz einfach: Mein Bestirebsystem, mein Browser!

    So würde ich das machen.
     

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