Plötzlich Veganer - was können Eltern tun, wenn Kinder tierische Produkte ablehnen?

Artikel von Tommy Weber am 17. Juli 2018 um 12:00 Uhr im Forum Essen & Trinken - Kategorie: Trend & Lifestyle

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Plötzlich Veganer - was können Eltern tun, wenn Kinder tierische Produkte ablehnen?

17. Juli 2018     Kategorie: Trend & Lifestyle
Die meisten Eltern sind ratlos, wenn ihre Kinder erklären, dass sie als Veganer leben wollen. Die Eltern sehen vor allem gesundheitliche Risiken und sie können nicht nachvollziehen, welche Beweggründe die Kinder haben, wenn sie auf tierische Produkte verzichten. Mit ihrer kritischen Haltung sind die Eltern nicht allein, auch Ärzte und Ernährungsexperten raten Kindern und Jugendlichen dringend davon ab, komplett auf Fleisch, Milch und Eier zu verzichten.

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Eine Umstellung für die ganze Familie
Massentierhaltung, Tiertransporte, Billigfleisch – das sind die Schlagworte, die viele Kinder und Jugendliche zum Anlass nehmen, künftig als Veganer zu leben. Sie wollen sich nicht schuldig machen, sie prangern die Umstände an, unter denen Rinder, Schweine und Geflügel auf den großen Bauernhöfen leben müssen. Deshalb streichen sie Wurst und Fleisch, aber auch Milch von der Speisekarte. In der Folge muss die ganze Familie die Ernährung umstellen oder es kommt zu einem ständigen Chaos in der Küche. Viele sind so konsequent, dass sie auch Fleischersatzprodukte ablehnen, da diese zu viele ungesunde Zusatzstoffe enthalten. Die Gruppe der Kinder, die sich vegetarisch oder vegan ernährt, wächst stetig und ist längst kein modischer Trend mehr. Die junge Generation setzt sich immer mehr mit Themen wie Tierschutz auseinander und zieht dann für sich die Konsequenzen.

Ungesund in der Wachstumsphase
Wie gesund oder weniger gesund leben die jungen Veganer in der Wachstumsphase? Diese Frage stellen sich die meisten Eltern, aber leider ist dieser Bereich bislang nur unzureichend erforscht. Noch gibt es keine relevanten Zahlen, die objektiv sind, aber mit der Studie „Vechi Diet“ gibt es zumindest Ergebnisse, die die Datenlage etwas verbessern. Allerdings sind die Daten nicht repräsentativ, da nur 364 Kinder an dieser Studie teilgenommen haben. Die Studie zeigt jedoch, dass zehn Prozent der vegan ernährten Kinder und sechs Prozent der vegetarisch ernährten Kinder für ihr Alter zu klein waren. Das weist darauf hin, dass die Ernährung nicht die Nährstoffe enthielt, die sie eigentlich enthalten sollte. Kinder, die Mischkost bekamen, hatten keine Defizite, hier gab es allerdings drei Prozent mit Übergewicht.

Wenn die Nährstoffe fehlen
Ernährungswissenschaftler sind der Meinung, dass eine vegane Ernährung bei Kindern durchaus möglich ist, wenn die Zufuhr an Nahrungsenergie und Nährstoffen stimmt. Besonders wichtig ist das Vitamin B12, denn dieses Vitamin ist für alle von großer Bedeutung, die auf tierische Produkte verzichten. Das Vitamin kommt nur in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs vor und ist enorm wichtig, wenn es um die gesunde Entwicklung des Gehirns und des Nervensystems geht. Forscher haben die Zufuhr ganz bestimmter Nährstoffe untersucht, aber leider nicht, wie der Körper sie aufnimmt. Um das zu erforschen, muss es bestimmte Daten über das Blut geben. Die Studien, die bisher zu diesem Thema vorliegen, sind nur bedingt aussagekräftig. Auch über die geistigen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen, die sich vegan ernähren, liegen keine Untersuchungsergebnisse vor.

Die Versorgung reicht nicht aus
Im Grunde ist es dem Körper völlig egal, welche Nahrungsmittel er bekommt, Hauptsache die Zufuhr an Nährstoffen stimmt. Ob diese Nährstoffe tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind, spielt keine Rolle. Bei Kinder und jungen Erwachsenen, die sich vegan ernähren, fehlen neben dem Vitamin B12 auch unentbehrliche Aminosäuren sowie Vitamine wie Riboflavin und Vitamin D, aber auch Kalzium, Eisen, Selen, Zink und Jod. Kinder, die sich vegan ernähren, müssen so essen wie Kinder, die eine Eiweißstoffwechselerkrankung haben. Diese Ernährung ist sehr komplex und sehr kompliziert. Die Eltern brauchen Beratung von Ernährungsfachkräften, zudem muss ein Arzt die Versorgung mit kritischen Nährstoffen in regelmäßigen Abständen überprüfen. Daher lehnen Kinder- und Jugendärzte Veganismus bei Kindern strikt ab. Sie warnen eindringlich vor irreversiblen Schäden und fatalen Folgen für die Gesundheit. Die fehlenden Vitamine und Aminosäuren führen zu einer starken Verzögerung in der Entwicklung der Gehirnreife und es kommt zu wichtigen kognitiven Beeinträchtigungen.

Wie sollen Eltern reagieren?
Wenn Kinder verkünden, dass sie in Zukunft als Veganer leben wollen, stehen Eltern vor vollendeten Tatsachen und wissen zunächst nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Es dem Nachwuchs ausreden oder den Kindern Angst vor den gesundheitlichen Folgen zu machen, bringt erfahrungsgemäß nicht viel. Besser ist es, mit vernünftigen Argumenten zu punkten oder den Vorschlag zu machen, zunächst einmal nur vegetarisch zu leben. Viele Kinder stellen sich ein Leben ohne Nahrungsmittel tierischen Ursprungs einfach vor. Im Alltag stoßen die Kinder dann aber meist schnell an ihre Grenzen. Eine Einladung zur Grillparty bei Freunden kann ein Problem sein, auch wenn die Familie weiter Fleisch und Wurst isst, sind oft die Verlockungen zu groß. Eltern sollten ihren Kindern klar machen, dass eine einseitige Ernährung ohne die wichtigen Vitamine, die im Fleisch enthalten sind, nicht gesund für die Entwicklung ist. Auch ein Gespräch mit einem Kinder- und Jugendarzt kann für die Kinder eine hilfreiche Erfahrung sein.

Eine gesunde Mischkost
Wenn es den Eltern gelingt, ihre Kinder von einer gesunden, ausgewogenen Mischkost zu überzeugen, kann es sein, dass das vegane Essen bald keine Rolle mehr spielt. Wichtig ist, dass die Eltern ein ungezwungenes Verhältnis zur Nahrung vermitteln und damit zeigen, dass sie auch kein Problem mit der veganen Kost haben. Die Familie kann beispielsweise zwei vegetarische Tage in der Woche einlegen, wenn sich der Nachwuchs seinerseits die gesundheitlichen Folgen eines veganen Essens vor Augen hält. Lassen sich Sohn oder Tochter nicht überzeugen, dann sollte ein Arzt die Kinder in regelmäßigen Abständen untersuchen und ein Blutbild erstellen. Anhand der Ergebnisse wird schnell klar, ob die Versorgung mit den wichtigen Nährstoffen im grünen Bereich ist oder eher nicht. Zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen, falls es eine Lücke in der Versorgung gibt, ist hingegen keine gute Idee.

Zum Erwachsenwerden gehört auch die Neugier. Kinder wollen wissen, wie etwas funktioniert und was möglich ist. Experimentierfreude gehört zur Entwicklung und der Versuch, vegetarisch oder vegan zu leben, ist letztendlich auch eine Art Experiment. Bei vielen Kindern ist es aber auch nur ein Trend, der sich von ganz alleine wieder legt. Ist das jedoch nicht der Fall, dann müssen sich die Eltern und Geschwister mit dem veränderten Essverhalten auseinandersetzen. Darüber zu lachen oder das Anliegen der Kinder nicht ernst zu nehmen, ist der falsche Weg. Besser ist es, darüber zu sprechen und gemeinsam einen Konsens zu finden.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / RadaRani
 

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