Podcaster gegen Broadcasting Treaty: Wir sind die Sender!

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von z3Ro-sHu, 21. Juni 2006 .

Schlagworte:
  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  1. #1 21. Juni 2006
    Link:

    Mehrere europäische Podcaster-Verbände haben sich auf Initiative des britischen Podcasting-Verbands in einer Petition an die World Intellectual Property Organisation (WIPO) gewandt, um vor der Aushöhlung der Rechte von Podcastern durch den geplanten Broadcasting Treaty zu warnen. Der Broadcasting Treaty, ein internationales Abkommen zum Schutz der Rechte von Rundfunkorganisationen an gesendeten Programmen und audiovisuellem Rohmaterial, soll eigene Rechtsansprüche von Rundfunkunternehmen für ihre Sendungen etablieren – über die eigentlichen Rechte der Urheber von Inhalten hinaus. Begründet wird die Notwendigkeit des umstrittenen Vertrages vor allem mit der Gefahr der "Signalpiraterie". Vertreter der Podcaster wollen bei einer Veranstaltung der WIPO in Barcelona auf die Petition aufmerksam machen.

    Die englischen, irischen und deutsche Podcaster kritisieren in ihrer Petition, dass der Broadcasting Treaty einen "tiefen Eingriff in unsere Rechte" darstelle, da sie als eigentliche "geistige Eigentümer nicht die Lizenz und damit auch nicht die zukünftigen Verwendungsmöglichkeiten und Verbreitungsrechte bestimmen können". Thomas Wanhoff, Vorsitzender des deutschen Podcastverbands, sagte gegenüber heise online: "Es kann nicht sein, dass die Rundfunkanstalten freie Inhalte etwa aus Podcasts verwenden, und dann darauf einen für 50 Jahre geltenden Rechtsanspruch haben." Wanhoff selbst ist Podcaster, und sein Podcast wird von Radiosendern aufgegriffen. "Aber was wäre, wenn der Sender damit Rechte erwerben würde?" fragt er sich.

    Die Podcaster fordern mit Blick auf den Broadcasting Treaty daher, dass die "Inhaltsrechte der Sendeanstalten" nicht über die der Podcaster gestellt werden. Alternative Lizenzen wie Creative Commons oder GPL sollen neben dem klassischen Urheberrechten berücksichtigt und anerkannt werden. Podcasting sei zudem eben nicht gleich Braodcasting, daher müsse es rechtlich auch anders behandelt werden. Über allem sollten die Rechte des eigentlichen Inhalteproduzenten nicht durch die Verbreitungsrechte ausgehöhlt werden.

    Wanhoff sagte, die Integration von Rechten der Podcaster oder Webcaster im Broadcasting Treaty sei gerade keine Lösung. Vor allem die USA hatten sich bei den Verhandlungen bei der WIPO für die Integration von Webcasting-Regeln stark gemacht. In dieser Frage, meinte Wanhoff, gehe es hin und her in Genf. Für die europäischen Podcaster sei das schwer zu verfolgen. Abgesehen von der überzogenen Schutzfrist für 50 Jahre ist aus seiner Sicht der neue Vertrag viel zu sehr aus "einer klassischen Rundfunk-Perspektive" gemacht. "Das Bild ist in diesem Vertrag immer noch, dass die Sendeanstalten eben die Lieferanten von Inhalten sind und damit dann auch Rechteinhaber. Dass heute mehr Leute teilhaben an der Produktion von Inhalten, etwas beitragen oder weiterverarbeiten, das scheint da einfach ignoriert zu werden." Wanhoff sagte, er hoffe, dass man weitere europäische Podcaster mit auf den Plan rufen kann. Vor allem sollen die Podcaster von der WIPO nicht vereinnahmt werden, ohne dass sie auch gehört würden. "Wir wollen nur unsere Rechte behalten – und dafür kämpfen wir."
     

  2. Anzeige

  3. Videos zum Thema
Die Seite wird geladen...