Protokoll eines Martyriums

Dieses Thema im Forum "Politik, Umwelt, Gesellschaft" wurde erstellt von Locke der Bo$$, 19. März 2007 .

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  1. #1 19. März 2007
    Sie folterten ihn mit Elektroschocks, hängten ihn tagelang auf: 2003 wurde der Imam Abu Omar von US-Agenten entführt, in ein ägyptisches Gefängnis verschleppt. Nun schildert der kürzlich Freigelassene erstmals seine Qualen und die Rolle der Deutschen in der Affäre - düsteres Zeugnis eines entfesselten Geheimdienstes.


    Alexandria - Weil wir sein Haus in dem Gewirr von engen Gassen mit offenen Kanalschächten nicht finden können, kommt Osama Hussein Nasr kurz runter auf die Straße. Plötzlich steht er da, vor einem kleinen Cafe in einem Armenviertel von Alexandria. Kleine Statur, langer struppiger Bart, eine runde weiße Kappe auf dem Kopf. Nur ein kurzer Handschlag. Dann drängelt der Mann, den man meist unter dem Namen Abu Omar kennt. Zum Reden sollen wir lieber hinauf kommen. "Hier unten auf der Straße", sagt er, "sind sie überall, die Sicherheitsleute".

    Besuch von westlichen Journalisten ist für Abu Omar verboten. "Meine Freunde", so nennt er die ägyptischen Behörden, hätten ihn "dringend ermahnt", sich an die Anweisung zu halten. Abu Omar ist nervös. Seit dem 11. Februar ist der 46jährige frei, offiziell zumindest. Kein Vorwurf mehr wird von den Behörden mehr gegen ihn erhoben. Doch er verstößt gegen seine Auflagen, trifft sich mit uns. "Ich habe zwei Möglichkeiten", sagt er, "entweder ich verhalte mich ruhig, folge den Anweisungen, lebe ein ruhiges Leben - oder ich erzähle der Welt meine Geschichte und riskiere eine Menge Probleme."

    CIA-Entführung: Die lange Reise des Abu Omar

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    Auf den wenigen Metern hin zum Aufgang des schäbigen Mietshauses in einer Seitengasse sieht er sich immer wieder um. Die lauernden Männer hinter den Wasserpfeifen, die Straßenverkäufer, die lungernden Tagträumer, jeder könnte ein Polizist sein. "Ich werde rund um die Uhr beobachtet", meint Abu Omar, "für die bin ich doch ein lebendes Risiko". Seine Entscheidung aber steht, nachdem wir lange mit seinem Anwalt in Kairo verhandelt haben. Abu Omar will reden - "egal was es für mich bedeutet". Die Welt, so hatte es sein Anwalt ausgedrückt, müsse "die Wahrheit" hören.

    Abu Omars Geschichte ist eine der fragwürdigsten CIA-Aktionen nach den Terroranschlägen des 11. September. Mitten in Mailand kidnappten am 17. Februar 2003 Agenten des US-Geheimdienstes den radikalen Prediger. Ein lammfrommer Pazifist war der Imam wahrlich nicht: Jahrelang hatte er in der Mailänder Islamisten-Szene gegen die USA gehetzt, selber in Afghanistan gekämpft. Junge Dschihad-Rekruten soll er angefeuert und an den Hindukusch geschickt haben. Für die Italiener war Abu Omar ein großer Fisch, die Verhaftung nah. Für die CIA indes war er Zielperson, auf den Rechtsstaat wollten die amerikanischen Terrorjäger nicht warten. Männer wie ihn wollten sie rasch und möglichst lautlos aus dem Verkehr ziehen.

    Mit einem der berüchtigten CIA-Learjets flogen ihn die Häscher nach Kairo, zurück in seine alte Heimat. Dort, so das Kalkül, sollten die skrupellosen Vernehmer der ägyptischen Dienste alles aus Abu Omar herauskitzeln.

    Spuren einer staatlichen Entführung

    Ägypten erfüllte dem amerikanischen Freund die Wünsche. Glaubt man Abu Omar, begann für ihn auf der anderen Seite des Mittelmeers ein Martyrium, das an finsterste Zeiten südamerikanischer Diktaturen erinnert: Die "Schergen der USA" (Omar) schlossen Elektroden an seine Genitalien an, um ihn zum Reden zu bringen, trieben ihn mit lauter Musik fast zum Wahnsinn. Bis heute, sagt er, könne er das Wasser nicht halten. Als Beweis zeigt er kleine schwarze Flecken auf seiner Haut, verbrannt von den Stromstößen.

    Viel Erhellendes bekamen die Ermittler von Abu Omar nicht zu hören, dafür entwickelte sich die Aktion zum Desaster für die CIA. Keine der renditions, so nannten die US-Geheimdienstler ihre Kidnappings, ist besser dokumentiert. Pässe der Agenten, ihre Telefonate und horrende Spesen-Quittungen, all das fand ein Mailänder Staatsanwalt - und erhob Anklage gegen die Entführer. Die Hauptverhandlung beginnt im Juni. Auch wenn die 26 angeklagten Agenten der CIA nicht kommen werden, ist der Prozess äußerst heikel. Die italienische Regierung versucht derzeit, das Skandal-Verfahren per Verfassungsgericht zu stoppen.

    die amies müssen auch gleich übertreiben und ihn 4 jahre gefangen halt......

    mfg locke der boss
     

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  3. #2 19. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    da sieht man wieder wie grundrechte in die tonne gekloppt werden!!

    hoffentlich gibts ein krasses verfahren damit solche sachen in zukunft nicht mehr passiern.
    auf jeden fall ist die sache mehrfach schädlich:

    1. die amis und die verbündeten werfen auf sich ein schlechtes bild
    2. die solidarität mit den terroristen kann auf islamischer seite immer mehr zunehmen
    3. nach solchen desastern ist eine rechtstaatliche verurteilung nahezu unmöglich
    4. fällt mir noch ein :)

    peace
     
  4. #3 19. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    Solche Sachen werde auch in Zukunft weiter passieren bzw es wird noch viel schlimmer.
    Die meisten Sachen kommen gar nicht erst an die Öffentlichkeit und niemand von uns will wirklich Wissen wer wieviele Leichen im Keller hat.
    Ich weiß das das jetzt zu ner Kontroversen führen kann.... Menschenrechte hin oder her, glaube aber auch das durch diese "Falschen" maßnahmen ne menge :poop: gar nicht erst Passiert.
    Das klingt krass, aber sicher gibt es ne menge Leute mit Ahung und Macht die genau das im glauben ihre Nation vor Terroristen zu schützen tun.
     
  5. #4 20. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    Natürlich ist das Verhalten zu verurteilen aber Teilweise muss ich buzzy da Recht geben. Die Arbeit von Geheimdiensten stützt sich in Grenzfällen meist nur auf Informationen, die nicht mal als halbwegs annehmbare Indizien gelten könnten, da man darauf angewiesen ist Spitzeln und Informanten zu vertrauen (in manchen Fällen) und eine präventive Festnahme einer verdächtigen Person oft auch später gerechtfertigt werden konnte und auch den Zweck, nämlich die Vorbeugung von Anschlägen, erfüllte.
    Andererseits sind die Methoden zu verurteilen und beruhen auf der Kompetenz der Zuständigen und deren Ermessen. Wenn man fest von der Schuld des Gefangenen überzeugt ist und davon, dass viele Menschen sterben werden, wenn dieser Mann keine Informationen preis gibt ist nur logisch das der Zuständige hier utilitaristisch handelt. Trotzdem grenzt das an Wahn und auch eine Abart von Fanatismus einen Sündenbock zu finden/zu erklären ohne jede Art von Beweisen.

    Ungerechtfertigtes Verhalten, dass für mich aber nachvollziehbar ist und vvon der Presse ausgeschlachtet wird.
     
  6. #5 21. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    Bei den Nürnberger Prozessen wurde von den Allierten eine neue Ordnung im Bezug auf die Behandlung von Personen,welche Verbrechen gegen die Menschlichkeit beganngen hatten festgelegt.Allen voran die USA und jetzt sind es eben diese, die die damals festgelegten Richtlienen immer öfter komplett über den Haufen werfen!!!Das Problem ist, dass kein anderer Staat den Mut dazu hat sie für diese Verbrechen auch nur Verbal anzuprangern!
     
  7. #6 21. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    grade durch derartige maßnahmen wird eine vernünftige und für jeden nachvollziehbare bestrafung von kriegsverbrechern immer unmöglicher! selbst den schlimmsten sadisten sollte ein vernünftiger öffentlicher prozess gemacht werden! ich finde es zum beispiel auch schrecklich das ein mörder wie zb pinochet bis an sein lebensende friedlich leben konnte!
     
  8. #7 21. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    ich hab mal gelesen, dass man im prinzip churchill, truman und stalin ebenfalls auf die anklagebank der nürnbergerprozesse hätte setzten können. haben ja alle drei gegen die menschenrechte verstoßen, als zum beispiel dresden noch so spät bombardiert wurde und die atombombe abgeworfen wurde. naja...über stalin brauch ich ja eh nix zusagen. aber ka, ich denke das waren auch andere bedingungen.
    aber wie gesagt, hab ich nur von nem historiker oder so gelesen.

    mfg
     
  9. #8 22. März 2007
    AW: Protokoll eines Martyriums

    ja Stalin war ja kaum besser als hitler....der hat auch voll viele getötet ist aber bei den russen trozdem ein volksheld da er auch gute sachen gemacht hat.....wäre hintler z.B vor dem krieg gestorben wäre er als einer der größsten politiker in die deutsche geschichte eingegangen

    mfg locke der boss
     

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