Qualitätsverlust: Warum Vanille immer weniger Geschmack hat

Artikel von Fabiane Herbst am 2. Mai 2018 um 10:55 Uhr im Forum Haus, Garten, Tiere & Pflanzen - Kategorie: Wissenschaft

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Qualitätsverlust: Warum Vanille immer weniger Geschmack hat

2. Mai 2018     Kategorie: Wissenschaft
Sinkende Qualität bei steigenden Preisen: Wenn echte Vanille immer weniger nach Vanille schmeckt. Mit rund 300€ bis 600€ pro Kilo ist Vanille eines der teuersten Gewürze der Welt. Trotzdem machen Experten gerade die hohen Preise für Qualitätsmängel verantwortlich. Für ein Ende der Krise mit steigenden Preisen will nun ein Forscher aus den Niederlanden mit seiner "Nedervanille" sorgen.

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Unreife grüne Vanilleschoten vor der Ernte.

„Damals war alles besser …“ Wer glaubt, dass echte Vanille früher einfach mehr nach Vanille geschmeckt hat, könnte nicht etwa nur nostalgischen Kindheitserinnerungen erliegen, sondern damit schlicht Recht haben.

Während der Anteil an dem wertvollen Vanillin bei guter Qualität zwischen 1,8 und 2 Prozent liege, habe sich der Durchschnittswert in den vergangenen drei Jahren halbiert – auf unter 1 Prozent. Madagaskar, der Inselstaat vor der Ostküste Afrikas, ist mit einem Anteil von 80% der mit Abstand wichtigste Vanille-Exporteur weltweit.


Die Vanille-Kapseln beginnen erst sehr spät ihr Aroma voll zu entwickeln. Während die Kapsel ihre Größe bereits nach drei Monaten erreiche, seien dazu weitere sechs Monate notwendig. Von besonderer Bedeutung seien vor allem die letzten beiden Monate der Reifephase. Doch so lange wollen viele Vanillebauern nicht warten.
Als Reaktion auf die hohen Preise und aus Angst vor den dadurch zunehmenden Diebstählen wird Vanille oft viel zu früh geerntet, was sich deutlich negativ auf das Aroma auswirkt.

"Hochwertige Vanille ist nicht mehr zu bekommen", stellte auch der Vanille-Großhändler Bernd Hachmann fest. Das Aroma sei einfach schwächer. Durch die anhaltende Knappheit werde die Ware den Händlern jedoch nach wie vor „aus den Händen gerissen". Wegen einer Naturkatastrophe in Maclagaskar ist der Vanillepreis nach Angaben von Hachmann seit 2017 noch einmal um 100 € auf derzeit rund 600 € pro Kilo gestiegen. Damit ist das Gewürz teurer als manches Edelmetall (Silber).

Madagaskar werde versuchen, das Qualitätsproblem mit Exporteinschränkungen in den Griff zu bekommen, kündigt Geeraerts an. So lange noch nicht ausreichend gereifte Kapseln geerntet würden, dürfe Vanille nur mit einer Erlaubnis des zuständigen Ministeriums ausgeführt. Erste kleinere Erfolge dieser Maßnahme seien schon zu erkennen, meinte er.

Ein ganz andere Idee zur Lösung kommt aus den Niederlanden. Bereits in absehbarer Zeit könnte dort der kommerzielle Anbau von Vanille im Gewächshaus beginnen, sagt Filip van Noort von der Universität Wageningen. Voraussetzung sei, dass sich bis dahin genügend Geldgeber für das Projekt fänden. Der Forscher zeigt sich naturgemäß von der Qualität des unter dem Namen "Nedervanille" erzeugten Produkts überzeugt. Gleichzeitig sei bei einer Markteinführung der Gewächshaus-Vanille wieder mit fallenden Preisen zu rechnen, meinte er.

Vanille wächst schnell, doch ihr Aroma entwickelt sich erst viel später
Neun Monate wächst eine Vanilleschote als unscheinbare längliche Kapsel, wie eine grüne Bohne, an einer schönen Orchidee mit weißlichen bis gelben Blüten, der Vanilla planifolia. Nach der Ernte werden die Kapsel in heißem Wasser gebadet und noch einige Monate lang fermentiert. Erst in diesem Prozess werden die ganzen Aromen entfaltet. So werden die Früchte so schrumpelig und biegsam, bekommen ihre schwarz-braune Farbe und ihr süßes, samtig-würziges Aroma.

Experimentierfreudige Vanille-Liebhaber können die Zucht der meterlangen Schlingpflanze auch "zu Hause" in Angriff nehmen. Notwendig für eine erfolgreiche Ernte sei jedoch eine Bestäubung der Pflanze von Hand - das ist aber auch das kleinste Problem, denn bis eine Vanille-Orchidee blühen kann, vergehen mindestens 3 Jahre und die Pflanze wächst auf eine stattliche Größe von 3 Metern. Ohne Gewächshaus und viel Platz ist dieses Vorhaben also so einfach doch nicht möglich. Logisch das es nicht so einfach ist, sonst hätten die Holländer und andere Gewächshausexperten schon längst damit angefangen.
 

Kommentare

#2 7. Mai 2018
Ein sehr informativer Artikel. Leider geht es nicht nur der sonst so leckeren Vanillie qualitätsmäßig schlecht. Auch Obst und Gemüse aus den südländischen Regionen, die wir importieren, verlieren immer mehr an Qualität. Aber das lässt sich bei dem Massenverkauf fast gar nicht vermeiden. Hoffentlich gibt es bald eine Besserung!
 
#3 17. Mai 2018
Da stimme ich catching91 zu. Viele Obst- und Gemüsesorten verlieren immer mehr an Qualität. Höchstwahrscheinlich aufgrund des Imports von Spanien etc.
 
#4 21. Mai 2018
Ich glaube, dass das nicht nur etwas mit den Importen zu tun hat, sondern auch damit, dass das meiste nicht nur saisonal, sondern ganzjährig verfügbar ist. Tomaten zum Beispiel. Die Tomaten, die man im Wintermarkt hier erhält, sind meiner Meinung nach geschmacklich kein Hit. Dennoch werden sie gekauft.

Ist halt immer auch eine Frage von Angebot und Nachfrage. Und wenn die überteuerten und noch nicht ganz reifen Vanilleschoten gekauft werden, wird sich auch nichts an der Lage ändern.