Rom und das Kondom

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von Lord_Roke, 2. Dezember 2006 .

Schlagworte:
  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen
  1. #1 2. Dezember 2006
    Rom und das Kondom

    Die katholische Kirche untersucht, ob sie Präservative erlauben soll - ausnahmsweise, zum Schutz vor HIV.
    Viel ändern würde das nicht, kommentiert Robert Leicht

    Jetzt könnte Galileo Galilei sein berühmtes Diktum sogar auf die römische Kirche selber anwenden, die ihn seinerzeit als Ketzer verfolgt hatte: »Und siehe, sie bewegt sich doch!« Denn im Vatikan denkt man über das bisher geltende bedingungslose Verbot aller Empfängnisverhütungsmittel nach.

    Mit einer Revision der Enzyklika Humanae vitae ist zwar nicht zu rechnen, denn es geht derzeit nicht um die Familienplanung als solche, sondern allein um das Kondom. Kondome kann man nämlich als dual use-Instrument betrachten – als Mittel zur Empfängnisverhütung und/oder zur Aids-Prävention. Rom ist nun offenbar bereit, Kondome wenigstens ausnahmsweise zuzulassen, wenn sie die Weitergabe des tödlichen Virus aufhalten, obwohl sie doch gleichzeitig auch die Weitergabe künftigen Lebens (freilich auch: meist von Anfang an tödlich kontaminierten Lebens) verhindern.

    Jedenfalls hat der Präsident des Päpstlichen Rates für Gesundheitsfragen, der Kardinal Javier Barragán, dem Papst in der vorigen Woche eine Studie von fast 200 Seiten Umfang zu diesem Thema übergeben. Man darf davon ausgehen, dass solche Studien nie unverlangt ausgearbeitet werden. Und eine ganz große Überraschung ist diese vorsichtige Vorbereitung auch nicht, seit Papst Benedikt XVI. wenige Wochen nach seinem Amtsantritt am 6. Juni vorigen Jahres folgenden scheinbar völlig traditionellen Satz verkündete: »Von daher wird ganz klar, wie sehr es der menschlichen Liebe, der tiefen Berufung von Mann und Frau widerspricht, ihre Verbindung systematisch gegen das Geschenk des Lebens zu verschließen und noch mehr, das werdende Leben zu beseitigen oder zu verletzen.«
    Überraschend wirkte damals der Einschub des Wortes »systematisch«. Was also, wenn sich Mann und Frau nicht mehr systematisch gegen jenes Geschenk verschließen, sondern nur noch situativ? Seither hält das Raunen an, ob mit diesem Wörtlein gewisse Lücken in die bisher so fest gemauerte moraltheologische Position geschlagen werden sollten.

    Was immer nun der Papst aus der ihm vorgelegten Studie machen wird, die Frage bleibt: Was bringt’s – für die einzelnen Menschen wie für die Menschheit? Auf der individuellen Ebene wird man, jedenfalls in der modernen Welt, kaum jemanden finden, der sich in jüngster Zeit noch vom römischen Totalverbot der »künstlichen« Familienplanung beeindrucken ließ. Hier wirkte eher das Beharren der katholischen Kirche auf ihrer Position künstlich. Überall dort aber, wo der Heilige Stuhl als Völkerrechtssubjekt auftritt, etwa auf UN-Konferenzen, die auf einstimmige Beschlüsse angewiesen sind, hatte Rom bisher alle Initiativen zur Familienplanung (angesichts des massiven Bevölkerungswachstums) ebenso wie bei der Aids-Eindämmung blockiert.

    Vielleicht wird sich dies nun wenigstens bei der Bekämpfung der Pandemie ändern. Ansonsten bleibt gegenüber einer solchen kasuistischen Moraltheologie die scholastisch-spitzfindige Rückfrage: Muss man erst Aids haben oder die Ansteckung befürchten (oder die Furcht vorschützen) – um ein Kondom benutzen zu dürfen?

    Quelle: ZEIT online
     

  2. Anzeige
    Dealz: stark reduzierte Angebote finden.

  3. Videos zum Thema
Die Seite wird geladen...
  • Annonce

  • Annonce