Rote Eichhörnchen werden von Schwarzen gejagt?

Artikel von raid-rush am 5. Juli 2017 um 20:50 Uhr im Forum Haus, Garten, Tiere & Pflanzen

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Rote Eichhörnchen werden von Schwarzen gejagt?

5. Juli 2017   raid-rush  
Ich habe Heute beobachtet, wie ein kleineres schwarzes Eichhörnchen ein Rotes aus seinem Nest gehetzt hat. Erst dachte ich das ist ein Paarungsritual. Dann wollte ich es genauer wissen und fand heraus, dass schwarze Eichhörnchen Dominanter sind und auch mal Jagt auf andere Eichhörnchen machen. Meine Internetrecherche hat einige Mythen aufgeklärt und war sehr interessant, wie das überhaupt zustande kommt.

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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erspähten Tierforscher im Südosten Großbritanniens zum ersten Mal schwarze Eichhörnchen. In den folgenden 80 Jahren vermehrten sich die schwarzen Nager mehr und mehr aus und drangen in ganzen Rudeln zunehmend in den Nordosten des Landes vor.
Der Nager-Wandel ist der größte demographische Wandel in den Letzten 50 Jahren der Beobachtet werden konnte.


Doch woher kommen diese Tiere?

Durch eine genetische Mutation habe sich das Fell der Eichhörnchen im Laufe der Zeit immer dunkler gefärbt, erklärt die Genetikerin Helen McRobie in der englischen Zeitung "Daily Mail". Aber nicht nur äußerlich veränderten sich die Tiere: Mehr Testosteron fließt durch den Kreislauf der schwarzen Eichhörnchen als durch den ihren grauen Verwandten. Und das macht sie agressiver, stärker und ausdauernder, als es die Eichhörnchen mit hellerem Fell sind.
(Quelle: Gefährliche schwarze Nager: Der Krieg der Eichhörnchen )

Nach der Mutation waren die Grauhörnchen selbst gejagte und wurden in England fast verdrängt. Vermutlich verschwanden die Grauen schneller, weil sie sich mit den Schwarzen Fortpflanzen und die dominantere Art sich durchsetze. Das könnte den Roten Tieren etwas mehr Zeit verschaffen, denn scheinbar kommt es hier selten zu einer Vermischung. Der "Eichhörnchen-Rassismus" ist mittlerweile auch am Festland angekommen. So lässt sich in den letzten Jahren beobachten wie die dunklen Eichhörnchen häufiger zu sehen sind... halt! Allerdings trügt der Schluss, es handelt sich hierbei meist um Einheimische Tiere.

Grauhörnchen sind übrigens nicht aggressiv sondern haben sich deshalb in England durchgesetzt weil sie Immun gegen einen Virus waren, der den roten Nager schwer zu schaffen machte welcher auch durch die Grauen übertragen wurde.

In Deutschland sind bisher keine Grauhörnchen verbreitet, da diese mittlerweile in England selbst bedroht sind, auch weil Menschen auf sie Jagt machen.

In der Presse wurden die Grauhörnchen oft fälschlicherweise als die aggressive Bedrohung dargestellt. Oft werden auch Einheimische Tiere verwechselt oder nicht erkannt. Eichhörnchen können von Orangerot über Rotbraun bis dunkel Braun oder ins gräuliche gehen. Es ist also nicht so einfach für einen Laien überhaupt zu erkennen.
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Alle drei sind einheimisch


Ein Merkmal der einheimische Eichhörnchen ist, sie tragen an den Ohren immer einen Puschel, die Grauhörnchen haben keinen. Oft ist das aber nicht gut sichtbar oder der Büschel ist noch sehr klein.

Nach bisherigem Wissensstand bedrohen Grauhörnchen die Einheimsche Art NICHT.
( Eichhörnchen in Deutschland nicht durch Grauhörnchen bedroht - WELT )

Viel Wichtiger ist allerdings das es alles Eichhörnchen sind, und es keinen Sinn macht sie zu verjagen oder zu jagen. Erstens weil es sich dabei um eine natürliche Mutation handelt und zweitens es dadurch wohl kaum verhindert werden kann.
Dazu kommt, das vieles übertrieben wird und keiner so recht weiß welches Eichhörnchen jetzt wie aggressiv ist, denn diese Mutationen kommen immer wieder vor. So wurde auch beobachtet das Grauhörnchen Nadelwälder gar nicht mögen und sich auch sehr gut mit den Roten vertragen können. Das es dann dunklere Ausreißer gibt kommt vor, wie oben das beschriebene Erlebnis. Allerdings ist das längst keine brauchbare Aussage über diese.

Es gibt also fast schwarze Eichhörnchen die Heimisch sind und etwas dominanter sind, oder eben mutierte Grauhörnchen ( Black squirrel - Wikipedia ) die allerdings extrem selten sind und bisher nur in England und USA gesichtet wurden.

Was ich also beobachtet habe, waren höchstwahrscheinlich zwei einheimische Eichkätzchen, wobei eines etwas mehr Testosteron im Blut hatte oder das andere einfach weiblich war.
Mein erster subjektiver Eindruck war natürlich gleich, das Böse eingewanderte Eichhörnchen. Damit lag ich falsch.
Allerdings stimmt es schon, dass die dunklen auch innerhalb der Gattung dominanter sind, aber das ist natürlich.


Ohnehin werden jedes Jahr so viele Tiere durch den zunehmenden Kraftfahrverkehr umgebracht, dass bei vielen Tieren die Population ohnehin stark zurück geht, bis hin zum Aussterben.

Fazit: Bevor jemand Jagt auf "falsche Eichhörnchen" macht, sollte er mal besser in den Rückspiegel sehen und überlegt wer das eigentlich Problem ist.

Weitere Quellen:
Mythen über Eichhörnchen und Grauhörnchen
#factfox: Eichhörnchen: Rotten die schwarzen die roten aus? | BR.de


Inhaltliche Korrekturen oder Ergänzungen bitte direkt im Kommentar abgeben, immerhin handel es sich hier auch nur um recherchiertes Wissen. Ich hoffe der ein oder andere hatte wie ich einen kleines "Ahaa".
 

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