Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll oder Unsinn?

Artikel von Tommy Weber am 28. Juni 2021 um 15:08 Uhr im Forum Essen & Trinken - Kategorie: Wissenschaft

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Sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll oder Unsinn?

28. Juni 2021     Kategorie: Wissenschaft
Ergibt es eigentlich Sinn, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen und wenn ja, welche sind die Richtigen? Reicht nicht eine ausgewogene Ernährung aus, damit der Körper alles bekommt, was für ihn wichtig ist? Viele Ernährungswissenschaftler sind der Meinung, das NEM durch sinnvoll sind, ebenso viele halten den Hype, der um die Pülverchen und Pillen, die Dragees und Sprudeltabletten gemacht wird, für blanken Unsinn.

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Dass diese Mittel beliebt sind, daran besteht kein Zweifel und ihr Marktanteil wächst ständig. Allein in den vergangenen fünf Jahren ist der Umsatz um sechs Prozent, in der Covid-Krise sogar auf acht Prozent und damit auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen.

Die Mittel für besondere Lebenssituationen
Die Befürworter von Nahrungsergänzungsmitteln weisen immer wieder darauf hin, dass die zahlreichen Mittel einer Unterversorgung mit Nährstoffen gezielt entgegenwirken. Zudem lassen sich auf diese Weise Nahrungsmitteldefizite gut ausgleichen . Die Gründe für eine Unterversorgung sind so vielfältig wie die Mittel selbst. Genetische Faktoren können hier eine wichtige Rolle spielen, wie beispielsweise Enzymdefekte. Auch in den verschiedenen Lebensphasen können Nahrungsergänzungsmittel eine wichtige Rolle spielen: in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, in der Pubertät oder in den Wechseljahren.

Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, kann durch NEM Mangelerscheinungen verhindern. Beruflicher oder emotionaler Stress, Resorptionsstörungen oder Operationen sowie Erkrankungen des Verdauungstrakts können einen Mangel an wichtigen Nährstoffen hervorrufen. Hier kann es sinnvoll sein, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, um gesund zu bleiben. Ein Multivitaminpräparat mit Eisen und Folsäure schützt die werdende Mutter und den Fötus. Senioren können aufgrund ihrer verringerten Hautsynthese ebenfalls von NEM profitieren, in denen viel Vitamin D enthalten ist und zugleich das Risiko verringern, an Osteoporose zu erkranken.

Gut auch für Sportler
Alle, die sich strikt vegan ernähren, müssen, das wichtige Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, um gesund zu bleiben. Kritisch wird es auch bei den Omega-3-Fettsäuren, sowie beim Eisen, Kalzium und Zink. Nicht nur Veganer können von den vielen unterschiedlichen Nahrungsergänzungsmitteln profitieren, auch für Sportler gibt es viele Vorteile. Sie können durch Präparate mit Kohlenhydraten und Protein die Leistungen in einem Wettkampf steigern und zudem die Regeneration fördern. Durch Omega-3-Fettsäuren lassen sich außerdem entzündliche Vorgänge nach einer starken sportlichen Belastung vermeiden. Die Gefahr, rheumatische Erkrankungen oder eine Arthrose zu erleiden, sinkt ebenfalls.

Wie gesund sind viele Lebensmittel?
Wie gesund Lebensmittel sind, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Die Qualität und die Dichte der Nährstoffe spielen eine wichtige Rolle ebenso wie die Lagerung und der Transport. So hat beispielsweise Spinat, der drei Tage nach der Ernte in den Supermarkt kommt, nur noch 30 Prozent seiner gesunden Nährstoffe. Viele Lebensmittel werden dazu noch bestrahlt, um sie länger haltbar zu machen, jedoch gehen dabei sowohl die Vitamine A, B1, C und E und die für Hülsenfrüchte so wichtige Phytinsäure verloren. In Deutschland schafft es kaum jemand, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Menge Obst und Gemüse am Tag zu essen.

Fast Food ist eine echte Herausforderung, die eine adäquate Zufuhr von Nährstoffen deutlich erschwert. Des Weiteren mangelt es auch häufig am Bewusstsein, etwas Vollwertiges zu essen. In Zusammenarbeit mit Ärzten und Ernährungsberatern können Nahrungsergänzungsmittel durchaus von Nutzen sein.

Was spricht gegen Nahrungsergänzungsmittel?
Vitamine sind im Trend, sie gelten in weiten Teilen der Bevölkerung als eine Art universelles und vor allem natürliches Heilmittel. Dies zeigt sich besonders während der Corona-Pandemie sehr deutlich, da überall NEM angeboten werden, die angeblich vor dem Virus schützen sollen. Vielfach geht die Werbung damit weit über das Ziel hinaus, denn einige Aussagen lassen nicht nachweisen. Viele Vitamine am Tag zu sich zu nehmen, ist gut für die Gesundheit. Während der Corona-Pandemie dürfen es jedoch ruhig noch ein paar Vitamine mehr sein, um sich noch besser zu schützen. Studien, die diese Behauptung auch nur in Ansätzen stützen, gibt es allerdings nicht.

Reicht eine ausgewogene Ernährung wirklich aus?
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass sich jeder durch die gute Qualität und die Vielfalt der Lebensmittel ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen kann. Immer wieder wird betont, dass die Böden arm an Nährstoffen sind, was allerdings durch einen aufschlussreichen Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung widerlegt wurde. Nach diesem Bericht schwankt der Mineralstoffgehalt in Pflanzen seit den letzten 50 Jahren kaum. Besonders irritierend ist es aber, wenn vom eklatanten Mangel an Vitaminen der Äcker berichtet wird. Pflanzen enthalten zwar Vitamine, aber sie geben nicht an den Ackerboden ab.

Wer sich gesund ernähren möchte, sollte vor allem auf eine erstklassige Qualität der eingekauften und gegessenen Lebensmittel achten. Die Vielfalt an Getreide, Obst und Gemüse ist mehr als groß und liefert alles, was in den diversen Pulvern, Dragees und Extrakten zu finden ist. NEM bieten immer nur eine Auswahl dessen, was Pflanzen tatsächlich liefern können.

Zu wenig erforscht
Wer sich ausgewogenen und vielfältig ernährt, kann trotzdem unter Mangelerscheinungen leiden. Menschen, die Diät halten, die sehr alt oder chronisch krank sind, brauchen eine andere Ernährung. Dies trifft auch auf diejenigen zu, die sich vegan ernähren, die unter Magen- und Darmerkrankungen leiden oder regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Hier kommt es schneller zu Defiziten, die sich jedoch nur in sehr seltenen Fällen durch Nahrungsergänzungsmittel abdecken lassen. NEM können durchaus nützlich sein, Voraussetzung ist aber, dass sie gründlich erforscht wurden.

Werden sie zur richtigen Zeit von der richtigen Zielgruppe in der richtigen Menge eingenommen, dann sind sie sinnvoll. Ob es aber wirklich einen Bedarf an Lavendelextrakt, Haiflossen oder CBD gibt, ist zu Recht höchst umstritten. Krankheiten vorzubeugen, sie zu lindern oder sogar zu heilen – so etwas ist nicht die Aufgabe von Nahrungsergänzungsmitteln, d iese Aufgabe müssen Ärzte und die entsprechenden Medikamente übernehmen. Bei Medikamenten sind die Zusammensetzung und die Wirksamkeit bekannt, bei vielen Nahrungsergänzungsmitteln leider nicht.

Apfel statt Pulver
Wer etwas für seine Gesundheit tun will, sollte kein Pulver im Glas anrühren, sondern besser in einen Apfel beißen. Sicherlich lässt sich das nicht bei jedem sagen, denn es gibt Menschen, die ihre Ernährung bedingt durch Krankheiten oder spezielle Lebenssituationen „aufstocken“ müssen. In diesen Fällen ist es immer ratsam, sich im Vorfeld mit einem Arzt zu unterhalten, der die richtigen Nahrungsergänzungsmittel empfehlen kann. Sich nur auf die Werbung zu verlassen, ist keine gute Idee, denn sie verspricht eine Menge, wenn es um NEM geht, kann aber leider nicht alles halten. Der Arzt hingegen weiß, wie eine sinnvolle Ergänzung zur Nahrung aussieht.

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