Strassenrennen "Cannonball Run Europe"

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von graci, 23. August 2005 .

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  1. #1 23. August 2005
    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,370651,00.html

    Der Kampf eines deutschen Polizisten gegen britische Raser

    Das Sieben-Tage-Rennen ist bislang nicht gut gelaufen für Tim Porter. Erst hat sein 600-PS- Toyota kurz hinter London gestreikt, und Porter musste sich einen Ersatzwagen mieten, einen Ford Fiesta. Im Ford ist er innerhalb eines Tages von Calais nach Öland, Schweden, gefahren, hat dort gehört, dass sein Toyota repariert worden sei, fährt zurück nach London, um ihn zu holen, und ist nun, müde und gereizt, auf dem Weg nach Berlin, um wenigstens den Rest des Rennens mitzufahren.

    Porter ist irgendwo in Belgien, als sein Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung hört er ein Mitglied der Rennleitung. Man teilt ihm mit, dass die deutsche Polizei die Autobahn A 1 gesperrt habe, um das Rennen zu stoppen. Porter flucht. Er ist nicht nur Teilnehmer, sondern auch Veranstalter des Rennens. Es trägt den Namen "Cannonball Run Europe", es ist eine mehrtägige High-Speed-Schnitzeljagd quer durch Europa, mit Übernachtungen in Luxushotels und einer schönen Party am Ende. Wer mitfahren will, sollte ein sehr schnelles Auto haben und 5900 Euro Teilnahmegebühr erübrigen können.

    Vor vier Tagen begann der "Cannonball Run Europe" nahe London. Das Nobelhotel "Horsley Towers" lieferte die passende Kulisse. Männer mühten sich in ihre tiefergelegten Autos, Frauen winkten, dann rollten 52 Supersportwagen, darunter Ferraris, Porsche, mehrere Toyota Supra, ein Lamborghini Diablo in Ein-Minuten-Abständen in den öffentlichen Verkehr, und ihre Fahrer versuchten, innerhalb des Zeitlimits die Fähre nach Calais zu erreichen. Sie mussten sich beeilen, denn Porter geht beim Planen der Route von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 61 Meilen pro Stunde aus, das sind 98 Stundenkilometer.

    Von Calais ging es nach Öland in Schweden, von hier zur Knutstorp-Rennstrecke nahe Helsingborg, dann setzten sie mit der Fähre über nach Puttgarden, Deutschland. Das Tagesziel an diesem Mittwoch war das "Hollywood Media"-Hotel auf dem Kurfürstendamm in Berlin. Enden würde das Rennen zwei Tage später wieder nahe London.

    Zum fünften Mal lässt Porter diesen Jungstraum für wohlhabende Männer Wirklichkeit werden, und bislang hielten sich die Belästigungen der Polizei in Grenzen. Die Beamten in England, Frankreich, Spanien, in Österreich, Dänemark, Schweden und Deutschland begnügten sich damit, einzelnen Fahrern Bußgelder zu verpassen, manchmal einen Wagen aus dem Verkehr zu ziehen und die Unfälle zu protokollieren. Es gab, aus Porters Sicht, ein Gentlemen's Agreement zwischen Fahrern und Polizei: Die Fahrer versuchten, sich und andere nicht umzubringen, die Polizei gefährdete das Rennen nicht. Diese Vereinbarung war nun aufgekündigt worden, und der Mann, der dafür verantwortlich ist, heißt Kurt Plötz.

    Plötz ist Polizist, Autobahnpolizist an der A 1 nahe Scharbeutz in Schleswig-Holstein. Seit 17 Jahren tut er hier Dienst, er weiß, wie schnell es sich jenseits von 200 Stundenkilometern stirbt.

    Kurt Plötz erhält den ersten Hinweis auf das Rennen von einem Kollegen, der aus seinem Büro auf den Fähranleger von Puttgarden blickt. Er meldet, dass mehrere Supersportwagen die Fähre verlassen, die Wagen trügen seltsamerweise Startnummern auf den Türen, dazu Werbeaufkleber, und sie seien Richtung Süden gefahren, Richtung Autobahn.

    Den zweiten Hinweis erhält Plötz neun Minuten später, so weisen es seine Unterlagen aus. Eine Frau ruft aus ihrem Auto an. Sie fährt zwischen Puttgarden und der A 1 auf der Bundesstraße 207 und berichtet, dass sie gerade von einem ausländischen Sportwagen überholt worden sei. Rechts, auf der Standspur.

    Zehn Minuten später meldet ein neuer Anruf neue Raser. Plötz befiehlt Zivilwagen mit Videokameras auf die Autobahn. Sie sollen Beweise gegen die Fahrer sammeln und sie, wenn möglich, stoppen.

    Gegen 14.30 Uhr meldet die Besatzung eines Videowagens, sie habe einen Wagen gefilmt, bis Tempo 230, dann sei der Verfolgte davongezogen. Plötz telefoniert mit seinem Vorgesetzten, sie beschließen, alle verfügbaren Wagen zum Rastplatz Neustädter Bucht zu schicken, die Autobahn zu sperren, den gesamten Verkehr über den Rastplatz zu leiten und die verdächtigen Wagen herauszuholen. Plötz erwartet Ärger.

    Eine gute halbe Stunde später eskortieren Polizeistreifen elf Sportwagen auf das Gelände der Autobahnpolizei Scharbeutz. Es gab kein Handgemenge, nicht einmal laute Worte. Die Fahrer und ihre Beifahrer blieben entspannt, sie filmten und fotografierten einander vor den Polizeiwagen und freuten sich darauf, zu Hause erzählen zu können, dass man für sie eine deutsche Autobahn gesperrt habe.

    Plötz verlangt von jedem Fahrer 500 Euro, es kümmert ihn wenig, dass er nicht allen Verdächtigen verkehrswidriges Verhalten nachweisen kann. Er will sicherstellen, dass diese Leute mit ihren Wagen nicht wieder auf seiner Autobahn auftauchen.

    Die Fahrer kümmern die 500 Euro wenig. Sie zahlen sie ohne große Diskussionen. Ein Rennteilnehmer bietet an, die Geldbuße für alle zu übernehmen, um die Abwicklung der Formalitäten zu beschleunigen. (muahahaha) Schließlich, nach drei Stunden, begleitet Plötz den letzten Fahrer zur Tür. Als die Tür sich schließt, sieht Plötz ein Lächeln, hört den Satz: "Bis nächstes Jahr." Dann setzt sich der Fahrer, wie alle anderen, in seinen Wagen und fährt weiter, Richtung Berlin.
     

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