Streaming: Vielfältige Zukunft auf Abruf

Artikel von Jonas Hubertus am 24. November 2020 um 20:38 Uhr im Forum Kino, Filme, Tv - Kategorie: Trend & Lifestyle

Streaming: Vielfältige Zukunft auf Abruf

24. November 2020     Kategorie: Trend & Lifestyle
Anbieter von Streamingdiensten haben in den letzten Jahren das Nutzungsverhalten von Video, Musik und Gaming stark verändert. Inhalte müssen nicht mehr heruntergeladen werden, sondern sind direkt abrufbar. Neben einer großen Anzahl an Inhalten, die sofort zur Verfügung stehen, benötigen Endverbraucher auch nur geringe Anforderungen bei Endgeräten. Hardware- und Speicheranforderungen laufen hierbei über externe Rechenzentren der Anbieter. Aber welche Branchen profitieren von der neuen Technologie am meisten?

Sehen, was man möchte. Zocken ohne Grenzen. Die Bibliotheken der Streaminganbieter sind randgefüllt mit vielfältigen Optionen, die Usern stundenlange Beschäftigung bieten. Durch die schnelle Übertragungsmöglichkeit erhalten Endverbraucher Zugang zu Filmen und Games, die oftmals gegen eine Flatrategebühr zur Verfügung stehen. Kostengünstiger Spaß, der sich lohnt. Die Seh- und Gaminggewohnheiten hat die Technologie grundlegend verändert, wie sich ein Blick in die Branchen Games, Musik und Film zeigt.

Kino für Zuhause
War es früher noch notwendig, einen Film über DVD oder Blu-Ray auszuleihen, übernehmen heute Anbieter wie Netflix oder Amazon diesen Job. Ihre riesige Auswahl an Eigenproduktionen und Lizenzware wecken Begehrlichkeiten bei Nutzern und Zuschauern. Diese Filme stehen hierzu in Online-Bibliotheken zur Auswahl und können innerhalb eines Monatsabos oder gegen separate Gebühren angeschaut werden. Dabei werden die Inhalte nicht auf die Hardware des Nutzers geladen, sondern direkt wiedergegeben und lediglich zwischengespeichert. Somit lassen sich Filme auch von unterwegs mit dem Smartphone oder Tablet schauen. Vorausgesetzt wird hierbei eine stabile Internetverbindung. Bei mobilen Endgeräten sollte darauf geachtet werden, dass ein ausreichender Tarif mit entsprechendem Datenvolumen vorhanden ist, da der Datenverbrauch beim Streamen von Filmen sehr hoch ist.

Mit ihren vielfältigen Angeboten haben Streamingdienste nicht nur die Sehgewohnheiten verändert, sondern auch Auswertungswege. Produktionen, die ursprünglich für das Kino vorgesehen waren, wandern immer häufiger zu Netflix oder Branchenvertretern ab. Der Sci-Fi-Thriller „Auslöschung“ mit Natalie Portman zählte zu den ersten Produktionen, die einen Formatwechsel erlebten. Das produzierende Studio Paramount Pictures entschied sich für eine primäre Auswertung per Streamingdienst, da die Erfolgschancen besser eingestuft wurden, als eine klassische Auswertung im Kino. Ein Vorhaben, das mittlerweile nicht mehr unüblich ist.

Das Streamen von Inhalten macht auch vor dem linearen Fernsehprogramm keinen Halt. Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender bieten ihre Shows, Serien und Filme zeitunabhängig und in oftmals besserer HD-Qualität zusätzlich an. Mittlerweile werden Mediatheken dabei online als Zugpferd gesehen und reizen mit Previews bestimmter Episoden und Filme, die zuerst im Stream freigeschaltet werden und mit einigen Tagen Versatz erst im regulären Programm ausgestrahlt werden. Ein Grund, warum sich der Medienkonsum verändert hat.


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Netflix hat das Konsumieren von Filmen verändert.



An die Controller und Tastatur
Auch das Spielen an den Konsolen und Rechnern hat sich durch Nutzung der Streamingtechnologie verändert. Früher wurden für verschiedene Spiele gesonderte Hardwareanforderungen vorausgesetzt, um störungsfrei die virtuellen Welten zu entdecken. Der Einsatz von Cloudgaming schafft es, dass die Speicherplätze auf der Hardware frei bleiben und eine lokale Installation nicht mehr nötig ist. Über externe Server wird das Game auf den Monitor des Spielers gestreamt. Viele Streamingdienste haben sich dazu eigene Plattformen geschaffen, wie der bekannteste Anbieter Steam, auf dem sich eine größere Auswahl an Games spielen lassen. Konsolenhersteller gehen das Cloudgaming eher langsam an. Erst im November 2020 hat Nintendo den Schritt in diese Richtung gewagt: Die Veröffentlichung „Control“ ist das erste Game für Nintendo Switch, welches als cloudbasiertes Game auf den Markt kam.

Das Spielen von Games auf Basis der Streamingtechnik ist auch bei browserbasierten Games eine beliebte Option, um Ladezeiten gering zu halten. Online Casinos greifen für Spiele wie Video Poker oder zur Darstellung der Slotmaschinen auf diese Darstellungsweise zurück. Der Grund liegt sowohl in der einfachen Nutzung für den User, der sich nicht einzelne Games herunterladen muss, als auch in der Bereitstellung von abwechslungsreicher Auswahl. Der schnelle und ortsunabhängige Zugriff macht es möglich, dass mobil und am Desktop gleichzeitig gespielt werden kann. Die Teilnahme mehrerer Spiele ist bei Live Poker oder Live Blackjack ebenfalls möglich. Dabei wird ein Cropier per Stream zugeschaltet und kann so das Spiel in Echtzeit leiten.


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Poker und Blackjack lassen sich in Online Casinos auch per Stream erleben.

Auf die Ohren
Plattformen wie Spotify bieten im Bereich Streaming ebenfalls einen ihre Dienste an. Hierbei liegt der Fokus vor allem auf mobilen Endgeräten. Beinahe jeder bekannte Künstler ist mittlerweile auf den Musik-Streamern vertreten. Ob ein aktuelles Album oder eine selbst kreierte Playlist: Musik-Fans greifen auf Millionen von Songs zu und entdecken dabei eine Vielfalt, die zu den Hochzeiten der bekannten Elektrofachmärkte nie möglich gewesen wäre. Zum Genuss des Musikangebotes sollte eine intakte Internetverbindung vorausgesetzt sein. Greift man über einen begrenzten Datentarif zu, welcher nicht den Verbrauch von großen Datenmengen zulässt, können Lieblingssongs auch offline gespeichert werden. Neben der gezielten Suche und Wiedergabe von Musiktiteln bieten die Spotify und Co. auch die Funktion der persönlich zusammengestellten Inhalte an, die auf den eigenen Musikgeschmack zugeschnitten sind. Über einen Algorithmus, der sich aus den bereits gehörten Favoriten bedient, werden neue Vorschläge generiert. Auf diese Weise lassen sich nebenbei noch bisher unbekannte Titel kennenlernen.

Das Preismodell beruht auch bei diesen Anbietern auf einem monatlichen Abo. Der Preis ist hierbei jedoch ebenfalls sehr überschaubar und beläuft sich im Durchschnitt auf unter 10 Euro. Kostenfreie Testphasen ermöglichen es zudem, das Angebot im vollen Umfang zu testen. Jedoch wird hierbei zwischen den Titeln Werbung geschaltet.


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Spotify ist einer der beliebtesten Streamingdienste für Musik.



Streamingdienste sind heutzutage aus dem alltäglichen Gebrauch nicht mehr wegzudenken und werden auch in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Die Auslagerung von Hardwareanforderungen und die große Auswahl von Inhalten auf Abruf bieten dem Nutzer einen großen Mehrwert für kleines Geld. Die Freiheiten, die sich parallel offenbaren, fördern die Nutzung zweifellos. Sich von Medien diktieren zu lassen, wann und wo Filme, Serien oder Musik konsumiert wird, gehört der Vergangenheit an.

In Zukunft wird die Anzahl der Anbieter von Streamingdiensten weiter ansteigen. Welche Platzhirsche sich am Ende durchsetzen, bleibt abzuwarten. Amazon oder Apple bieten bereits jetzt schon mehrere Dienste unter einem Dach an. So lassen sich Filme und Musik über einen Anbieter streamen. Der Ausbau des Angebotes ist damit noch nicht abgeschlossen. Eine interessante Strategie schlägt dagegen Netflix ein: Ab Dezember will der amerikanische Dienst auf dem französischen Markt, einen linearen Kanal mit seinen Angeboten testen. Statt dem Nutzer die freie Auswahl zulassen, entscheidet Netflix auf Basis der persönlichen Vorlieben des Nutzers, welche Sendungen im Tagesprogramm laufen. Zurück zum klassischen TV-Programm? Ein spannendes Experiment ist es in jedem Fall.

Am Ende lässt sich sagen, dass alle Sektoren der Entertainment-Industrie gleichermaßen von der Streamingtechnologie profitieren. Wie diese nun weiterentwickelt wird, um auch in der Zukunft genauso relevant zu bleiben, wird sich zeigen.
 

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