Suche dringend: Kurzgeschichten von Gabriele Wohmann

Dieses Thema im Forum "Schule, Studium, Ausbildung" wurde erstellt von TheFlash, 14. Oktober 2006 .

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  1. #1 14. Oktober 2006
    Hi Leute,

    also ich suche wie oben beschrieben dringend Kurzgeschichten von Gabriele Wohmann. Diese sollten sich in irgendeiner Form mit dem Thema Kommunikation beschäftigen, aber ich galube das sind eh die meisten von ihr.

    Also falls jemand soetwas hat und es mir einscannen könnte oder so wäre es super! Vielleicht ist aber auch einfach nur jemand besser im googlen und findet dort etwas!

    (Dazu passende Interpretationen wären auch nicht schlecht, müssen aber nicht sein )
    Ich hoffe mir kann jemand helfen!




    Gruß TheFlash
     

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  3. #2 25. Oktober 2006
    AW: Suche dringend: Kurzgeschichten von Gabriele Wohmann

    Also ich würde es mal hier versuchen.


    Google-Suchergebnisse

    Ich kenne so en paar Lehrer die holen sich hier ihre Matialien her.
    Beim Thema Mathe sind auch die lösungsblätter vorhanden. Kann dir in der Zukunft ne Menge Zeit ersparen.
    Natürlich findest du auch genügend stoff zum deinem Thema
     
  4. #3 26. Oktober 2006
    AW: Suche dringend: Kurzgeschichten von Gabriele Wohmann

    Analyse „Die Klavierstunde“ (Gabriele Wohmann)
    Die Kurzgeschichte „Die Klavierstunde“ ist von 1966 und wurde von Gabriele Wohmann geschrieben.
    Sie ist vor dem Kontext der Entstehungszeit zu sehen, wo der gesellschaftliche Druck über musikalische Bildung zu verfügen besonders hoch war.
    Der Text handelt einer älteren Klavierlehrerin und ihrem Schüler, die beide nach Gründen suchen, die verhasste gemeinsame Unterrichtsstunde ausfallen zu lassen. Letztendlich überwiegt jedoch das Pflichtgefühl und die Geschichte endet mit dem Beginn der Klavierstunde.

    Bei dieser Kurzgeschichte handelt es sich um eine personale Erzählsituation mit auktorialen Einschüben. Dieser Aspekt soll bei der folgenden Analyse besonders untersucht und bewiesen werden.

    Die Geschichte beginnt mit den Impressionen des Jungen auf dem Weg zu der Klavierstunde. Die regelrechte Panik lässt ihn selbst die schöne Natur „feindselig“ (Z. 6) erscheinen. Dass er seine Umgebung als bedrohlich empfindet, sieht man daran, dass die Natur personifiziert wird („Zittern des Birkenlaubs“, „schläfrige Hitze“ (Z. 3/ 4)), denn vor leblosen Dingen oder sogar Temperaturen hat man keine Angst. Es zeigt auch, dass es eine personale Erzählsituation ist, da die Personifizierung der Natur eine sehr subjektive Sichtweise ist. Immer wieder denkt er darüber nach, wie er dieser Stunde entgehen könnte, bringt aber nicht den Mut auf dies wirklich durchzuführen. In einem auktorialen Einschub (Z. 16 – 25) macht der Erzähler deutlich, was der Junge nicht erkennt: Es wäre ein „ungleicher Tauschhandel“ der „einen Stunde möglicher Freiheit“ gegen „die mögliche Unfreiheit des ganzen Nachmittags“. Man erkennt die auktoriale Erzählsituation auch an der dann folgenden Feststellung, dass der Schüler vor sich selbst leugnet, aus freien Stücken weiterzugehen. Er mag sich dazu gezwungen fühlen, aber die Kontrolle über seinen Körper hat nur er selbst. Aus der personalen Sicht würde dies nicht so objektiv beurteilt, sondern vom Standpunkt des Jungen aus beschrieben. Daraufhin erfolgt ein Perspektivwechsel und die Klavierlehrerin wird neutral und distanziert beschrieben, sodass dieser Abschnitt der auktorialen Erzählsituation zuzuordnen ist. Um ihre „Leblosigkeit“ und Lethargie auszudrücken werden nur ihre Körperteile personifiziert; sie ist nicht selbst als Person aktiv: „…griff die rechte Hand…“ (Z. 29), „Die Hand bewahrte…“ (Z. 32/ 33), „hob sich der Oberkörper…“ (Z. 35). Das ständig wiederholte „Owehowehoweh“ gehört zu den Gedanken der Frau und ist deshalb personal. Es unterbricht die auktorialen Schilderungen. Schließlich werden ihre Visionen von der bevorstehenden Klavierstunde beschrieben: „verschwitzte Knabenfinger“ (Z. 44) drücken „fest und gefühllos auf die gelblichen Tasten“ (Z. 44/ 45). Das zeigt, dass sie die weiß, dass sie ihm Angst einflößt, aber sie scheint das auch nicht verhindern zu wollen. Es macht nicht den Eindruck, als wolle sie ihn wirklich unterrichten, möglicherweise aufgrund seines mangelnden Talents. Das „Metronom“ unterbricht daraufhin ihre Tagträume (Z. 46 ff.). Es ist hier ein Symbol für die Monotonie der Klavierstunden (Wiederholung von „eins zwei drei vier, …“) und für das Pflichtgefühl der Klavierlehrerin. Denn trotz ihrer Kopfschmerzen (Z. 57), die ja tatsächlich ein Grund wären, die Stunde abzusagen, setzt sie ihren Gedanken „ihn weg[zu]schicken“ (Z. 58) nicht in die Tat um. Es folgt ein personaler Abschnitt aus der Perspektive des Jungen, dessen Wunsch „die Mappe“ mit den Notenheften als Metapher für die ihm wahrscheinlich von seinen Eltern auferlegte Bürde der Klavierstunden „los[zu]werden und nicht hin[zu]gehen“ (67/ 70). Statt der Strenge und Sterilität der Klavierstunden, symbolisiert durch „den Geruch von Seife“ (Z. 77), will er sich lieber mit natürlichen Materialien wie Holz, Stein, Zweigen und Blättern umgeben (Z. 71 ff.). Der nächste Abschnitt ist ebenfalls personal, nun aber wieder aus der Sichtweise der Lehrerin. Er beschreibt wieder ihre Vorstellungen von der Klavierstunde, diesmal aber unangekündigt direkt in die Beschreibung integriert, was als ihr Unvermögen, Realität und Tagtraum zu trennen, interpretiert werden kann. Die Aussagen „Noch mal von vorne.“ (Z. 81) und „Die schwarze Taste, b, mein Junge.“ (Z. 81 f.) verdeutlichen ihre Ungeduld mit dem untalentierten Schüler. Wie bereits im letzten Abschnitt der Lehrerin sieht sie vor ihrem geistigen Auge „den hoffnungsweckenden Slogan“ (Z. 87) eines Reklamebands. Doch wie zuvor folgt die Feststellung „Kopfschmerzen“ (Z. 84 f.). Wenn man davon ausgeht, dass die Dame auf das Geld für den Klavierunterricht angewiesen ist, ist dieses Reklameband eine Metapher für das, was sie mit diesem Geld tun will. Da sie dafür allerdings dem Schüler musikalische Bildung eintrichtern muss verstärkt es nur ihre Kopfschmerzen. Gleichzeitig hat die Panik des Jungen schon physische Auswirkungen: Die Tasche wird immer schwerer und „jede einzelne Note hemmt seine kurzen Vorwärtsbewegungen“ (Z. 90 f.). Die Natur wird wie am Anfang personifiziert (Z. 91 ff.), deshalb empfindet er sie als „fremd“ (Z. 91).
    Dann erfolgt wieder ein kurzer Perspektivwechsel und ein auktorialer Abschnitt, in dem die Lehrerin ihr äußeres Erscheinungsbild überprüft. Daraufhin geht der Junge „mechanisch“ (Z. 105 f.) auf die „efeubekleckste Villa“ der Klavierlehrerin zu. Dies stellt erneut den Zwang dar, unter dem er die Dame aufsucht. Nach einer kurzen auktorialen Beschreibung der Lehrerin, die sich auf die Stunde vorbereitet, werden aus der personalen Sicht des Jungen die Blumen der alten Frau als „unfarbig“ und „leblos“ (Z. 113) beschrieben. Er nimmt sie nicht einmal als „wirkliche Pflanzen“ (Z. 115) wahr. Daraus sollen Rückschlüsse auf das Wesen der Frau gezogen werden. Auch sie sieht der Junge in dieser Weise. Die Klavierlehrerin zeigt nun eine beinahe sadistische Ader, indem sie absichtlich ein „hartes, plattes Kissen“ (Z. 119) auf seinen Stuhl legt. Dies ist eine Metapher, dass sie sich keine Mühe gibt, ihm das Erlernen des Instruments zu erleichtern, sondern es ihm eher noch erschwert. Der Junge tritt dann durch das Tor des Eisenzauns, der die Villa umgibt. Der Zaun steht für das Gefühl des Schülers, gefangen zu sein und das Tor öffnet sich mit einem „jammerndem Kreischlaut“, der noch eine Steigerung zu seiner Angst darstellt. Unter schnellem Wechsel der Perspektiven findet die aufgebaute Aggression der beiden Charaktere ihren Höhepunkt in dem Ausdruck „widerlicher kleiner Kerl“ (Z. 126) beziehungsweise „widerliche alte Tante“ (Z. 127 f.). Dabei stellt man fest, dass die beiden auch ohne Berücksichtigung der Tatsache, dass beide diese Klavierstunde nicht wollen, ähnlich denken. Auch die immer wiederholten Grundgedanken „Einfach nicht hingehen.“ und „Ihn wegschicken.“ weisen einen parallelen Satzbau auf. Die Kurzgeschichte endet schließlich mit dem Beginn der Klavierstunde: Die Personen begrüßen sich nur und fangen sofort an. Die Lehrerin kostet die Angst des Jungen dabei beinahe aus und beobachtet wie seine Beine genau wie von ihr geplant auf dem Kissen „platt und breit“ (Z. 136 f.). Das Metronom am Schluss verdeutlicht noch einmal, dass sich nichts geändert hat und der Unterricht seinen gewohnten eintönigen Gang nehmen wird. Durch die personalen Fragen der Figuren, wer die Beine des Schülers lenkten und wer das Bewusstsein der Frau gelöscht habe, wird nochmals unterstrichen, dass die Beziehung der beiden nicht auf freiwilliger Basis beruht, sondern von anderen Personen erzwungen wurde.

    Bei der Interpretation der Kurzgeschichte ist insbesondere der historische Kontext zu beachten: Zur Entstehungszeit der Geschichte war eine gewisse musikalische Bildung in der Gesellschaft sehr wichtig und hoch angesehen. Selbst die Finalstruktur der mit dem ständigen Perspektivenwechsel gleicht einem Musikstück: Die beiden Personen beziehungsweise in der Musik die Instrumente wechseln sich in immer kürzeren Abständen und immer schnellerem Tempo ab. Bis zum „Crescendo“ am Ende, bei der beide Perspektiven verschmelzen und die Personen aufeinander treffen, steigert sich die Geschichte. Dazu gehören auch die wachsende Angst des Jungen und die zunehmenden körperlichen Beschwerden der Lehrerin. Beides mündet in Aggression gegenüber der anderen Person, obwohl diese im Grunde das Gleiche denkt. Die wechselnden Perspektiven erhöhen außerdem die Spannung, weil sie ziemlich abrupt erfolgen und die Handlung am einen Schauplatz abgebrochen wird. Durch die teilweise verwendete erlebte Rede wirkt die Geschichte realitätsnäher, weil Gedankenströme direkt ohne Ausformulierung in die dritte Person übertragen werden. Die dadurch entstehenden Ellipsen, also unvollständigen Sätze, unterstreichen noch die Angst des Jungen, indem sie ein Gefühl von Hektik und Atemlosigkeit vermitteln. Für die Perspektive der Klavierlehrerin macht es ihr getrübtes Bewusstsein deutlich und vermittelt das Gefühl, dass sie überfordert sei. Außerdem ist manchmal ein auktorialer Erzähler vorhanden, der die Umgebungen beschreibt und durch seine Distanz wie ein Außenstehender die Situationen, wie zum Beispiel die Leugnung des Schülers, selbst weiter zu gehen, objektiv beurteilen kann. Dies eröffnet dem Leser eine größere Bandbreite von Informationen und Interpretationsmöglichkeiten, in diesem Situationsbeispiel der innere Konflikt des Schülers.

    Da heute in der Gesellschaft nicht mehr einen solch großen Wert auf eine musikalische Bildung gelegt wird, ist die Geschichte in diesem Punkt eher weniger aktuell. Außerdem ist diese enorme Angst des Schülers vor der strengen Lehrerin heute nicht gut vorstellbar, weil der Umgang der Generationen miteinander glücklicherweise wesentlich liberaler geworden ist, sodass ein Schüler vermutlich kaum länger einem Hobby nachgehen würde, das ihm nicht gefällt. Gerade die Freizeit darf heute den Interessen, nicht den Erwartungen der Gesellschaft entsprechend gestaltet werden. Der Aspekt von Pflichtbewusstsein wird natürlich immer aktuell sein, aber in der Geschichte wird meiner Meinung nach auch klar genug gemacht, dass es die eigenen Wünsche nicht komplett ausschließen darf. Diese Botschaft hat mir gefallen, die Geschichte an sich allerdings nicht, da sie nicht besonders angenehm zu lesen war. Obwohl es möglicherweise von der Interpretation abgelenkt hätte, hat mir ein wenig der „rote Faden“ gefehlt.
     

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