Süddeutsche Zeitung: Copyright abschaffen!

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von zwa3hnn, 30. Mai 2007 .

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  1. #1 30. Mai 2007
    Die Süddeutsche Zeitung steht nicht gerade im Verdacht, ein linkes Kampfblatt zu sein. Um so erfreulicher, dass ein Thema den Sprung in die großen Printmedien geschafft hat, welches bislang allenfalls im Netz mit derart kontroversen Standpunkten diskutiert wurde. Nichts weniger als die Abschaffung des Copyrights fordert der Politikwissenschaftler Joost Smiers in der SZ.

    Das Urheberrecht sei ein Relikt aus vergangenen Zeiten, welches in der digitalen Welt seine Existenzberechtigung weitaus verloren habe, so Smiers. Die Folge wäre nicht etwa ein Zusammenbrechen des Medienmarkts, sondern vielmehr eine blühende Kulturlandschaft, in der weitaus mehr und bessere Medien erzeugt werden. So die Zukunftsvision Smiers, die er nüchtern aus den Fakten ableitet: das Urheberrecht ist vollkommen gescheitert.

    "Man muss blind sein, um nicht zu merken, dass die Tage des Urheberrechts gezählt sind. Selbst die massive Kriminalisierung von Schwarzbrennern und anderen Nutzern künstlerischen Materials ist wirkungslos."

    So sein Statement, das Vertretern der Medienindustrie Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte. Und negative Folgen sieht Smiers durchaus, aber vor allem auf den Seiten der großen Medienkonzerne. Im Ganzen genommen rechnet er aber mit einer neuen Blüte der Kultur - eben durch den Bedeutungsverlust, der die großen Akteure am Medienmarkt treffen würde:

    "Was geschieht, wenn das Urheberrecht abgeschafft wird? Plötzlich wäre es dann für die Großen der Kulturindustrie nicht weiter von Interesse, sich so stark auf die gewinnbringendsten Bücher, Filme und Stars zu konzentrieren. Denn ohne Urheberrecht sind diese Werke frei verfügbar. Somit verlieren die Giganten der Kulturindustrie nicht nur ihre Exklusivrechte an den Werken, sie verlieren auch ihre herrschende Marktposition, die so viele Künstler von der öffentlichen Wahrnehmung ausschließt."

    Die Folge: ein bunter, vielfältiger Medienmarkt mit zahlreichen, kleinen Akteuren. Die auch ohne Urheberrecht ihre Umsätze machen werden, ebenso wie die Künstler. An einem Beispiel macht Smiers deutlich, dass ein urheberrechtsloses System durchaus kommerziell funktionieren - und vielleicht gar besser funktionieren - kann, als das heutige Regime.

    "Noch ein Beispiel: ein Schriftsteller schließt mit einem Verlag einen Vertrag ab, so wie das heute üblich ist. Der Verlag veröffentlicht das Buch. Natürlich könnte Tags darauf ein anderer Verlag das Buch ebenfalls herausgeben. Doch ist dies wahrscheinlich? Natürlich nicht. Am selben Tag könnten dreißig Verleger dasselbe tun. Doch weil kein Unternehmen eine marktdominierende Position besitzt, besteht kein Anreiz, einen solchen Aufwand zu betreiben. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass ein Verlag dennoch dieses Risiko auf sich nähme: Zu Marketingzwecken bräuchte er die Unterstützung des Autors. Für den Ruf des zweiten Verlages wäre es fatal, wenn der Autor öffentlich erklärte, keine Bezahlung erhalten zu haben."

    Neben den erfrischenden Ansätzen führt Smiers noch einen einleitenden Rundumschlag gegen Creative Commons - etwas unverständlich, verlören die CC-Lizenzen bei einer Abschaffung des Urheberrechts ohnehin ihre rechtliche Relevanz. Bis dahin stellen sie aber trotz Smiers' Einschätzung ein hervorragendes Mittel dar, selbstbestimmt Texte und Medien zu publizieren und die Kontrolle über die Art ihrer Vervielfältigung zu behalten.

    Seine Vision dürfte in der Realität noch auf sich warten lassen - die Kraft des Faktischen, die frei fließenden Bits und Bytes werden jedoch vermutlich ihren Beitrag leisten, dass sich in Zukunft einiges verändern wird.
    SZ-Artikel

    quelle: gulli untergrund news
     

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  3. #2 30. Mai 2007
    AW: Süddeutsche Zeitung: Copyright abschaffen!

    auf urheberrechte wird eh meistens gepfiffen.
    aber ohne urheberrechte gehts auch nicht. nehmen wir mal ein beispiel außerhalb von digitalen medien (lief heute im zdf morgenmagazin).

    eine mittelständige firma stellt design-wasserhähne her. es dauert jahre bis sich ein design durchgesetzt hat und zur herstellung bereit ist.-->hohe kosten (eigentlich unnötig)
    und da wird das design einfach 1:1 von chinesen kopiert und verkauft sich natürlich besser.
    megaverluste für die mittelständige firma.

    für riesenfirmen ist das aba eher ein kleines problem. geld kriegen sie trotzdem genug.
    Joost Smiers Visionen sind Utopie.
    Es wird niemand ein 100 millionen- dollar-film drehen, wenn sich den niemand kauft.
    den ohne urheberrechte kann man es ja kopieren.
    wenn er sich vorstellt, dass nur andere firmen es kopieren, hat er sich geschnitten
     
  4. #3 30. Mai 2007
    AW: Süddeutsche Zeitung: Copyright abschaffen!

    DerW0olf, ich glaube auch nicht das er damit sowas gemeint hat. Sondern ehr "kleinere" Dinge. Bilder, Texte, Namen etc pp. Aber keine Techniken aus dem Automobilbau etc pp.
     
  5. #4 31. Mai 2007
    AW: Süddeutsche Zeitung: Copyright abschaffen!

    Ihr verwechselt hier Patente mit Urheberrecht ;)

    Urheberrecht:
    Das Urheberrecht schützt GEISTIGES Eigentum, dadrin inbegriffen sind Filme, Musik, literarische Texte.
    Alles was dem Geist entspringt wird durch das Urheberrecht geschützt.

    Patentrecht:
    Das Patentrecht schützt MATERIELLES Eigentum. Stellst du also einen super coolen Wasserhahn her und lässt dir ein Patent drauf geben, darf den kein anderer bauen.
    Nachteil: Das Patentrecht ist extrem locker und teilweise recht eine winzige, kaum bemerkbare Veränderung des Originals aus, um das gleiche Produkt, eventuell sogar billiger, anzubieten...
     
  6. #5 31. Mai 2007
    AW: Süddeutsche Zeitung: Copyright abschaffen!

    Ideen sind das größte Gut der Menschheit. Wenn ich ne riesen Idee für einen Film oder ein Buch hätte und ich glaubte, dass sich das gut vermarkten ließe, dann würd ich das auch schützen lassen. Das abzuschaffen wäre falsch.

    MfG
    mogstabrezn
     

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