Uruguay gibt das Gras frei

Artikel von Tommy Weber am 22. Juli 2017 um 18:18 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Politik & Recht

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Uruguay gibt das Gras frei

22. Juli 2017   Tommy Weber   Kategorie: Politik & Recht
Als bisher einziges Land der Welt hat Uruguay den Besitz und den Konsum von Cannabis legalisiert. In ausgewählten Apotheken des südamerikanischen Landes kann jeder der möchte, ohne Rezept Gras kaufen, und zwar Gras, das nicht vom Schwarzmarkt, sondern von einem staatlich beauftragten Unternehmen stammt. Mit diesem Schritt will die Regierung den Drogenkonsum regulieren und den Schwarzmarkt unter Kontrolle bekommen. Zehn Gramm der Blüten können maximal pro Woche gekauft werden, aber wer jetzt meint, dass Uruguay zu einem Paradies für Kiffer wird, der irrt sich.

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Nicht jeder kommt in den Genuss

Während andere Staaten noch immer mit dem Problem Cannabis zu kämpfen haben, hat sich Uruguay dazu entschlossen, in die Offensive zu gehen und Gras zu legalisieren. Aber einfach so in die nächste Apotheke marschieren funktioniert nicht, denn bevor es ans Kiffen geht, muss sich jeder, der Gras kaufen will, beim Staat registrieren und sich durch einen elektronischen Fingerabdruck identifizieren. Erlaubt ist der Kauf nur Uruguayern und Menschen, die seit mindestens einem Jahr im Land leben. Wer als Tourist nur auf der Durchreise ist, der hat Pech, denn Uruguay will schließlich kein Touristenziel für Kiffer werden.

Da in Uruguay das Gras meist pur und ohne die Beimischung von Tabak geraucht wird, gehen die Behörden davon aus, dass zehn Gramm in der Woche ausreichen, um zehn Joints zu drehen und zu rauchen. Bislang haben sich 5000 Einwohner beim staatlichen Cannabis-Institut angemeldet, rund 70 % davon sind Männer zwischen 30 und 44 Jahren. Ein Gramm Gras ist für umgerechnet 1,30 Euro zu haben und damit deutlich günstiger als beim Dealer um die Ecke.

Illegalen das Geschäft vermiesen

Alles, was mit Marihuana zu tun hat, liegt in der Hand des Staates. Das Gras, was in den Handel kommt, stammt aus einer nur für diesen Zweck bestimmten Cannabisblüte, und damit soll dem illegal angebauten Cannabis ein Riegel vorgeschoben werden. Die Regierung schätzt, dass dem schwarzen Markt damit bis zu sieben Millionen Dollar im Jahr durch die Lappen gehen. Geplant war der legale Verkauf von Gras schon vor vier Jahren, aber das Gesetz auch durchzusetzen, verzögerte sich immer wieder. Jetzt ist das Gras am Start und zwei Unternehmen betreiben im Auftrag der Regierung den Anbau von Marihuana und sie bauen jedes Jahr maximal zwei Tonnen an. Nur 16 Apotheken, die an der Grenze zu Argentinien und Brasilien liegen, dürfen den Stoff verkaufen, viele Apotheker haben sich aus Angst vor Überfällen geweigert, das Gras ins Sortiment zu nehmen.

Pro und Contra

Geschätzt gibt es in Uruguay rund 56.000 Menschen, die regelmäßig einen Joint rauchen, das sind zwei Prozent in einem Land mit drei Millionen Einwohnern. Dass es jetzt mehr werden, davon sind nicht nur die Kritiker des Programms überzeugt. Die Befürworter weisen darauf hin, dass die legale Abgabe von Gras nur auf die Realität reagiere und zudem die Kiffer vor dem Schwarzmarkt bewahrt. Die Kritiker hingegen beschwören ein Schreckensszenario herauf und werfen der Regierung vor, dass sie die Jugend des Landes unter Drogen setzt und damit auch noch Geld verdient. Die Kritiker sehen aber auch im niedrigen Verkaufspreis eine große Gefahr, denn auch, wer selbst nicht raucht, kann sich registrieren lassen, in die Apotheke gehen und das Gras später teuer weiter verkaufen.

Vermutlich will der Staat die Verantwortung aber doch nicht ganz alleine tragen und bietet zwei weitere Optionen zum Thema Cannabis an. Die erste Option besteht darin, Cannabis zu Hause selbst anzupflanzen. Erlaubt sind bis zu sechs Hanfpflanzen, wer mit mehr erwischt wird, der muss mit empfindlichen Geldstrafen rechnen und verliert das Recht, weiter privat Cannabis anzubauen. Die zweite Möglichkeit ist, einen Klub zu gründen und in der Gemeinschaft Cannabis anzubauen. Jedem Mitglied dieses Klubs stehen dann im Jahr bis zu 480 Gramm für den Eigenkonsum zu. Für beide Alternativen gilt, auch hier muss man sich registrieren und per Fingerabdruck auch identifizieren.

Strenge Auflagen

Die Regierung Uruguays gilt als progressiv und der Schritt zur Legalisierung von Marihuana ist daher keine so große Überraschung. Trotzdem setzt die Regierung auf strenge Regeln, wenn es um den Kauf und den Konsum der Droge geht. Anders als zum Beispiel in den Niederlanden, wo die Coffee Shops, die Gras verkaufen, toleriert werden, ist es Touristen nicht erlaubt, Gras zu kaufen. Zudem ist es verboten, einen Joint zu rauchen, und zwar am Arbeitsplatz, auf allen öffentlichen Plätzen und auch während man am Steuer sitzt.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / yellow2j
 

Kommentare

#2 5. August 2017
viele liebe grüße aus den niederlanden
 
#3 5. August 2017
In Niederlande ist Cannabis nicht legal.

Die Niederlande kennen seit 1976 eine sogenannte ‘Duldungspolitik’
Auch der Besitz und der Konsum von Cannabis sind im Prinzip strafbar, aber sie werden unter bestimmten Umständen geduldet. Eine Person darf maximal 5 g Cannabis oder Haschisch mit sich führen, ohne dass es strafrechtliche Konsequenzen hat.

Strafbar ist es in der Papiertheorie sogar schon ab 0,1g ... das ist wie in DE, wegen Überlastung der Gerichte wird es wegen geringer Menge automatisch fallen gelassen. Das kann man zwar so noch nicht als Duldung nennen aber es ist ähnlich. Die Niederlande haben etwas andere Gründe für ihre Duldungspolitik. Gesetzlich wurde das Gras dort NIE legalisiert und ist es bis heute nicht.

Das rauchen in der Öffentlichkeit ist strafbar ebenso wie der private Anbau. Mittlerweile sind die Niederlande sogar wieder strenger geworden, weil sie zunehmend Probleme haben mit Drogen aller Art.
Die Duldungspolitik ist auf dem Rückzug.
 
#4 5. August 2017
gut ok geduldet und straffrei bei mengen bis zu 30gramm. ich denke es ist dennoch einfacher in den niederlanden gras zu bekommen als in uruguay.
außerdem könnte man einzelne staaten in den usa erwähnen in denen cannabis legal ist (kalifornien, alaska, oregon, colorado, ...). klar kein ganzes land aber dennoch nicht gerade unerheblich, auch hinsichtlich der einwohnerzahlen.
 
#5 5. August 2017
30g wo hast du das gehört? 5g sind geduldet... die Niederlande sind mittlerweile nicht mehr so locker wie früher, die haben die letzten Jahre ihre Duldungspolitik drastisch zurückgefahren.
Auch die US-Staaten unterscheiden sich in der legalität stark.

Keiner fährt zum Joint rauchen nach Uruguay... ich glaub das war jetzt auch nicht das was der Artikel aussagt.
 
#6 5. August 2017
gut nach der verschärfung sind es 5g.
nach uruguay brauch man auch nicht fahren zum joint rauchen, weil man mindestens 1 jahr da leben und sich registrieren lassen muss, um cannabis zu kaufen.
ich hätte mir für diesen artikel jedenfalls ein "über den tellerrand" blick gewünscht wo andere modelle beleuchtet werden. dass uruguay das einzige land ist, was cannabis legalisiert ist nicht falsch, aber auch nicht ganz korrekt, da es hier auch bestimmungen gibt, die einer kompletten legalisierung im weg stehen, so wie in anderen ländern auch
 
#7 5. August 2017
Eine komplette Legalisierung wird es wohl nie geben, selbst Tabak und Alkohol sind nicht völlig legalisiert da es ja auch wichtig ist die Bestimmungen als Mindestschutz zu organisieren.
Die teilweise legalisierung in verschiedenen Ländern ist letztendlich darauf zurück zu führen das man Drogen nicht in den Griff bekommen hat, also versucht man die unvermeidbaren Schäden gering zu halten in dem man zumindest den Schwarzmarkt austrocknet und erstens noch etwas Geld einnehmen kann und zweitens einen Vertriebsweg auch für andere Drogen erschwert. Die Bestimmungen sollen trotzdem davor schützen es nicht als Saftschorle erscheinen zu lassen.
Ganz ohne Regelung geht es halt nicht, auf Vernunft kann man nicht hoffen, das geht nach hinten los.