US-Energiepolitik: Vorbild Deutschland

Dieses Thema im Forum "Politik, Umwelt, Gesellschaft" wurde erstellt von graci, 19. Dezember 2008 .

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  1. #1 19. Dezember 2008
    ZEIT ONLINE 18.12.2008 - 14:24 Uhr [http://www.zeit.de/online/2008/52/obama-deutschland-klingst]

    Amerikas neue Elite preist Deutschlands Vorreiterrolle in der Energie- und Umweltpolitik. Weniger gut fällt das Urteil zu Berlins Haltung in der Finanzkrise aus

    In dieser Woche wollte man als Amerika-Korrespondent kaum seinen Ohren trauen. Auf einem hochkarätigen umweltpolitischen Treffen in Washington wurden die Deutschen heftig umworben und mit schmeichelhaften Worten bedacht. "Wir wollen von euch lernen", sagten Regierungsvertreter der US-Bundesstaaten Pennsylvania und Virginia. Man wolle Bündnisse mit den Deutschen schließen und ihr Knowhow ins Land holen. Rote Teppiche wurden ausgerollt.

    Die Amerikaner priesen Deutschlands "Vorreiterrolle" in der Solar- und Windkrafttechnologie und die "beispielhafte" Energiesparpolitik. Gelobt wurde ebenso die staatliche Förderung alternativer Energiequellen in der Bundesrepublik, kurz: das komplette Anreiz-, Steuer- und Subventionssystem.

    Der amerikanische Unternehmer Michael Ahearn von First Solar schwärmte davon, wie er in Frankfurt an der Oder eine Solarzellenfabrik aus dem Boden stampfte, die jetzt etwa 700 Leute beschäftigt – und wie dieses Beispiel weltweit Schule macht. Im US-Bundesstaat Ohio steht nun ein weiteres Werk und demnächst wird die Firma auch an zwei Orten in Malaysia produzieren.

    Amerika selber kam auf der Versammlung in der Deutschen Botschaft nicht besonders gut weg. Ahearn beschwerte sich, dass die USA, Energiepionieren wie ihm, bürokratische Knüppel zwischen die Beine werfe und das Leben erschwere. In leicht sarkastischem Ton erzählte er, dass seine Firma First Solar zwar ihren Hauptsitz vorausschauend im Wüstenstaat Arizona aufgeschlagen, aber dort bislang noch keine einzige Solarzelle aufgestellt habe. Die Genehmigungsverfahren seien monströs und die Fördergelder ein Tropfen auf den heißen Stein. Seine Firma harre einstweilen in einem kleinen Büro aus, in der Hoffnung auf "sonnigere Zeiten".

    Die sollen nun anbrechen mit Barack Obama. "Deutschland, wir brauchen dich!“, beteuerten einmütig Politiker, Wissenschaftler und Industrielle auf dem Treffen der "Transatlantischen Klimabrücke" und prophezeiten der in den Bush-Jahren arg strapazierten Freundschaft eine goldene Zukunft. "Habt Ihr nicht vernommen", hieß es, "dass Obama euch bereits im Wahlkampf laut gepriesen hat?" Nein, nicht allein wegen seiner Berliner Rede vor 200.000 jubelnden Germanen vor der schönen Kulisse mit Siegessäule und Brandenburger Tor. Sondern weil Deutschlands alternative Energieindustrie bereits weit mehr als 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen habe.

    Doch Vorsicht! Nicht überall in Amerika hat das Wort "Deutschland" einen so guten Klang. Zum Beispiel in Chicago, wenn Deutsche über den dortigen Korruptionssumpf die Nase rümpfen. Staatsanwälte versuchen gerade, diesen Sumpf trocken zu legen und die Demokraten hoffen inständig, dass mit dem zwielichtigen Gouverneur von Illinois nicht auch der eine oder andere aus dem Obama-Team im Morast versinkt. Schließlich haben viele Obamanics in Chicago Karriere gemacht. Es heißt: Wer in dieser Stadt aufsteige, sei zwangsläufig vom Korruptionsvirus befallen.

    Deutsche jedenfalls, die behaupten, solche Bestechungsgeschäfte seien in ihrem Land unmöglich, schallt ein Wort laut entgegen: "Siemens!" In dieser Woche haben die Gerichte den deutschen Technologiekonzern dazu verdonnert, wegen diverser Schmiergeldzahlungen in Amerika und in der Bundesrepublik mehr als eine Milliarde Euro an Börsenaufsicht und Justiz zu zahlen. Das Beispiel zeigt, dass auch der hoch gelobte deutsche Erfindungsgeist mitunter krumme Wege geht.

    Leicht despektierlich sprechen dieser Tage auch etliche amerikanische Ökonomen von Deutschland. Es will ihnen nicht in den Kopf gehen, warum Kanzlerin Angela Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück sich gegen Aufputschprogramme für die Wirtschaft sträuben, wo doch die ganze Welt Billionen locker macht. "Frau Nein", ätzt Wirtschaftsnobelpreisträger und New York Times-Kolumnist Paul Krugman, habe wohl nicht begriffen, dass auch ihr Land bis zur Halskrause im Schlamassel stecke. Wer jetzt nicht den Dukatenesel aus dem Stall hole, so Krugmann, den bestrafe das Leben.

    So denken übrigens auch die Wirtschaftsauguren Obamas. Wenn der nächste Präsident am Tag eins nach seiner Amtseinführung ein milliardenschweres Konjunkturankurbelungspaket vorlegen wird, möchte er, dass all die Geplagten zwischen Washington, London, Paris und Berlin mit ihm an einem Strang ziehen und die Gelddruckmaschinen anwerfen. Niemand soll ausscheren, schon gar kein Freund – erst recht nicht das Export- und Energietechnikland Deutschland.

    Voller Hoffnung und in bester Nachweihnachtsfeiertagslaune sollen die Chöre am 20. Januar weltweit singen "Lobet den Herren alle, die ihn ehren." Dann wird auch Obama, der 44. Präsident Amerikas, mit Freuden ihre Namen singen und Preis und Dank zu ihren Altären bringen.

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    Bürokratie in USA anstatt in Deutschland, auch mal was neues.
     

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