Viele offene Fragen

Dieses Thema im Forum "Netzwelt" wurde erstellt von z3Ro-sHu, 7. Juli 2006 .

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  1. #1 7. Juli 2006
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    Die Sicherheitsbehörden haben seit den Anschlägen des 7. Juli umfangreiches Beweismaterial gesichtet und über 13.000 Menschen vernommen. Noch immer sind viele wichtige Fragen offen. Gab es Leute, die von den Anschlagsplänen wussten und den Tätern geholfen haben?

    Von Karl Teofilovic, BR-Hörfunkkorrespondent London

    Direkt nach den Anschlägen des 7. Juli 2005 hatte in Großbritannien eine gigantische Polizeiaktion begonnen. Und noch am gleichen Tag waren die Fahnder den Bombenlegern auf der Spur. In den Trümmern an den Explosionsorten entdeckte die Spurensicherung Dokumente, die den Selbstmordattentätern gehört hatten. Bei den Männern handelte es sich um junge britische Muslime; drei kamen aus pakistanischen Einwandererfamilien, der vierte stammte aus Jamaika. Im nordenglischen Leeds fand die Polizei ein Haus, das als Bombenfabrik gedient hatte.
    Hatten die Attentäter Helfer?

    Bisher haben die Sicherheitsbehörden über 13.000 Menschen vernommen, 30.000 Beweisstücke gesammelt und 6000 Stunden Überwachungsfilm sicher gestellt. Trotzdem sind viele wichtige Fragen nach wie vor unbeantwortet. "Im Zentrum unserer Untersuchung steht die Frage, ob es Leute gab, die Bescheid wussten und den Tätern geholfen haben, zum Beispiel beim Bau der Bomben, sagt Peter Clarke, Chef der Londoner Anti-Terror-Einheit. Von den Attentätern Mohammed Sidique Khan und Sheezad Tanweer weiß man, dass sie nach Pakistan reisten. Es ist aber nicht klar, wen sie dort trafen. Für Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida könnten ihre Bekennervideos sprechen. Der Film mit Tanweer wurde erst gestern gezeigt. Darin drohte er mit weiteren Anschlägen. Neben ihm war auch der Vize-Chef von Al Kaida, Ayman al-Sawahiri, zu sehen. Dem Inlandsgeheimdienst MI5 waren Khan und Tanweer bereits vor den Attentaten bekannt gewesen. Sie waren zufällig ins Visier der Fahnder geraten. Diese erkannten jedoch nicht, welche Gefahr von den beiden ausging.

    Nach Ansicht der Anti-Terror-Expertin Sally Leivesley sind die Muster, nach denen einheimische Netzwerke funktionieren, nicht voll erkannt worden. Zugleich hätten Regierungen aber auch nicht genug Geld für die Sicherheit ausgegeben. "Wir denken immer, der Feind sitzt im Ausland und schicken Soldaten dorthin. Wir könnten den Krieg aber auf unserem eigenen Boden verlieren", so Leivesley.

    Der britische Geheimdienst rüstet auf

    Dem Geheimdienst war vor dem 7. Juli entgangen, wie radikalisiert manche britische Muslime sind. Mittlerweile ist die britische Regierung dabei, das MI5 gehörig aufzurüsten. Wie Chef-Fahnder Peter Clarke kürzlich sagte, muss man mit neuen Anschläge rechnen. Er sprach von Besorgnis erregenden Entwicklungen: "Viele Verdächtige sind Briten und bereit, Anschläge auf ihre eigenen Mitbürger zu verüben. Und besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass viele von diesen Leuten so jung sind." Derzeit liegt die Zahl der gewaltbereiten Verdächtigen bei etwa 1.200. Die Zahl ist deutlich höher als vor dem 7. Juli. Das Problem für die Polizei ist, dass die Auslöser für eine Radikalisierung immer noch vorhanden sind. Das sind zum einen der Irak-Krieg und der Nahost-Konflikt, zum anderen jedoch auch die Entfremdung mancher junger Muslime von der britischen Gesellschaft.

    Es gibt keine absolute Sicherheit

    Nicht nur die Polizei, auch die Transport-Gesellschaft hat seit dem 7. Juli die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Durchsagen in der U-Bahn erinnern Fahrgäste ständig daran, keine Gepäckstücke herumstehen zu lassen und verdächtige Gegenstände zu melden. Die Anzahl der Polizisten, die in den Waggons unterwegs sind, wurde erhöht. Auch das Netz der Überwachungskameras soll von 6000 auf 12.000 wachsen. Trotzdem ist klar, dass es keine absolute Sicherheit gibt. In London nutzen täglich drei Millionen Menschen die U-Bahn. Tim O'Toole, Londons U-Bahn-Chef: "Wir haben ein offenes System. Es gibt keine Technik, mit der wir jeden durchleuchten könnten, der in die U- Bahn will. Es geht vielmehr darum, den Leuten Vertrauen zu geben durch sichtbare Sicherheitsvorkehrungen wie Kameras und Polizeistreifen.
    Behörden sind nervös

    London ist heute sicherlich besser gerüstet für die Abwehr von Terroristen als vor dem 7. Juli 2005. Gleichzeitig geht die Polizei davon aus, dass die Gefahr von Anschlägen eher zugenommen hat. Hinter den Kulissen sind die Behörden nervös. Beweis dafür ist eine Äußerung von MI5-Chefin, Eliza Manningham-Butler: "Wir können die meisten Angriffe stoppen, aber nicht alle."
     

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