Warum Euro und Gold weiter steigen

Artikel von raid-rush am 8. September 2017 um 12:10 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung - Kategorie: Wirtschaft

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Warum Euro und Gold weiter steigen

8. September 2017   raid-rush   Kategorie: Wirtschaft
Seit der Finanzkrise hat sich vieles am Finanzmarkt verändert, auch mit Auswirkung auf die Sparer. Die unzähligen Maßnahmen der Politik und Zentralbanken, um Auswirkungen auf die Wirtschaft zu mindern sind zwar gelungen, aber ohne stetigen Tropf scheint keine Eigendynamik mehr in die Weltwirtschaft zu kommen. Eine Zinswende schien in Sicht, diese wurde wohl mit den geplanten Handelsverträgen auf Eis gelegt. Dies ist aber nur ein Grund warum der Euro gegenüber dem USD so stark aufwertet.


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Politik als Faktor
Durch die Politik von Donald Trump nimmt die US Wirtschaft langfristig großen Schaden und verliert an Einfluss in globalen Handelsbeziehungen. Er setzt auf veraltete Energietechnologie aus eigenen rasch endenden Vorkommen, vernachlässigt wichtige Beziehungen zu den zukünftig lebenswichtigen Energielieferanten.

Geldmenge in USD
Auch ein Grund für den starken anstieg der Europäischen Gemeinschaftswährung ist schier die große Menge an USD die im Umlauf sind um die Schuldenberge zu kompensieren. Um das Vertrauen an den Märkten nicht zu verlieren musste die FED nach 9 Jahren ein Zeichen setzen und eine Zinswende andeuten. In diesem Zeitraum sank der Euro sowie auch Gold. Nach wenigen sehr kleinen Zinsschritten wurde 1% Leitzins erreicht, doch nun könnte durch den Regierungswechsel schon Schluss damit sein. Damit bleibt die Geldmenge in USD fast doppelt so viel wie die EUR Geldmenge. Das ist ein Grund, warum trotz des weiteren EZB Kurses mit Nullzins und Kaufprogramm der Euro steigt.

Gold profitiert durch die Zwickmühle der EZB
Um wirtschaftliche Nachteile durch die steigende Währung zu vermeiden ist die Zentralbank dazu gezwungen weiterhin an einer sehr lockeren Geldpolitik festzuhalten. Doch es gibt ein Problem, denn die Zentralbank darf maximal ein Drittel (33% Regelung) der Anleihen kaufen und viele Papiere sind damit schon fast an ihrer Grenze. Eine Erweiterung der Befugnisse ist unwahrscheinlich da vor allem das Land der Sparer, Deutschland eine Ende der Niedrigzinsen fordert. Die logische Konsequenz ist, dass eine Zinswende nicht in Sicht ist, die Geldmenge in Euro und USD wird also gleichermaßen weiter zunehmen und damit Gold als "Währung" im Wert steigen.

Gold als eigene Währung
Die Weltweit offizielle Zahl an jemals gefördertem Gold liegt bei etwa 180.000 Tonnen, Schätzungen zufolge dürften es allerdings mehr als 200.000 Tonnen sein, denn viele Goldfunde sind nicht gemeldet oder werden illegal abgebaut. Offiziell kommen Jährlich etwa 3000 to. des Edelmetalls hinzu. Umgerechnet in Feinunzen (31,1g) ergebe dies 6,4 Milliarden Unzen Gold. Nimmt man die Geldmenge in Euro etwa 7.000 Milliarden und Teil diese durch die Anzahl an Unzen so kommt man überraschenderweise ziemlich genau auf den Goldpreis in Euro pro Feinunze, also rund 1100 Euro. Die Goldpreise sind immer ein blick in die Zukunft, denn Spekulanten setzen ja auf zukünftige Entwicklungen. So ist es nicht erstaunlich, dass der Goldpreis in USD die 1900 USD Markt schon angekratzt hatte (Sept.2011). Tatsächlich ergibt sich ein solcher Preis, wenn man die Geldmenge in US-Dollar durch die Anzahl der Unzen teilt. Der Dollar genießt also scheinbar ein sehr starkes Vertrauen und kann so seine Überbewertung halten. Die Gründe dafür liegen wohl in der militärischen Stärke sowie dem Leitwährungsbonus für Rohstoffe aber auch an der Menge internationaler Verbindlichkeiten in USD-Krediten, sowie Devisenreserven und Goldreserven.

Aussichten ohne Richtungsänderung
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen die Inflationsrate innerhalb der nächsten 10 Jahre wieder übersteigt liegt sehr gering. Entsprechend werden Privatbanken ihre Zinsen nach unten anpassen. Die Prognosen der Banken zeigen sich bei langfristigen Verbindlichkeiten wie Festgeld.

Die Sparer haben bisher durchgehalten und nur Teilweise in Sachwerte oder Aktien investiert, doch die Aussicht wird vielen klar machen, dass diese Situation noch sehr lange anhalten wird. Folglich ist ein starker Anstieg der Nachfrage an Sachwerten zu erwarten. Freude bleibt dafür weiterhin bei denen, die einen Kredit benötigen, so wird auch die Vergabe von Kredit ohne Schufa abfrage einfacher und die niedrige Zinslast reduziert das Schuldenrisiko. Immobilienpreise werden also weiter steigen, zumindest bis zu dem Punkt, an dem die Nachfrage stark einbricht, da zu wenige sich das noch Leisten können. Der Konsum bleibt weiter hoch, doch er wird kaum noch steigen. Das Gefühl von schwindenden Sparbüchern bei steigenden Bankgebühren könnte die Reaktionsfreudigkeit für bisher wenig attraktive Anlagen ohne Rendite, wie Gold erhöhen. Das Risiko das der Goldpreis in absehbarer Zeit unterhalb 1000 EUR fällt ist extrem gering.

Da der Euro derzeit meist parallel zum Gold steigt, hat man zwar kurzfristig kaum plus bzw inflationsausgleich, aber langfristig wird die weiter steigende Geldmenge ( ca. 5% Jährlich) der Leitwährungen die Goldförderung (von ca. 96 Millionen Unzen [bzw 1,5% Zuwachs]) übersteigen.

Wirtschaftswachstum am stagnieren
Trotz der günstigen Kreditvergaben nehmen die Neugründungen bei Unternehmen ab, das ist langfristig gesehen kein guter Trend. Es fehlt an technologischen oder innovativen Sprüngen die Arbeitsplätze schaffen und neue Nachfrage erzeugen. Doch davon ist wenig zu sehen, dazu kommen durch den anhaltend hohen Konsum verursachte Umweltschäden, die eine wirtschaftliche Expansion in Schwellenländer mehr als fragwürdig macht. Zudem ist die Kaufkraft dort proportional zur Wachstumserwartung im heimischen Markt zu niedrig.

Fazit: Der Goldpreis könnte vor allem gegenüber dem USD noch steigen. Die Kaufpreise in Euro bleiben neutral und bieten hinsichtlich der geringen Inflation kurzfristig noch keinen wirklichen Kaufanreiz, langfristig sieht das etwas anders aus.
 

Kommentare

#3 13. September 2017
Kurzfristig bietet sich ein günstiger einstieg in Euro&Gold, da die Inflation in den USA deutlich angezogen hat auf 2,4% und die Aussicht der EIA auf steigende Öl-Nachfrage wird diesen Trend nicht mindern. Spekuliert wird daher auf eine mögliche oder nötige weitere Zinserhöhung der FED, allerdings geben die Arbeitsmarktdaten und Wirtschaftsdaten nicht unbedingt Rückhalt für Zinsschritte. Der Dollaraufschwung wird daher nur von sehr kurzer Dauer sein.
 
#5 21. September 2017
Die Ankündigung der FED für eine Zinserhöhung noch dieses Jahr hat zwar kurzfristig für negative Vorzeichen bei EUR+Gold gesorgt, allerdings wird es 2018 wohl deutlich weniger Zinsschritte oder gar keine geben. Trump will zudem die Schuldengrenze abschaffen da diese ständig erhöht wird und mittlerweile die 20 Billionen Dollar überstiegen hat. Auch ungewiss ist wer in Zukunft in der FED das sagen hat, ginge es nach Trump wäre die Notenbankchefin Yellen schon längst weg. Er bevorzugt doch eher Deregulierung und weiter lockere Geldpolitik, womit er einen Währungskrieg auslösen würde bzw einen möglicherweise schon bestehenden weiter anfacht.
Die Deflationswirkung durch steigende Produktivität wird also durch endliche Rohstoffe und deren Preissteigerung ausgeglichen.