Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

Dieses Thema im Forum "Politik, Umwelt, Gesellschaft" wurde erstellt von Haitower, 4. März 2011 .

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  1. #1 4. März 2011
    Zunächst: Mir ist diese Befreiungsaktion in den afrikanischen Staaten etwas suspekt. Klar, Despoten ausgeknockt innerhalb von Tagen. Ganze Länder befreien sich von ihren Tyrannen. Demokratie überall und sofort.

    ABER: Sind diese Länder überhaupt in der Lage sich ab dem Zeitpunkt der "Befreiung" selber zu regieren? Es reicht doch nicht einen wirklichen Umschwung zu erzielen wenn nur der oberste Clan entfernt wird. Da stehen jahrzehntelange Korruption hinter. Der Verwaltungsapparat, die Polizei, die Feuerwehr, das Militär, Gerichte, Energiebehörden... alle diese Staatsapparate schwenken nun voll um auf Demokratie?

    Glaub ich nicht. Da sind doch viel zu viele Leute in das bisherige System verstrickt.

    Die einzigen denen ich da unten eine halbwegs funktionierende Regierungsebene zutraue, die all diese unter einen Hut kriegen, sind die Muslimbruderschaft.

    Und das wäre ja eigentlich konträr zu der "Aufbruchstimmung und dem Demokratieverlangen" was mir in den deutschen Medien aufgetischt wird.

    Villeicht irre ich mich ja auch, aber hat jemand Hinweise auf echte demokratische Entwicklungen in den nun befreiten Staaten?
     

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  3. #2 4. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Wieso glaubst du das nicht?

    Ist hier in Deutschland gleich 2 mal passiert! Meinst du im ernst, jeder der im staatsdienst steht, sei kein Opportunist?! Zumal in diesen Ländern ja nichtmal eine Ideologie hinter dem "Diktator" stand. Anders als nach dem dende des 2. WK, dem Untergang der DDR und dem zusammenbruch der sowjetunion.

    Es ist schon logistisch nicht möglich den kompletten staatsapparat auszuwechseln. Nicht mal die Nationalsozialisten nach ihrer MAchtübernahme 1933 haben das fertig gebracht.

    Und, "was uns in den deutschen medien aufgetischt wird", entpsircht durchaus den Tatsachen. Die Menschen wollen einfach keine willkür und armut erfahren, da bietet sich die demokratie halt an. Die Menschen orientieren sich nach Europa und nicht richtung naher osten, Dass die muslimbrüder da mitmischen , ist zwar bedenklich nur wäre es falsch, einem staat der sich jetzt bildet, bestimmte auflagen zu diktieren.

    Ich blicke zuversichtlich auf die geschehnisse in tunesien und ägypten, zumal al-quida immer wieder vergeblich versucht radikale anhänger zu rekrutieren und auch die ankündigungen des iranischen diktator ahmadinidschad treffen bisher nicht ein. Er sagte ja, dass die revolution dem iranischen vorbild von 1979 folge, was absolut nicht den tatsachen entpsircht.
     
  4. #3 4. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Verdammt, versehentlich bedankt...
    Also, Demokratie herrscht da unten freilich noch nicht. Du musst natürlich auch zwischen den einzelnen Ländern unterscheiden.

    In Tunesien wurden für Juli Wahlen angekündigt. Das Volk dort ist sehr gebildet und die Proteste verliefen ungemein friedlich. Außerdem helfen die Tunesier freiwillig den lybischen Flüchtlingen. Das Militär ist keine Söldnertruppe, sondern rein aus dem Volk rekrutiert, v.a. durch eine Wehrpflicht, ähnlich unserer, die jetzt abgeschafft wurde.
    Fazit: Demokratie sehr wahrscheinlich. Denke das wird funktionieren.

    In Ägypten sieht das ganze etwas anders aus, aber immer noch sehr gut. Im Moment hat dort das Militär die Macht, scheint aber bereit sie wieder abzugeben. Allerdings gibt es dort bereits Probleme, da das Militär zu langsam arbeitet und als Nutznieser des alten Systems gilt. Allerdings gibt es auch hier Fortschritte: Die Ägypter protestieren weiterhin und mittlerweile ist leitet ein ehemaliger Minister den Übergang, der angeblich schon vorher das Regime kritisiert hat.
    Die Bev. besteht dort aus einer einigermaßen gebildeten Mittelschicht und einer großen Zahl an weniger gebildeten Arbeitern. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit mMn eher gering, dass die Menschen dort zulassen werden, dass eine totalitäre islamistische Regierung an die Macht kommt. Die Menschen sind dort sehr gläubig, aber alles andere als radikal. Hab ein Interview auf Al Jazeera mit einem der führenden Protestler mitverfolgt, das ganze scheint alles sehr vernünftig und zivilisiert abzulaufen.


    So Lybien: Schwer zu sagen, was da noch passieren wird. Die Revolutionäre haben Waffen, sogar Panzer und werden von übergelaufenen Soldaten ausgebildet. Trotzdem machen ihnen die Luftangriffe Gaddafis zu schaffen, da sie dagegen keine Waffen haben. In mehreren Interviews fordern die Aufständischen eine Flugverbotszone über Lybien, allerdings wollen sie die Revolution selbst durchführen. Im Gegensatz zu den anderen beiden Staaten hat es in Lybien noch nie so etwas wie einen wirklichen Staat gegeben, das Land wird eigentlich von den großen Städten und den großen Stämmen dominiert. Hier ist wirklich kaum vorherzusagen, was für eine Staatsform entstehen wird, wenn die Revolutionäre gewinnen.

    Allerdings wäre es wohl hilfreich, wenn der Westen die Leute dort unterstützen würde, nicht nur mit Worten, sondern richtig. Das könnte vielleicht verhindern, dass die Menschen dort unten nacher einen Riesenhass auf uns haben, weil der Westen ihre Diktatoren unterstützt hat. Grade Frankreich hat hier eine große Verantwortung.
    Eig. auch Italien, aber von Berlousconi erwarte ich da wenig, der hat ja mal wieder mit ein paar Anklagen zu tun...

    Alles in allem eine faszinierende Entwicklung da unten. Ich wünsche den Leuten das allerbeste und auch die Staatsform, die sie wirklich wollen.
     
  5. #4 5. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Ein sehr schöner Post bei dem ich dir zustimme. Nichts anderes habe ich hier gesagt. Man muss den Menschen die Wahl lassen eigenständig ihren Weg zu suchen. Keine der Nationen wird sich wieder in ein staatliches Zwangsgebilde drücken lassen. Al Kaida, deren derzeitige Existenz und Struktur momentan in Frage zu stellen ist, wird durch diese Bewegungen nicht profitieren. Im Iran halte ich weniger Ahmadinejad für das Problem als die islamischen "Gelehrten".
     
  6. #5 6. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    So langsam wird es Zeit, dass die EU oder die USA in Lybien eingreift. Wenn weiterhin nichts getan wird, dürfte es in lybien bald nicht mehr anders aussehen als in den anderen afrikanischen Bürgerkriegsländern. Und ich denke nicht, dass irgendjemand sowas haben will.
     
  7. #6 6. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Ich würde es nach wie vor für einen Fehler halten, solange keine eindeutigen Signale aus Lybien von der Opposition kommen und die UNO keinen Beschluss dazu gefasst hat.

    Die folgende Nachricht bestätigt dies

    Libyen: Mit Luftangriffen und Panzerfeuer gegen die Aufständischen

    "Nach einem Bericht der "Sunday Times" halten Aufständische eine Spezialeinheit der britischen Armee im Osten Libyens fest. Die bis zu acht SAS-Soldaten seien gefangen genommen worden, als sie einen britischen Diplomaten durch das von Aufständischen kontrollierte Gebiet begleiteten. Das unerwartete Auftauchen der Spezialeinheit habe die Aufständischen verärgert, worauf die Männer festgesetzt worden seien. Die Rebellen fürchteten demnach, dass Gaddafi die Präsenz ausländischer Truppen im Land für seine Zwecke instrumentalisieren könnte. Ein Sprecherin des Außenministeriums in London wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren."

    Der SAS ist auch nicht mehr das, was er mal wahr.
     
  8. #7 6. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Ich sage ja nicht, dass man in das Land einmarschieren sollte. Aber Unterstützung für die Revolutionäre wäre doch mehr als angemessen. Grade die Flugverbotszone wurde schon öfters von den Aufständischen gefordert, da sie Gaddafis Luftwaffe hilflos ausgesetzt sind. Für die Westliche Luftwaffe wäre die Lybische jedoch kein Gegner. Natürlich habe ich auch meine Zweifel ob man in dem Fall die Amis einsetzen sollte. Die bombardieren für gewöhnlich einfach alles...
    Trotzdem, die Unentschlossenheit in der Politik ist eine Schande.
     
  9. #8 6. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Was erwartest du von unseren Politikern? Die sind alle viel zu sehr damit beschäftigt sich die Taschen zu füllen und uns mit beiläufigem Geplänkel und Lügen von den wirklich wichtigen Dingen abzulenken.

    Zum Thema Lybien:

    Es gibt keine Beweise für Luftangriffe. Selbst die amerikanische Regierung (Verteidigungsminister Gates) hat dies gesagt. Zudem würde ich gerne Belege dafür haben, dass die Revolutionäre wirklich unsere Hilfe wollen. Mir sind die westlichen Regierungen etwas zu schnell mit allen ihren Kriegsschiffen und Soldaten im Mittelmeer, frei nach dem Motto Tunesien und Ägypten haben wir verloren Lybien können wir uns nicht mehr leisten zu verlieren. Gaddafi ist alles andere als ein Feind des Westens. Die Zeiten waren und sind lange vorbei.

    Obamas Stabschef zu einer Flugverbotszone

    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12030522/1266971/Obamas-Stabschef-sieht-Flugverbot-ueber-Libyen-skeptisch.html

    Gates und Doley zur Flugverbotszone

    Libyen: EU und UN schicken Erkundungsteams

    "In der US-Regierung mehren sich unterdessen die skeptischen Stimmen zu einer solchen Flugverbotszone. Nach Verteidigungsminister Robert Gates äußerte sich am Sonntag auch der neue Stabschef im Weißen Haus, Bill Daley, zurückhaltend. "Eine Menge Leute reden über eine Flugverbotszone, als wäre es (...) ein Videospiel oder so etwas", sagte er dem US-Sender NBC. "Wer darüber auf diese Weise redet, hat keine Ahnung, wovon er spricht."

    Das zeigt deutlich, dass auch wir Laien uns mit unseren Äusserungen dazu zurückhalten sollten.

    weiter gehts hiermit ...

    Maghreb-Monopoly: Warum ist Hugo Chávez nicht gegen Libyens Gaddafi?

    Was im Fall Libyens stutzig macht

    Nun gibt es sicher keinen Grund Gaddafi zu unterstützen und ich zweifle auch nicht daran, dass das libysche Regime foltern und morden lässt. Allerdings sollten im Zusammenhang mit den Ereignissen in Libyen einige Sachverhalte festgehalten werden, die zumindest stutzig machen sollten:

    1. Lassen sich die Aufstände im arabischen Raum wirklich alle über einen Kamm scheren? Die "Demonstrationen" oder die "Opposition", die in Aufnahmen aus Libyen zu sehen ist, unterscheiden sich deutlich von den Bildern aus Ägypten oder Tunesien. Dort waren große Demonstrationen mit vielen (auch unverschleierten) Frauen zu sehen. Die Demonstranten schienen breit aufgestellt zu sein. In Libyen sind auf den Bildern ausschließlich Männer zu sehen, und diese sind schwer bewaffnet. Wenn sie Fahnen schwenken, dann sind es die des alten libyschen Königreichs.

    2. Seit Tagen ist in der Weltpresse davon die Rede, Gaddafi habe die Städte und die Zivilbevölkerung bombardieren lassen. Bilder dazu hat es allerdings nicht gegeben. Telesur ist einer der wenigen TV-Sender, der sich in Libyen bewegt und filmt (und zwar nicht, weil Gaddafi es sich wünscht, sondern weil alles unternommen wurde, um dort zu sein und es wurde sowohl in Rebellengebieten wie auch in denen unter der Kontrolle der Zentralregierung gefilmt). Die Reporter berichteten sehr wohl über Angriffe und Morde von Regierungskräften an Oppositionellen. Aber sie konnten keine Spur und keine Beweise für Bombardements entdecken.

    3. Das angebliche Bombardement gegen die Zivilbevölkerung wurde sofort in einen Diskurs verwandelt "was der Westen tun muss", um ein "Massaker an der Zivilbevölkerung zu vermeiden". Die logische Konsequenz: Militärintervention. Daher wurden auch gleich massiv US-Truppen um Libyen stationiert. Der Diskurs erinnert an Argumentationen für den Afghanistan- und den Irak-Krieg (und in Ex-Jugoslawien ging es auch darum das "Abschlachten" der Zivilbevölkerung durch "die Serben" zu verhindern). Das ist aus westlicher Sicht verständlich. Jetzt, wo es doch unklar ist, ob Ägypten weiterhin den US-Vasallenstaat spielen wird, macht es sich ganz gut in der Region ein Land militärisch zu besetzen.

    4. Es sollte uns ferner stutzig machen, dass in keinem anderen Fall so schnell von Militärintervention die Rede gewesen ist, wie bei Libyen. Während in Ägypten Aktivisten von Übergriffen des Militärs, Verhaftungen und Folter sprachen und während die Repression in Tunesien weiterhin Opfer fordert - ganz zu schweigen von den unzähligen Massakern der vergangenen Jahre, um die sich der Westen gar nicht geschert hat - ist kein Wort aus der Politik und auch nicht in den regimetreuen Westmedien zu den Massakern in Sri Lanka zu vernehmen, wo die Armee nachweislich Zivilisten bombardiert hat und wo noch weiterhin zehntausende Menschen, nur weil sie Tamilen sind, in Lagern eingepfercht leben.
     
  10. #9 7. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    nun ja, die Fernsehbilder sind bezüglich der Frage, ob es Luftangriffe gibt, seeeehr eindeutig!
    Die Luftwaffe ist Gaddafis Bonus, dem die Rebellen nichts entgegenzusetzen haben, deshalb ja auch die Diskussion um die Flugverbotszone.
    Und was ich glaube: Die Nato zieht nicht ihre Truppen da unten zusammen, um die unverrichteter Dinge wieder heimzuschicken, die werden mit Sicherheit eingreifen, die Frage ist wie intensiv (man will kein 2. Afghanistan!).

    zu 1.: Naja, die Leute sind patriotisch, die "alte Königreichsflagge" symbolisiert ja nicht die Repression durch das Regime. Gaddafis Bilder werden ja öffentlich verbrannt.

    zu 3.: Lybien hat, was alle wollen: Öl. Kaum hörte das auf zu fließen gingen an der Tanke die Preise hoch, das ist ein Grund für die starke "Anteilnahme" der Nato.
    Allerdings bildete Lybien auch einen Schutzwall gegen Massen an afrikanischen Flüchtlichen, die in Europa Asyl bekämen (Bürgerkriege), und genau damit erpresst jetzt Gaddafi den Westen - mit unserer Asylpolitik. Interessant, oder? Ich denke, dass das noch vor dem Öl der Hauptgrund der Sorge um eine stabile pro-westliche Regierung in Lybien ist.

    Lg
     
  11. #10 8. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Parlamentsarmee! Deutsche Kriegsschiffe zurückpfeifen!

    Parlamentsarmee! Deutsche Kriegsschiffe zurückpfeifen! - trueten.de - Willkommen in unserem Blog!

    Geschrieben von Fritz Güdein Perspektive und Befreiung um 21:35

    Seit längerer Zeit liegen vor den Küsten Libyens neben Kriegsschiffen anderer Länder auch drei Exemplare der deutschen Marine. Angeblich musste das vor einer Woche höllisch schnell passieren - um Flüchtlinge zu befreien. Die Fraktionsvorsitzenden im Parlament wurden kurzatmig benachrichtigt. Hinweis der Regierung: Im Notfall darf man ohne Parlament eine Parlamentsarmee verheizen, wo man will. Vermutlich vergessen dabei der Zusatz: die Zustimmung des Bundestags baldmöglichst nacherbitten.

    Wie ganz einfache Überlegungen zeigen: in Tunesien landende Flugzeuge könnten in recht kurzer Zeit alle transportieren, die nach Ägypten oder in andere Gebiete zurückwollen. In der "Frankfurter Rundschau" vom 7.3.2011. findet sich eine winzige Notiz: "Drei Schiffe der deutschen Marine nahmen mehr als vierhundert Flüchtlinge an Bord. Laut Bundeswehr soll Alexandria demnächst erreicht werden." (FR S.2). Aktion als Ausrede!

    Das einzige und erste Mal. Mehrtägige Reise bis in die ägyptische Hafenstadt. Wie schnell und unauffällig hätte das per Flugzeug erledigt werden können. Dass die deutschen Kriegsschiffe mit so vielen andern zusammen vor der Küste Libyens herumlungern, hat natürlich ganz andere Gründe. Zum Zweck der massenhaften Schaumigrührung angeschlagener Seelen wird - wie schon so oft seit dem deutschen Kambodscha-Einsatz - das Karitative vorgeschoben. Wer hat denn ein so hartes Herz, pure Wohltätigkeit verbieten zu wollen?

    Zur gleichen Zeit werden die Nachrichtensendungen der öffentlichen Anstalten unverhohlene Kriegspropaganda. Irgenwelche Gruppen, die niemand kennt, sollen dringlich Durchsetzung von Flugverboten gefordert haben. Die Lüge, da würden wehrlose Stämme vom "Machthaber" massenhaft niedergeschlagen, lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten. Die Rebellen an und mit allerlei Waffen beweisen: es handelt sich um einen traditionellen Bürgerkrieg. Nur wird suggeriert, bei den Aufständischen handle es sich ausnahmlos um die "Guten". Der neue SPIEGEL entwirft für uns alle noch einmal das Bild einer brutalen Nero-Herrschaft Gaddafis seit Regierungsantritt.

    Die ersten gemischt deutsch-libyschen Demos sind zu erwarten, die heiser das Flugverbot eintreiben. Was der Begriff an Handlungsnotwendigkeiten wirklich enthält, soll dabei nicht allzu deutlich enthüllt werden. Flugverbot, darin stimmen alle überein, setzt gleichzeitigen Überfall auf alle Fughäfen voraus, um Gaddafis Piloten am Aufsteigen zu hindern. Zweckmäßig das schnelle Abschießen parkender Maschinen so schnell wie möglich. Also: KRIEG! In der Brutalform, wie wir sie aus dem Irak und aus Afghanistan (bei der Vorbereitung der Besetzung von Kabul) kennen lernen durften.

    Es ist damit zu rechnen, dass bei einer Abstimmung im Bundestag wie üblich das öligste Altgemüse aufgetischt wird - und die Pflicht "to protect" aus Fischers Marktangebot neu herausgekramt. Richtig zwar, dass die wirklichen Militärfachleute voraussehen, dass noch einmal ein Irak oder Afghanistan nicht leicht durchzusetzen sein wird. Sie werden trotzdem in ihr Unglück hineinstolpern. Mit dem schon etwas ausgeblichenen Erlöser Obama vornedran. Er wird sich im Verlauf der nächsten Woche seinem Vorgänger im Vernichtungswesen immer stärker angleichen. Verschämtere schreien nach einem UNO-Beschluss, beziehungsweise einem gewissenserleichternden Diktat des Sicherheitsrats. Da werden China und Russland vielleicht die letzten gedanklichen Reserven aufbieten und ihr Veto einlegen. Dann müssen wie in Jugoslawien das Menschenrecht und das Gewissen herhalten. Ungeheure Rülpser zur Entlastung der Bauchhöhle sind zu erwarten. Uralt-Eppler wird entsargt. Er wird mit ersterbender Stimme lallen, dass wir auf alle Fälle Unrecht tun. Aber beim Überfall auf Libyen ein bisschen weniger als beim "feigen Wegschauen". Und schon werden um der Menschenrechte willen Menschen massenhaft abgeknallt. Gott sei Dank weit weg!

    All das bei ungenauester Berichterstattung und reiflichem Verbrauch von Mythologie! Es wird Zeit, sich an den einschlägigen deutschen Flughäfen zu Demos zu sammeln. Nicht in der eitlen Hoffnung, Abflüge zu verhindern. Aber wenigstens mit der zu erhoffenden Wirkung, dass ein paar mehr Leute als jetzt mitbekommen, was in ihrem Namen geschieht. Schärfer: Wie unsere Regierung uns betrügt! Wie Merkel für ein halbes Jahr Aufschub das eigene Land ins Unglück treibt. Ein anderes dabei plattbombardiert.

    Aufschub vor dem doch unvermeidlichen Ende. Und wie eine Heerschar von Verblendeten ihr im Marschtritt folgen wird.
     
  12. #11 8. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Das mit der ach so mächtigen libyschen Luftwaffe glaube ich auch nicht. Anfangs gabs noch Berichte, dass gerade mal 24 Maschinen noch einsatzbereit unter Ghadafis Befehl stehen würden und die eigentlich und häufig mal absichtlich danebenschießen würden.

    Neuerdings wird das so berichtet, als ob tausendfach die Raketen bei den anständigen Rebellen einschlagen würden. Klar, haben die Rebellen Schiß davor, aber es wird hochgeschaukelt und glorifziert. Die Zeichen stehen schon längst auf Sturm und je länger und erfolgreicher sich Ghadafi noch hält, desto wahrscheinlicher scheint ein Eingreifen. Im Moment lassen wir natürlich erst mal die Rebellen die *******rbeit machen.

    Hinsichtlich Libyen haben mich die Posts schon interessiert, aber generell geht es ja um die Frage ob wir die Diktatoren nun nachhaltig hinweggefegt haben oder ob wir uns nun anderen genauso fragwürdigen und uns feindlicher gesonnereren Machtapparaten gegenüber sehen werden.
     
  13. #12 8. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Erstmal sind es nicht "WIR", sondern die Menschen in den jeweiligen Ländern, aber ich denke das meintest du auch.

    Desweiteren ist es ganz schwer diese Frage heute schon zu beantworten. Im Grunde genommen gibt es zwei Seiten, die eine prophezeit aus einer islamophoben Gesinnung heraus muslimische Gottesstaaten, die andere ruft zur Ruhe. Viele Experten sehen diese Gefahr von Gottesstaaten überhaupt nicht. Die Menschen werden sich nicht der einen Unterdrückung entledigen um sich dann der nächsten zu unterwerfen.

    Darüberhinaus beschränken sich diese Proteste nicht auf Nordafrika und den Nahen Osten. Südamerika, Asien und auch in weiter südlich gelegenen Staaten in Afrika gibt es erste Proteste (z.B. Angola). Jakob Zuma Präsident von Südafrika, hat bereits behauptet in seinem Land wäre dies nicht möglich. Auch der Herr täuscht sich gewaltig. Bei 50% Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze ist das eine gewagte Aussage. In Südamerika wird auch Kolumbien ein ähnliches Schicksal erfahren. Der ewig währende Bürgerkrieg, ständiges Morden durch Paramilitärs im Auftrag der Regierung, auch dort lebt der Grossteil der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, dies alles deutet auf eine un ruhige Zukunft hin. die Menschen scheinen langsam zu begreifen, was sie sich über viele Jahrzehnte haben gefallen lassen. Dies wird zwangsläufig dazu führen, dass die meisten alten politischen und gesellschaftlichen Strukturen zusammenbrechen werden und auch bei uns sit dies nicht ganz auszuschliessen, zumindest bewegen wir uns in grossen Schritten auf eine Katastrophe zu deren Ausmass leider nur ganz wenige Experten heute schon sehen, obwohl es offensichtlich ist.

    Vielleicht führt das alles zu dem von vielen Seiten erhofften Bewusstseinssprung, einem Sprung in der Evolution der Menschheit hin zu einem friedlichen Zusammenleben.

    Die Hoffnung stirbt zuletzt. ;)
     
  14. #13 8. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Ja, sorry, ich meinte natürlich auch die Menschen dort vor Ort. Ich bin sehr gespannt wer das Zepter in die Hand nehmen wird. Im Moment scheint noch alles offen, aber ich bin einer der Skeptiker. Wünschen würd ich es den Demokraten, und nicht solchen Schein-Demokraten wie sie hier regieren. Das wäre eine echte (willkommene) Überraschung für mich wenn sich da global was tun würde.

    Ein demokratisch weltoffenes nicht urgestein-geprägtes-islamistisches Afrika. Klingt immer noch nach Utopie. :D
     
  15. #14 8. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Ich würde sogar behaupten, dass der Begriff Demokratie weltweit neu definiert werden müsste, aber das würde momanetan zu weit führen.
     
  16. #15 9. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Ich sehe die nähere Entwicklung nicht so wie du, aber ich denke, der Ausgang wird bei beiden ähnlich sein.

    Ich denke, besonders im Fall Ägyptens wird eine beständige Demokratie nicht leicht durchzusetzen sein, da das Land keine säkuläre Identität besitzt. Es wird zunächst wohl einen verwestlichten Präsidenten geben, mit Draht nach Washington. Früher oder später wird aber der Islam die Antwort sein. Das wird dann womöglich nicht so radikal sein, wie im Iran, aber für Israel oder auch andere Staaten könnte das zwar bei weitem nicht mit Gewissheit, aber dennoch möglicherweise ungemütlich werden. Kriege brechen aus den gleichen demographischen Gründen aus, welche auch die Dynamik der Revolutionen ausmachen.

    Eine stärker islamisch geprägte arabische Welt - keineswegs im negativen Sinne - wird dann weniger dazu neigen, sich den globalen Polizeistaatsabkommen anzuschließen. Somit wird die Herausnahme eines weiteren Teils der Welt aus der Kontrollzone zwar die Neue Weltordnung nicht mich höchster Wahrscheinlichkeit zerstören, dessen Wucherung aber gewiss verlangsamen.

    Die Frage ist, wieviel fruchtbaren Boden die Jasmin Revolution nicht nur in den arabischen Ländern sondern auch sonstwo in den Köpfen der Menschen gefunden hat.
     
  17. #16 16. März 2011
  18. #17 16. März 2011
    AW: Wer regiert nun in den "befreiten" afrikanischen Staaten?

    Was nochmal eindeutig zeigt wem er zugeneigt ist und das er pro Westen ist.
     

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