Wissenschaftler: Lithium ins Trinkwasser um Suizidrate zu senken

Artikel von Carla Columna am 13. August 2020 um 19:16 Uhr im Forum Wissenschaft & Forschung - Kategorie: Wissenschaft

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Wissenschaftler: Lithium ins Trinkwasser um Suizidrate zu senken

13. August 2020     Kategorie: Wissenschaft
Ein Team von britischen Wissenschaftlern hat einen provokativen Plan zur Selbstmordprävention: Trinkwasserversorgung mit dem Psychopharmakon Lithium, das häufig als Stimmungsstabilisator verschrieben wird. Auf den ersten Blick klingt es nach einer tiefgreifenden medizinischen Übertreibung. Vice berichtet jedoch, dass die Idee in wissenschaftlichen Kreisen in letzter Zeit an Fahrt gewonnen hat.

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Es ist auch erwähnenswert, dass ein Teil des Wassers von Natur aus bereits geringe Mengen an Lithium enthält. In einer Studie, die letzte Woche im British Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde, identifizierten Wissenschaftler einer Kohorte britischer Universitäten einen Zusammenhang zwischen natürlich vorhandenem Lithium und niedrigeren Selbstmordraten.

In Psychiatrie werden die Patienten mit rund 200 Milligramm Lithium pro Tag behandelt. Die Dosis liegt somit rund 10.000 Mal so hoch wie die Aufnahme durch das normale Leitungswasser. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit aber schon Untersuchungen, die bereits ab 400 Mikrogramm eine positive Wirkung nachwiesen. Die nun vorgelegten Ergebnisse zeigen, dass dieser Wert sogar noch einmal etwas niedriger liegen könnte.

Sie schlagen daher vor, dass mehr Leben gerettet werden könnten, wenn das Medikament in die Wasserversorgung von Hochrisiko-Gebieten gegeben wird - ggf. die in welchen natürlich sehr wenig Lithium im Grundwasser/Trinkwasser vorkommt.

"In diesen beispiellosen Zeiten der COVID-19-Pandemie und der damit verbundenen Zunahme der Häufigkeit psychischer Erkrankungen ist es immer wichtiger, Wege zur Verbesserung der psychischen Gesundheit in der Gesellschaft und zur Verringerung der Häufigkeit von Angstzuständen, Depressionen und Selbstmord zu finden", so Anjum Memon, Hauptautor und Epidemiologie-Lehrstuhl an der Brighton and Sussex Medical School - in einer Pressemitteilung.

Der einzige Weg, diese Idee weiter zu testen, führt in äußerst heikles Gebiet. Die Durchführung von „randomisierten Gemeinschaftsstudien“ wären nötig um die Wirkung nachzuweisen. Um einen Placebo-Effekt zu vermeiden müsste dies zudem im besten Fall geschehen, ohne dass die Einwohner darüber informiert werden. So würde "geheim" Lithium in einigen Gemeinden mit einer hohen Rate an psychischen Erkrankungen oder Selbstmordtoten in die Wasserversorgung eingespeist um die positive Wirkung zu testen.

Ein solches Vorgehen muss aber zunächst unter ethischen Gesichtspunkten genau geprüft werden.

Quelle: Scientists Say Lithium Should Be Added to Drinking Water to Prevent Suicides
 

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