WTI: US-Öl Gratis, die Hyper-Deflation kommt ins rollen

Artikel von raid-rush am 20. April 2020 um 22:34 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung - Kategorie: Wirtschaft

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WTI: US-Öl Gratis, die Hyper-Deflation kommt ins rollen

20. April 2020     Kategorie: Wirtschaft
Immer wieder liest man von Menschen die Angst um ihr Geld haben und glauben, das die Geldflut zu einer Inflation führt. Doch so einfach ist das ganze nicht. Von vergangenen (z.B. 1929 und 2009) Crashs wissen wir, dass diese zu einer Deflation führen. Doch warum ist das so?
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Der Ölpreis als Beispiel zeigt das ganz gut. Der Konsum/Verbrauch ist rückläufig und damit sinkt die Nachfrage, die Produktion bleibt aber gleich und damit fällt auch der Preis. Das zieht sich durch alle Bereiche nach dem selbem Schema.
Das gab es so nur sehr selten, das eine Krise aufgrund eines Überangebotes entsteht und zu wenig Konsumiert wird. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, werden Steuern gesenkt, die Händler senken die Preise um überhaupt genug zu verkaufen, um die Kosten zu decken, so gibt es Rabattschlachten. Dazu kommen noch baldige Subventionen durch die Regierungen, welche die Bevölkerung wieder zum kaufen animieren wollen.

Viele haben zu recht Angst um ihren Job und die Zukunft, deshalb geht der Konsum zurück und man spart sein Geld, dass ist logisch und naheliegend. Auf der produzierenden Seite hingegen, hat man die Möglichkeit sehr schnell viel und günstig herzustellen, doch das wird gar nicht benötigt da die Lager noch voll sind und die Nachfrage gering. (Lediglich einige Panik-Artikel, wie haltbare Lebensmittel und Klopapier werden wohl kurzfristig gefragt sein, aber spätestens in einigen Wochen ist auch hier die Nachfrage normalisiert, denn es wird nicht mehr verbraucht als vorher und die heimischen Hamster-Lager sind dann alle gefüllt.)

Wir stehen also am Anfang einer Deflation, welche sich durch die Geldschwemme nur bedingt abmildern lässt. Einmaliges Helikopter Geld würde nicht ausreichen um etwas daran zu ändern, denn Geld ist noch vorhanden nur der Anreiz jetzt etwas zu kaufen nicht. Das Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit ist jetzt groß, daher werden Rücklagen gebildet und auf "unnötige" Anschaffungen verzichtet. Nur in unserer Konsumwirtschaft sind wohl die meisten Dinge "unnötig". Um diesen überflüssigen Konsum wieder in Gang zu bringen, muss eine finanzielle Sicherheit geboten werden, die wohl nur über einen sicheren Arbeitsplatz oder Grundeinkommen gewährleistet würde. Da ersteres wohl durchaus ein Problem werden kann, was man vor allem an Südeuropa und USA sieht, mit Millionen von Arbeitslosen, bleibt nicht mehr viel Auswahl.

Grundeinkommen gegen Deflation?
Ich persönlich halte von Grundeinkommen (ohne weitere Maßnahmen zur Nachhaltigkeit) das rein der Konsumstabilisierung dienen soll nichts. Weil das nicht Nachhaltig ist und die Umweltzerstörung quasi noch befeuert. Meiner Ansicht nach ist der Konsumrückgang eher zu begrüßen und man sollte den Menschen eher klar machen, dass es keine Normalität wie vorher geben wird, denn die neue Normalität wird eine völlig andere sein.

Um die alte Normalität ist's nicht schade
Die Vorsicht und Hygienemaßnahmen wie Schutzmasken und Abstand werden uns meiner Ansicht nach noch viele Jahre begleiten, denn ich gehe nicht davon aus, dass wir in absehbarer Zeit einen funktionalen Impfstoff entwickeln können und wenn dann nur einen der jedes Jahr neu aufgefrischt werden müsste. Zumal die richtigen und großen Herausforderungen noch erst nach der Pandemie anstehen. Denn die Ökosysteme und der Klimawandel sind deutlich größere Probleme, deren Folgen weit langfristiger und gravierender sind.

WTI schreibt Geschichte
Ein sehr deutliches Beispiel für die Deflation ist der US-Ölpreis (Sortenbezeichnung WTI), welcher zeitweise um über 300% gefallen ist und negativ gehandelt wurde, was bisher noch nie der Fall war seit es Rohöl gibt. Der 20.April.2020 geht also in die Geschichte ein, nicht nur der 131 Geburtstag von Adolf.


Hyper-Deflation möglich
Jeder der Öl kauft, bekommt es nicht nur Gratis sondern noch Geld gezahlt, das hat es so noch nie gegeben.

Meiner Vermutung nach befinden wir uns jetzt schon im Bereich der sinkenden Preisspirale, welche wohl mindestens ein Jahr andauern wird. Ich könnte mir eine Deflation im Bereich von bis zu -10% vorstellen. Denn auch Mieten werden nicht mehr steigen und Strom wird billiger. Da auch beim Strom momentan ein Überangebot vorhanden ist. Und Energie ist auch ein Hauptfaktor für alle Produktpreise.


Gold und Öl widersprechen sich, wer hat recht?
Wer also jetzt glaubt Gold kaufen zu müssen weil er eine Inflation befürchtet, der wird sich über die immensen Aufschläge, die er jetzt bezahlt sehr ärgern. Besser wäre es wohl einen Öl-Tanker zu chartern und diesen voll zu tanken und herumfahren zu lassen. Selbst wenn er untergeht, und das Öl weg ist, hat man noch Geld verdient

In der "Great Depression" von 1929 machte die Deflation auch nicht vor Immobilien und Edelmetallen halt, so brachen beide Preise um über 50% ein. Es bleibt zu hoffen, dass die Goldpreise stabil bleiben, denn diese sind ein Indikator für die reale zukünftige Wirtschaftslage.
Denn meist wenn der Realzins hoch war, sank Gold und umgekehrt, wenn der Realzins sank stieg der Goldpreis. Durch eine Deflation, also negative Inflation, steigt der "Realzins", da man trotz Null-Zinsen, über die Zeit an Kaufkraft gewinnt - durch sinkende Verbraucherpreise.
Wer recht hat, Öl oder Gold, wird sich erst in einigen Monaten zeigen.


Inflation für Nachhaltigkeit
Eine Inflation bräuchte es in Zukunft vor allem im Bereich der tierischen Nahrungsmittel, da diese aufgrund des Klimawandels und der resultierenden Missernten, sowie den Umweltschäden durch die Massentierhaltung, nicht mehr tragbar sind.
Bis die Geldflut und das Klima zuschlagen, wir man wohl auf eine allgemeine Teuerung noch warten müssen.

Mein Fazit:
Mit dem Coronavirus haben wir endlich ein sehr geeignetes Werkzeug um auch die nötigen Veränderungen gegen die Unvernunft durchzusetzen.

Der Schock ist vorbei und die Naivität kehrt zurück? Autsch.
 

Kommentare

#2 22. April 2020
Da ich keine Ahnung von Wirtschaft habe, kann ich nur gerenisch hinzufügen: Krisen sind Chancen.
 
#3 23. April 2020
Völlig richtig, eine Chance die man nutzen muss da sonst die nächste Krise doppelt so hart zuschlagen wird. Aber wir wissen ja aus der Vergangenheit, das Menschen faul und dumm sind und eben nichts aus Chancen machen und auf die Vergangenheit pfeifen.

Letztendlich schrammt die jetzige "Hochkultur" Haar scharf am Untergang entlang. Es scheint so als würde alles gerade wieder "besser" und die Menschen haben den Schock überwunden und denken, das wird schon alles wieder, gehen wieder raus und treffen sich mit anderen...

Der Virus ist unsichtbar und schleichend. Jetzt feiern wir noch einen Rückgang der Infektionen und sind über-motiviert, doch in zwei Wochen zeigt sich erst ob das noch im Rahmen ist oder ob es entgleist.

Schauen wir uns die USA an, die stehen vor dem Untergang, entweder die Dummheit der Bürger schlägt zu oder das Virus macht sie platt. Die USA und deren freie Dummheit zeigt wie fragil das hochverschuldete Irrenhaus ist. Sie werden dafür bezahlen müssen günstigsten Falls mit ihrem Leben.


Die Menschen sind es nicht gewohnt, auszuhalten, sie sehen die Gefahr nicht und sind den Luxus der Freiheit gewöhnt. Sie erkennen nicht, dass wir vor dem Scheideweg stehen, der bedeutet entweder wir schaffen es in eine nachhaltigere und entbehrungsreichere Zukunft oder der komplette Zusammenbruch ist nahe und der bedeutet Zustände wie in Syrien für die nächsten 30 Jahre.

Es ist zu Fiktiv als das sich die komplexe Dynamik der globalisierten Wirtschaft fassen lässt ebenso wenig wie die heftige Kraft des Klimawandels der nicht 100 Jahre dauert, sondern der jetzt am "kippen" ist und ab einem gewissem Zeitpunkt schlagartig zunimmt, innerhalb weniger Jahre!

Die Bequemlichkeit und Naivität der Bevölkerung welche durch die Demokratie an die Regierung getragen wird, führt dazu, dass wir eine Massenvernichtung entfachen deren Ausmaß unvorstellbar ist.

Es ist ungewiss, ob es einen wirksamen Impfstoff geben wird! Schon die Immunisierung nach einer normalen CoV2 Infektion ist nicht geklärt und unsicher, ein Impfstoff leistet meist nur einen Bruchteil einer solchen Immunität. Ich würde also keine falschen Hoffnungen verbreiten, wenn nicht sicher ist, ob wir einen Impfstoff im Juni.2021 haben oder erst 2024.

Ganz klar heißt es Durchhalten und nicht locker lassen, nur die Geduld und der Fleiß den Abstand zu halten, werden zum Erfolg führen. Alle anderen Wege führen in den Abgrund.

Masken sind da wichtig, wo der Abstand von 2 Metern nicht 100% sicher eingehalten werden kann. Eine Pflicht ist wichtig, weil viele Menschen dumm und naiv sind. Normal reicht der ABSTAND in den meisten Situationen aus. Aber eben nicht in allen.
Wichtiger als die Masken ist die Kontaktvermeidung! Und das muss durchgehalten werden, wenn es sein muss eben 5 Jahre lang.
 
#4 11. Mai 2020
Tagesaktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Aktivität in Deutschland legen nahe, dass sich die deutsche Wirtschaft gefangen hat. Der während der Phase des harten Lockdown zu verzeichnende freie Fall ist gestoppt. Deutschland operiert zwar weiter deutlich unter dem Normalniveau, aber die Situation verschlechtert sich derzeit nicht weiter. Ähnliches ist aus den Krisenländern Italien und Spanien zu berichten. Daten zum Stromverbrauch, zum Frachtkaufkommen und zu Passantenfrequenzen in Innenstädten legen diese Schlussfolgerungen nahe. Im internationalen Handel ist die Situation besonders besorgniserregend. Hier ist noch keine Bodenbildung abzusehen. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dies, dass die Lage zwar dramatisch ist, es aber nicht zu einem weiteren Abrutschen kommen dürfte.

Aus vergangenen Zeiten schwacher Konjunkturentwicklung ist bekannt, dass dies eine wichtige Stellgröße für die Branche ist, um mit gesunkener Nachfrage umzugehen. Zudem zeigen sich im Schiffsverkehr nur die Mengen im internationalen Handel, nicht über den Wert der transportierten Waren. Es ist damit zu rechnen, dass es bei vielen Gütern einen erheblichen Preisverfall gibt, der den Wert des internationalen Handels noch einmal massiv schmälert.

Q: https://www.ifw-kiel.de/fileadmin/D...Brief/Spezial/KPB_Spezial_Corona_Update-2.pdf

Immer wieder liest man selbst auf vermeintlichen "Wirtschaft Journalen" dass eine erhebliche Inflation kommt... darauf kann man noch warten oder eher hoffen. Die Inflation wäre ein sehr gutes Zeichen, das bedeutet das die Nachfrage wieder steigt und die Wirtschaft wachsen könnte. Keine Inflation, bedeutet kein Wachstum sondern Rezession.

Nächste Woche geht die Berichtsaison weiter, der Rebound an den Aktienmärkten ist schön aber vermutlich nicht sehr stabil. Ich für meinen Teil, halte die Lage für zu unvorhersehbar und werde mich von sehr vielen Positionen insbesonderen ETF trennen, da diese zu unspezifisch und breit Investiert sind, ggf in Brachen die keine Zukunft mehr haben.

Mein Bauchgefühl sagt, besser Heute verkaufen als Morgen.
 
#5 12. Mai 2020
US-Inflation: Stärkster Monatsrückgang seit Dezember 2008

Auf das Jahr hochgerechnet fiel der Verbraucherpreisindex von 1,5 Prozent zuvor auf 0,3 Prozent. Der Wert wurde von Experten im Vorfeld auf 0,4 Prozent geschätzt.
"Da die Nachfrage nach wie vor außerordentlich schwach ist, erwarten wir für die kommenden Monate weitere Rückgänge", so Michael Pearce, US-Ökonom bei Capital Economics.

Die Kernrate (Kerninflation), die die volatile Komponenten wie Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, sank auf monatlicher Basis um 0,4 Prozent. Es war der größte Monatsrückgang seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 1957.

Die Hoffnung der Politiker ist, dass die Inflation wieder steigt, denn das wäre ein Zeichen für wachsende Nachfrage und ist Grundlage für steigende Produktion welche Arbeitsplätze schafft.
So versucht man die Märkte mit einer Inflations-Hoffnungen etwas optimistischer zu stimmen. Denn die Deflation geht einher mit Rezession, so lange diese anhält, ist kein Wachstum mehr zu erwarten.

Mittlerweile versucht die Politik den Spagat zwischen der Vermittlung von Vorsicht und gleichzeitig Verminderung der Angst. Die Leute sollen quasi Konsumieren aber gleichzeitig Kontakte vermeiden und Abstände einhalten um die Ansteckung zu verhindern. Es ist ein ganz ganz enge Fahrt am Abgrund. Gehen die Infektionen zu stark hoch, bricht das der Wirtschaft das Genick, haben die Leute aber zu viel Angst, schwächelt die Wirtschaft auch weil die Konsumlaune im Keller bleibt.

Eines ist schon sicher, die 10 Millionen die jetzt in Kurzarbeit sind, werden zum Großteil ihre Arbeit verlieren. Und das ist erst der Anfang, denn während wie im Vorpost erwähnt, die Deutsche Binnenwirtschaft sich an der Bodenbildung annähert, ist die Weltwirtschaft noch in einem dynamischem Abschwung.

Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 10% Schrumpft und in den Folgejahren jeweils 3% und 2%, ein Wirtschaftswachstum wird es meiner Einschätzung frühestens 2023 geben und bis dahin wird die Inflation auch negativ oder sehr gering bleiben.