xRapid: Verkommt SWIFT durch Ripple zur Fußnote?

Artikel von Fabiane Herbst am 26. September 2018 um 16:29 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung - Kategorie: IT & Sicherheit

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xRapid: Verkommt SWIFT durch Ripple zur Fußnote?

26. September 2018     Kategorie: IT & Sicherheit
Ripple ist nicht angetreten, um das Ende des Fiatgelds zu besiegeln. Vielmehr sieht sich das in San Francisco ansässige Start-up als Partner der klassischen Finanzwelt. Auf Gegenliebe stößt der Bitcoin der Banken dennoch längst nicht. Namentlich SWIFT hat allen Grund zur Sorge, nachdem Ripples xRapid bereits im kommenden Monat am Start sein dürfte. Das innovative Produkt verspricht, grenzüberschreitende Transaktionen billiger, effizienter und einfacher zu machen.

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Quelle: Ripple-Guide auf Twitter


Blitzschnelle Überweisungen auf XRP-Basis


Bereits zur Stunde halten 120 Banken große Stücke auf Ripple und bedienen sich des Transaktionssystems xCurrent. Dieses vereinfacht die Buchhaltung und erlaubt eine beschleunigte Abwicklung von Transaktionen. Während allerdings bisher mit den üblichen Landeswährungen gearbeitet wurde, basiert xRapid auf der von Ripple entwickelten Kryptowährung XRP. Von ihrer Brückenfunktion zwischen zwei Währungen profitieren namentlich die Finanzinstitute der Schwellenländer, nachdem die bisher unabdingbare Vorfinanzierung der internationalen Transaktion in der jeweiligen Landeswährung fortan flachfällt. Hat es eine Bank mithin beispielsweise mit US-Dollar und indischen Rupien zu tun, genügt es vollauf, den Dollarbetrag in XRP-Token auszuweisen und zu transferieren. Am Bestimmungsort werden die XRP-Token schlicht und einfach in indische Rupien umgewandelt. Ripple-Chef Brad Garlinghouse ist überzeugt, das xRapid Ende 2019 in Dutzenden von Banken im Einsatz sein wird.



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Quelle: Recode auf Twitter


Ethereums Marktposition ernsthaft gefährdet


Naturgemäß verrät ein Blick auf den Kryptorechner die Auswirkung des Produktlaunchs auf den Ripple-Kurs. Einerlei ob Kraken, Bitstamp, Bitlish, CEX.IO oder The Rock Trading der bevorzugte Handelsplatz ist, der aktuelle wie historische Vergleich lässt keinen Zweifel am Kursfeuerwerk, das die Ankündigung von xRapid in den vergangenen Tagen entfacht hat. So stieg der Kurs in der Woche vom 17. bis 21. September 2018 um 108 % von 0,2709 USD auf 0,5634 USD. Nach diesem explosiven Wachstum hat sich der Kurs jedoch wieder etwas niedriger eingependelt.



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Jay Dupuis auf Twitter


Auch wenn Ripple damit vom 52-Wochen-Hoch von 3,3153 USD (4. Januar 2018) weit entfernt ist, hat die Kryptowährung am Freitag, dem 21. September 2018, mit einer Marktkapitalisierung von 30 Milliarden USD kurzfristig Ethereum als zweitgrößte Kryptowährung abgelöst. Inzwischen sind die alten Machtverhältnisse wieder hergestellt, obzwar Ethereum mit einer Marktkapitalisierung von 23,3 Milliarden USD Welten von den 116 Milliarden USD der Kryptoleitwährung Bitcoin trennen. Allzu hohe Erwartungen sind aber ohnehin unangebracht, nachdem der Krypto-Crash der Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen ein Minus von 650 Milliarden USD beschert hat, was einem Rückgang von 80 Prozent gemessen am Allzeithoch im Januar 2018 entspricht.


SWIFT ungleich mächtiger als Ripple


An sich kann sich die Liste der Geschäftspartner von Ripple sehen lassen. Immerhin unterhält das FinTech Geschäftsbeziehungen mit Branchenriesen wie UniCredit, Merrill Lynch, der Santander Bank oder der Bank of America. Doch gerade mal 10 Finanzinstitute haben xRapid gegenwärtig im Programm. Während Cambridge Global Payments, IDT Corporation, Currencies Direct, Western Union, Viamericas Corporation, MoneyGram und Mercury FX xRapid intensiv testen, finden bei Cuallix, SBI Virtual Currencies und Zip Remit in der Tat bereits Zahlungen über xRapid statt. Gemessen an den 15 Millionen Transaktionen, die täglich für mehr als 11.000 Finanzinstitute in gut 200 Ländern der Welt über SWIFT laufen, sieht Ripple freilich alt aus. Hinzu kommt, dass sich SWIFT mit der Global Payments Innovation Initiative sichtlich weiterentwickelt. Kampflos wird SWIFT von daher das Feld Ripple unter Garantie nicht überlassen.


Hannes Cizek, Digitalbanking-Chef der Raiffeisenbank International, hält Ripple gar nur für einen künstlichen Wert und sieht von daher den Neuling nicht als ernsthafte Konkurrenz des etablierten Dienstleisters SWIFT. Das Potenzial der Blockchain-Technologie stellt er aber gleichzeitig nicht in Abrede. Nicht von ungefähr hat sich die RBI als erstes österreichisches Institut dem R3-Konsortium angeschlossen. In einem trägen wie überregulierten Bankensystem tun sich Innovationen aber auch seit alters schwer. Noch behauptet SWIFT mit mehr als der Hälfte aller weltweiten grenzüberschreitenden Zahlungen unstreitig das Feld. Start-ups wie TransferGo, die in Canary Wharf ansässige digitale Überweisungslösung für Arbeitsmigranten, zeigen aber, dass Obacht geboten ist. Immerhin hat TransferGo erst unlängst am 5. September 2018 mit der Meldung aufhorchen lassen, dass für die Kunden in Indien Überweisungen mit Ripple in alle Teile Europas ab sofort drin sind. Eine schnelllebige Zeit, die Verzögerungen im Geldtransfer nicht duldet, räumt xRapid gute Marktchancen ein. Und sollte SWIFT auch weiterhin Zweifel am Potenzial der Distributed-Ledger-Technologie haben, ist wahrlich nicht auszuschließen, dass der Marktführer à la longue entthront wird.
 

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