Es brummt nicht mehr - das dramatische Insektensterben in Deutschland

Artikel von Tommy Weber am 20. Oktober 2017 um 08:28 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Wissenschaft

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Es brummt nicht mehr - das dramatische Insektensterben in Deutschland

20. Oktober 2017   Tommy Weber   Kategorie: Wissenschaft
„Karl der Käfer wurde nicht gefragt, man hatte ihn einfach fortgejagt“, sang die Gruppe „Gänsehaut“ 1983 und landete damit einen Hit. Dass die Botschaft 34 Jahre später noch immer aktuell sein würde, damit konnte keiner rechnen. Damals als grüne Spinnerei abgetan, ist daraus heute bitterer Ernst geworden, denn es brummt und summt kaum noch. Eine neue Studie zeigt jetzt das dramatische Ausmaß des Insektensterbens in Deutschland.

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Die Studie

27 Jahre hat der Entomologische Verein Krefeld an 63 Standorten in Naturschutzgebieten die Insektenpopulation erforscht und Insekten gefangen. Das Ergebnis aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz ist erschreckend: Die Zahl der fliegenden Insekten ist um 75 Prozent, in einigen Regionen sogar um 80 Prozent zurückgegangen. Nach Ansicht der Forscher ist das ein echter Albtraum, denn Insekten spielen in einem Ökosystem eine entscheidende Rolle. Weniger Bienen, Wespen, Hummeln und Schmetterlinge bedeutet: Das empfindliche Ökosystem wird gestört, denn einen Ersatz für diese so wichtigen Insekten gibt es nicht.

Wer hat Schuld am Insektensterben?

Warum fliegen immer weniger Insekten? Das Wetter ist nicht schuld, auch wenn viele das immer wieder gerne behaupten. Die Wissenschaftler machen vor allem die Landwirtschaft für das Insektensterben verantwortlich. Es ist die stetige Zunahme von Äckern, die enorme Belastung durch Stickstoff und die intensive Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen. Den Feldern fehlen zunehmend die Randstreifen, in denen die Insekten früher ihr Zuhause hatten. Die Äcker sind zu einer „ökologischen Falle“ geworden, an deren schmalen Rändern die Insekten nicht mehr überleben können.

Was muss sich ändern?

Weniger Pestizide sind die Lösung und es muss wieder mehr Blühstreifen geben. Mehr Naturschutzgebiete und kleinere Ackerflächen sind dringend notwendig, damit die Insekten sich wieder heimisch fühlen können. Vor allem muss die Überdüngung in der Landwirtschaft aufhören, denn sonst gehen noch mehr artenreiche Ökosysteme in Deutschland verloren. Die Hälfte aller Pflanzen, die auf der sogenannten „Roten Liste“ stehen, sind von zu viel Stickstoff massiv bedroht. Die Gräser und Pflanzen, die mit dem Stickstoff gut zurechtkommen, wuchern hingegen und verdrängen die Insekten, die keine Futterpflanzen mehr finden. Ändern muss sich auch die Menge an Pestiziden, die leider nicht nur die Schädlinge, sondern alle Insekten gleichermaßen treffen.

Keine Monokulturen mehr

Der Anbau von Monokulturen ist ein weiterer Schuldiger, der für das Sterben der Insekten verantwortlich ist. In einer Ackerlandschaft, in der es keine Kräuter, keine Blühstreifen und keine Hecken mehr gibt, finden die Insekten keine Nahrung und auch keinen Lebensraum mehr. Das Wetter selbst hat wohl keinen allzu großen Einfluss auf das Insektensterben, jedoch trägt der Klimawandel ebenfalls eine Mitschuld. Der Klimawandel führt dazu, dass viele für Insekten wichtige Pflanzen heute viel früher blühen. Dieses zu frühe Erblühen bringt den Lebensrhythmus vieler Insekten vollkommen durcheinander. Bei einigen Schmetterlingsarten steuert zum Beispiel die Länge des Tageslichts, wann sie aus dem Winterschlaf aufwachen. Sind zu diesem Zeitpunkt die Pflanzen bereits verblüht, dann finden diese Schmetterlinge keine Nahrung mehr.

Parasiten und verlorener Lebensraum

Es gibt allerdings auch Insekten, die vom Klimawandel profitieren. Diese Insekten sind Parasiten, die sich besonders stark vermehren, wenn die Winter zu mild sind. Sie machen den Insekten schwer zu schaffen, da sie ihnen die Nahrung wegfressen. Ein weiteres Problem ist, dass immer mehr natürlicher Lebensraum für Insekten verloren geht. In den vergangenen Jahren sind überall neue Siedlungen und Gewerbefläche entstanden. Alleine 2014 gab es 69 Hektar Versiegelungen pro Tag und dieser Lebensraum geht für die Insekten unwiederbringlich verloren. Dazu kommen die Gefahren durch invasive Insekten wie den asiatischen Marienkäfer, der dem einheimischen Marienkäfer mehr und mehr Konkurrenz macht.

Wo es keine Insekten mehr gibt, da gibt es bald auch keine Vögel mehr. Viele Vogelarten sind schon jetzt stark dezimiert und es bahnt sich ein weiteres Drama an, das der Mensch verschuldet hat.

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Bildquelle: © Depositphotos.com / dreamcreation01
 

Kommentare

#2 20. Oktober 2017
Das Insektensterben ist nicht auf Deutschland beschränkt, fast in allen Gegenden der Welt wo intensive Landwirtschaft betrieben wird ist ein Rückgang zu sehen. Allerdings besonders stark in Ländern die Hirnverbrannte Energiepflanzen in Monokultur anbauen, allen voran Deutschland wo jeder Zentimeter bewirtschaftet wird.

Eine intensive Diskussion dazu gibt es schon in folgendem Thread:
Dummokratie: Insektenvielfalt stirbt rapide wie die Zukunft
 
#3 20. Oktober 2017
Ich habe ein Bereich im Garten wo alles wild wuchert und da war dieses Jahr haufenweise Insekten. :) Wir müssen einfach nur wieder mehr wild wuchern lassen.
 
m00pd00p und raid-rush gefällt das.
#4 26. Oktober 2017
Sprich: Die Grünen und ihr EEG sind Schuld am Insektensterben?
 
#5 26. Oktober 2017
Zuletzt bearbeitet: 26. Oktober 2017
Jup unter anderem ist eine dümmliche Ökopolitik die Folge von Biosprit/Biogas, allerdings nicht direkt von den Grünen sondern die Union hat das liebeugelnt eingefädelt um ihre CO2 Ziele mit dreckigste Schummlerei zu erreichen.

Dabei ist der heimische Mist nicht alles, wir kaufen Palmöl und fördern Brandrodung für Biosprit. Aber es kommt auch keiner auf die Idee da irgend etwa zu ändern.... läuft ja.

Es ist 1000 mal effizienter und ökologischer Diesel zu verbrennen als so ein Hirnverbrannter Mist. Wenn man Umwelt schützen wenn und ökologisch und Nachhaltige Politik machen will muss alles durchdacht werden... aber in der Realität ist das einfach die Demokratieshow zeig dem Bürger nur das was er sehen soll und lass die schlechten Seiten einfach im Schatten.

Oder sind unsere Politiker wirklich so schwach im Kopf? Ich glaube teilweise mittlerweile, dass sie so manipulierbar sind durch Lobbys, dass sie selbst überhaupt nichts entscheiden können weil ihnen die Intelligenz fehlt die Folgen durch zu denken.
Daher kann ich denen auch keine Böswilligkeit unterstellen, sie wissen es schlicht nicht besser und sind zu feige und stolz Fehler einzugestehen oder rückgängig zu machen, weil das in der Politik ja immer sofort mit Rücktritt bestraft wird. Für den normalen Bürger würde so ein Handeln mit langer Haftstrafe ausgehen.

Ein sofortiges Verbot von Energiepflanzen Anbau wäre das einzig vernünftige. Und wird sich was tun?

Gibt genug Alternativen um CO2 einzusparen um andere Länder mit dem "Fortschritt" zu erpressen... Studie: Umweltbilanz von Elektroautos ist durchwegs besser als bei Dieselfahrzeugen
 
#6 26. Oktober 2017


Eingeführt 2000 durch Rot-Grün und ihren Spinnern wie Scheer. Nutzlos wie Dreck die PV Förderung und Biomasse.
 
#7 27. Oktober 2017
Die PV Förderung war zu hoch aber generell ok, denn zu Beginn waren viele deutsche Unternehmen an der Branche beteiligt und in Richtung Marktführer. Man wusste ja das der Druck aus China wächst, nur dummerweise wurde dann genau im falschen Zeitpunkt die Förderung eingestampft was natürlich zu einer Pleitewelle führte.

Die Politiker haben als doppelt Mist gebaut und das Parteiübergreifend.

Das Biomasse gefördert wird ist tatsächlich absolut Hirnverbrannt.

Dennoch hat die Regierung der Folgejahre besonders an der Biomasse festgehalten und die Förderung für Investoren aufrecht erhalten. Seit da ein Grüner was zu melden hatte sind 4 Wahlperioden vergangen. Die ganze Entwicklung der letzten Jahre lief also unter Schwarz+Gelb oder GroKo.

Generell Biogas ist ok, WENN es auch wirklich durch Abfälle betrieben wird und nicht durch aufwendig angebaute Monokulturen - aber logisch - ohne das, läuft die Anlage nicht wirklich gut, das heißt die Technologie ist unbrauchbar.
 
#8 27. Oktober 2017
Habe auch einen Haufen Wildbienen und Schmetterlinge erlebt, als ich etwas verspätet den "Rasen" bei Oma gemäht habe. Leider ist wuchern lassen dort keine Option, aber im Vergleich zum perfekten englischen Rasen der Nachbarn, sieht's bei uns aus wie bei Hempels. ;-)
Im Größeren ist das auch Möglich - günstige Wiederaufbereitung von Regenwald mit Abfällen: A Juice Company Dumped Orange Peels in a National Park. Here’s What it Looks Like Now
 
#9 27. Oktober 2017
Du meinst also diese tolle und super Wettbewerbsfähige Industrie war also komplett abhängig von Subventionen? Und wegen der pösen Politiker ist sie jetzt tot, komischerweise lebt sie in China immer noch?
Die Hälfte der Unternehmen war bereits Pleite als die Streichung der Subventionen kam. Die Streichung hat dann sogar dazu geführt dass es einen Auftragsboom gab und einige bereits tote Firmen noch Aufträge erhalten haben.
 
#10 27. Oktober 2017
Jup China hat dann selber hoch Subventioniert und den Dolchstoß vollzogen während unsere Schnarchzapfen in die Sonne starrten.

Das bei solchen Technologie Neuerungen viele Pleiten dabei sind ist natürlich, denken wir an Mobilfunk... es geht darum dennoch die vom Markt ausgesiebten zu schützen vor Angriffen aus dem Ausland. Während wir auf den Markt hoffen, nimmt China das selbst in die Hand und nutzt unsere Naivität aus um selbst Marktführer zu werden in vielen Bereichen und trotz des Umstands der besseren Produktionsbedingung kommen noch staatlich organisierte Zuschüsse in welcher Form auch immer dazu.

War ja sehr nachhaltig, gab bestimmt viel Applaus :rolleyes:

Ja und jetzt langsam darf der deutsche PV Markt wieder starten... so schlecht war der wohl nicht, zumindest freuen sich jetzt andere über die Marktstellung.