Mobil bezahlen: Wie lange gibt es noch Bargeld?

Artikel von Jonas Hubertus am 10. Oktober 2019 um 22:07 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung - Kategorie: Wirtschaft

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Mobil bezahlen: Wie lange gibt es noch Bargeld?

10. Oktober 2019 um 22:07 Uhr     Kategorie: Wirtschaft
Ginge es nach dem IWF, könnte Bargeld aus dem Alltag verschwinden. Doch Bargeld ist dem Europäer lieb und das ist auch gut - dennoch rücken immer mehr bequeme Zahlungsmethoden dem Bargeld zu leibe. Nicht nur, weil der meiste Umsatz mittlerweile Online passiert sondern auch wegen dem Demographischem wandel. Durch die in Zukunft steigenden Kosten beim Bargeldverkehr und der stark wachsenden zahl an mobilen Zahlungsmethoden per Smartphone, wird die "Bargeldabschaffung" wohl beschleunigt. Wie lange wird es noch Bargeld geben?

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Das Thema „Bargeldabschaffung“ macht gerade wieder die Runde, wobei die Diskussion zwei Dimensionen hat. Einerseits schreitet die Digitalisierung voran. Bargeldloses Bezahlen ist sicher und bequem. In Schweden gehen viele Menschen bereits ohne Geldbörse aus dem Haus. Manche träumen bereits vom Bezahlen mit einem implantierten Chip. Auch im Euro-Raum nehmen elektronische Bezahlvorgänge stetig zu, selbst wenn Bartransaktionen nach Aussagen der Bundesbank immer noch schneller und günstiger sind.

Auf der anderen Seite soll Bargeld unter Zwang verschwinden. Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Mario Draghi hat den 500-Euro-Schein mit Schwarzarbeit, Geldwäsche und Terror in Verbindung gebracht, weshalb die lila Note seit Kurzem aus dem Verkehr gezogen wird. Seit 2014 werden die Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB negativ verzinst, sodass manche Banken von wohlhabenden Kunden Minuszinsen und von vielen Kunden höhere Gebühren fordern. Für die nahende Rezession sind noch deutlich höhere negative Zinsen avisiert. Das geht aber nur, wenn Bargeld abgeschafft ist oder automatisch an Wert verliert. Sonst würden die Bankeinlagen einfach in Bares getauscht.

Die Bargeldmenge im Euro-Raum steigt
In Schweden ist der Bargeldumlauf im Verhältnis zum Sozialprodukt von rund 16 Prozent im Jahr 2001 auf zuletzt fünf Prozent gefallen. Das entspricht der Annahme, dass Bargeld eine Last ist, zum Beispiel weil es täglich herumgetragen oder im Safe gesichert werden muss. Hingegen hat sich im Euro-Raum seit der Einführung der Gemeinschaftswährung im Januar 2001 die umlaufende Bargeldmenge von 4,5 Prozent des Sozialprodukts auf heute knapp zehn Prozent mehr als verdoppelt. Insbesondere die Nachfrage nach 500-Euro-Scheinen ist angestiegen. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.

Für den Euro erhoffte man sich eine wachsende internationale Bedeutung. Eine internationale Währung wird gerne im Ausland gehalten, weil sie im Vergleich zur nationalen und anderen internationalen Währungen besonders stabil ist. So zirkulieren beispielsweise viele Dollar-Noten in Entwicklungsländern. Eine solche Entwicklung ist beim Euro jedoch ausgeblieben. Der jüngste EZB-Bericht zur internationalen Rolle des Euro sieht seine internationale Bedeutung als rückläufig an und inzwischen auf einem historischen Tief.

Ein weiterer Grund könnte der Vertrauensverlust in Banken sein. Im Verlauf der europäischen Finanzkrise wankten viele europäische Geldhäuser, sodass die Kunden erwogen, ihre Einlagen abzuziehen. In Falle eines solchen „Bank-runs“ ist mehr Bargeld nötig. In Griechenland wurde deshalb im Jahr 2015 das Bargeld an den Automaten zeitweise rationiert. Die deutsche Kanzlerin sah sich am 5. Oktober 2008 genötigt, die Sicherheit der Ersparnisse zu garantieren. Allerdings ist im Euro-Gebiet nicht nur die Bargeldmenge, sondern sind auch die Einlagen bei den Banken stark angestiegen. Von einer generellen Flucht ins Bargeld kann also nicht gesprochen werden.

Zudem hat die Flucht in Sachwerte eingesetzt. Seit Euro-Einführung sind Aktien-, Immobilien-, Land- und Goldpreise deutlich schneller gestiegen als das Sozialprodukt. Würde man in einem solchen Umfeld eines steigenden Misstrauens das Bargeld zwangsweise entwerten oder sogar ganz abschaffen, könnte das Vertrauen in Geld und Staat vollkommen verloren gehen. Denn wie schon der Ökonom John Maynard Keynes wusste, gerät mit der Geldordnung auch die Gesellschaftsordnung ins Wanken.

Mobil bezahlen


Einfach mit dem Smartphone überall bezahlen. Ob an der Supermarktkette, im Restaurant oder an der Tankstelle. Eine Zukunft, die in einigen Ländern schon real ist. Auch in Europa ist mobiles Bezahlen derzeit stark im Kommen. Die Bedenken sind aber groß und das zu Recht. In Deutschland und Österreich bezahlen die meisten am liebsten mit Bargeld. Nur langsam kommt das Zahlen mit Karte oder Handy voran. Der Grund liegt im großen Misstrauen. Wer mobil oder mit der Karte bezahlt ist natürlich durchsichtig für die Anbieter und nach verfolgbar.

Das Deutschland im Jahr 2016 das Bankgeheimnis still und heimlich ganz abgeschafft hat, führte zu einer Erschütterung bei den Bürgern. Seitdem ist die Skepsis gegenüber den mobilen Zahlungsmöglichkeiten besonders groß. Bezahlen mit dem Handy ist für viele immer noch ein Fremdwort. Auch die Sicherheit wird in Frage gestellt. Immerhin gelten Smartphones zu den beliebtesten Klau Objekten.

Vorteile beim mobilen Zahlen


Die Kreditkarte hinkt schon hinterher. So beliebt, wie in anderen Ländern zur Zahlung an der Kasse ist sie in Europa kaum. Sie wird nur ungerne genutzt. Der Zahlungsvorgang an der Supermarktkasse dauert in der Regel deutlich länger als bei Barzahlung. Erst mit dem Kontaktlosen Zahlen kommt langsam Bewegung in die Sache.

Es gibt mittlerweile viele Apps. Eine richtige Leitlinie gibt es noch nicht. Zahlreiche Anbieter mischen im Markt mit. Google, Apple, Banken, Supermärkte. Sie alle haben eigene Apps entwickelt, mit dem das Zahlen mobil erfolgen kann. Bei Google wird einfach die Pay-App heruntergeladen. Nach der Anmeldung wird die Kreditkarte hinzugefügt und schon kann die Zahlung via NFC erfolgen. Auch Samsung hat eine Pay-App.

Das Einkaufsverhalten wird natürlich von den Unternehmen ausgewertet. Wie sicher das mobile Zahlen ist, bleibt derzeit noch unklar. Die Unternehmen sagen, es ist sicher. Aber nur, weil es bislang keine größere Vorfälle gab oder besser keine in der Öffentlichkeit bekannt wurden.

Ohne Bonität geht kaum etwas
In Deutschland bieten Edeka und Netto zum Beispiel ihre eigene App an, mit der die Zahlung an der Kasse über das Smartphone erfolgen kann. Dabei wird der Betrag dann vom Konto abgebucht oder eine Kreditkarte belastet. Aber nicht jeder kann diese App in Anspruch nehmen. Im Hintergrund erfolgt bei der Registrierung eine Bonitätsprüfung. Wer durchfällt, wird abgelehnt.

Das Mobile Zahlen zeigt somit auch, dass die Bonitätsbewertung der Kunden in den Vordergrund gerät. Nicht jeder wird also überall einfach so mit dem Handy bezahlen können.

Ein weiterer Nachteil: Der Käufer muss sein Smartphone immer dabei haben. Während das für junge Leute kein Thema mehr ist, sehen ältere darin kaum einen Sinn. Es ist doch viel einfacher, die Geldbörse oder eine Kreditkarte mitzuführen, als ein lästiges Telefon.

Europa ist ein schwieriger Markt
Das Smartphone hat zwar schon längst vor vielen Jahren die Welt erobert, doch in Europa ist der Widerstand immer noch am größten. Besonders, was das mobile Zahlen betrifft. Die Möglichkeit ist bequem, effektiv. Auf der anderen Seite werden wir als Kunden aber noch durchsichtiger und kontrollierbar. Das ist die schöne alte Barzahlung doch ein wahrer Segen. Allerdings sei auch hier zu erwähnen, dass die Jugend mittlerweile so abgehärtet ist und praktisch alles von sich ohne zu fragen preisgibt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann sich das mobile Zahlen auch in Europa durchgesetzt haben wird.

Bargeld noch eine Generation
Bargeld wird erst dann abgeschafft sein, wenn die Bargeld-Kosten für Händler/Verkäufer im Verhältnis zur Anzahl an Kunden steigen. Denn Kassensysteme kosten, ebenso wie die Gebühren der Banken auf Bargeld-Bearbeitung. Sollte dieser Punkt erreicht sein, wird der gesetzliche Schutz von Bargeld als Pflicht Zahlungsmethode fallen und sehr schnell werden dann auch die Bargeld Annahme bei Händlern abnehmen. Der kritische Punkt, könnte in etwa 15 Jahren erreicht sein - dann würden die Scheine und Münzen innerhalb weniger Jahre im Alltag verschwinden. Da schlägt der Demographische wandel stark zu und die Verbreitung von digitalen Geldbörsen wird erheblich zunehmen.

Fragt sich nur, wie man einkaufen kann, wenn der Strom oder das Internet ausfällt - die Blackout Schwachstelle der Gesellschaften wird mit zunehmender Digitalisierung immer größer und somit auch der mögliche Schaden durch Cyberwar.
 

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