Warum die Abgeltungssteuer abgeschafft wird

Artikel von Jonas Hubertus am 6. März 2018 um 12:46 Uhr im Forum Finanzen & Versicherung - Kategorie: Politik & Recht

  1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Warum die Abgeltungssteuer abgeschafft wird

6. März 2018   Jonas Hubertus   Kategorie: Politik & Recht
Die während der Finanzkrise eingeführte Abgeltungssteuer soll nun (10 Jahre später) wieder abgeschafft werden. Warum das im Koalitionsvertrag steht und welchen nutzen oder Effekt dies haben soll, kann in wenigen Punkten aufgezeigt werden. Sicher ist jetzt, dass die winzigen Zinserträge, welche ohnehin kaum etwas bringen jetzt auch noch versteuert werden sollen, eher die kleinen Sparer trifft. Dagegen werden Aktien sogar noch attraktiver.

aktien-abgeltungssteuer-zinsen-einkommensteuer.jpg

Die neue große Koalition hat beschlossen die Steuerbegünstigung von Kapitalerträgen zu streichen, somit wird statt den bisher 25% Abgeltungssteuer in Zukunft die volle Einkommenssteuer (bis zu 45%) fällig. Betroffen vom möglichen Wegfall der Abgeltungssteuer sind vor allem die traditionellen Sparer. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Freibeträge von 801 Euro für Ledige und 1.602 Euro für Verheiratete offenbar weiter bestehen sollen. Zumindest werden sie im Koaltionsvertrag nicht erwähnt.

Viele jüngere Sparer werden aufgrund der niedrigen Zinsen ohnehin den Freibetrag kaum überschreiten. Oder eher die Gunst der niedrigen Zinsen nutzen um Immobilienkredite oder Minikredite / Sofort-Kredite für Konsum aufzunehmen. Doch es gibt auch rentable Altverträge und lang laufende Festgelder oder Anleihen, die als Altersvorsorge gedacht sein können und jetzt ggf. einer höheren Belastung ausgesetzt sind.

Zweifelhaft ist auch, die Wirkung für die Steuereinnahmen. Vermutlich handelt es sich hierbei um ein Zugeständnis an die SPD, das eher Symbolkraft hat. Ob diese Regelung länger als 4 Jahre bestand hat ist ebenfalls fraglich. Bis dahin werden die Zinsen ohnehin bei 0 bleiben. Steuerbeamte weisen jetzt schon darauf hin, das der Aufwand so wieder deutlich steigt und damit das Plus an Einnahmen auflöst. Der Entwurf ist also höchst fraglich in seiner Sinnhaftigkeit.

Aktien werden jetzt deutlich attraktiver, denn sie sind ausgenommen von dieser Änderung. Sowohl Kursgewinne als auch Dividenden (welche vom Unternehmen schon vorher Versteuert wurden) fallen weiter unter die Abgeltungssteuer. Vermutlich weil das komplexe Unternehmenssteuergesetz hier ebenfalls grundlegend geändert werden müsste, und einen enormen Aufwand bedeutet. Weiter soll auch der Soli auf Dividenden Einnahmen wegfallen, zumindest schrittweise ab 2020.

Zumindest könnte die Politik so mehr Bürger ermutigen ihre Vorsorge in Aktien (oder Wertpapier basierte private Rentenverträge) zu investieren. So würden die Märkte stabilisiert und zugleich die nötige Rendite für die Altersvorsorge erreicht, welche auf anderen Wegen heute nicht mehr möglich ist. Das dürfte auch für die Versicherungsvertreter ein neues Argument sein, die effizienteren Policen an den Mann zu bringen.

Fazit: plus für Aktionäre und weiteres minus für traditionelle Sparer.

Alles in allem bewerte ich diesen Vertragsabschnitt der GroKo als wenig sinnvolle Symbolik.

Weitere Quellen: Steuererhöhung für Sparer | Steuern | boerse.ARD.de
Ende der Abgeltungssteuer: Steuererhöhung für Sparer
 

Kommentare