Wolf intelligenter als Hund bei kognitiven Fähigkeiten

Artikel von Carla Columna am 4. März 2018 um 21:11 Uhr im Forum Wissenschaft & Forschung - Kategorie: Wissenschaft

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Wolf intelligenter als Hund bei kognitiven Fähigkeiten

4. März 2018     Kategorie: Wissenschaft
Wölfe verstehen zusammenhänge besser als Hunde, dass bestätigen Versuche. Als Haustieren mangelt es Hunden ihnen laut einer Studie an "Forschungsdrang", daher schneiden sie in gewissen Tests schlechter ab. Das Wölfe schlauer sind als Hunde lässt sich so nicht pauschal sagen, aber zumindest scheint die Intelligenz für das verstehen von kausalen Zusammenhängen ausgeprägter zur sein, als beim domestizierten Tier.

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Mit etwas schauspielerischem Talent starteten Forscher mit Wölfen und Hunden am Wolf Science Center im österreichischen Ernstbrunn Versuche, welche die kognitiven Fähigkeiten der Tiere untersuchen sollen. Dabei spielte eine Wissenschaftlerin immer wieder verschiedene Rollen in einem eigens für die Experimente gebauten Mini-Theater.


Michelle Lampe von der Radboud-Universität in Nijmegen und ihre Kolleginnen wollten herausfinden, wie gut Hunde und Wölfe Hinweise auf Nahrung verstehen, die in einer von zwei Dosen auf der Bühne versteckt war. Dabei zeigte sich, dass Wölfe bei einigen Versuchen klar besser abschnitten als Hunde.

Die Tiere standen vor einer Holzkonstruktion, die an ein Puppentheater erinnert. Dann zog die dahintersitzende Forscherin die Jalousie nach oben. Sichtbar wurden die Forscherin selbst und zwei Dosen, eine links, die andere rechts - siehe folgendes Video.


Anschließend gab die Forscherin einen Hinweis, in welcher der Dose Futter stecken könnte. Mal suchte sie den Augenkontakt zum Tier und schaute dann zu der richtigen Dose, mal deuteten sie mit der Hand darauf. Bei diesen kommunikativen Hinweisen schnitten die 14 Hunde (kleine Hunderassen) und zwölf an den Menschen gewöhnte Wölfe gleich gut ab.


Beim Erkennen kausaler Zusammenhänge sahen die Ergebnisse ganz anders aus. Die Wissenschaftlerin war dabei nicht zu sehen. Versteckt hinter der Bühne zog sie die beiden Dosen nacheinander an einem Seil nach oben. Dabei machte die mit Futter gefüllte Dose Geräusche. Die Wölfe wählten in etwa 70 Prozent der Fälle die richtige Dose, bei den Hunden lag die Quote nur bei knapp 50 Prozent, was auch beim zufälligen Raten erreicht würde.


Die Experimente zeigten, dass Hunde den kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht verstünden, Wölfe dagegen schon, schreiben die Forscherinnen im Fachblatt "Scientific Reports". "Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Domestikation einen Einfluss auf die Wahrnehmung unserer heutigen Hunde hatte", sagte Lampe. Auch bei früheren Experimenten hatten Wölfe besser abgeschnitten als Hunde - etwa beim Lernen voneinander.

Die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund währt schon Tausende Jahre. Vermutlich haben Jäger und Sammler irgendwann damit begonnen, Wölfe zu zähmen, und so den Beginn der Entwicklung zum Hund eingeleitet. Einer neuen Untersuchung zufolge lief der Übergang vom Wolf zum Hund vor 20.000 bis 40.000 Jahren ab.

Die Wissenschaftler können jedoch nicht ausschließen, dass Wölfe deshalb kausale Zusammenhänge besser erkennen, weil sie Interessierter und Neugieriger sind als Haustiere. Hunde seien üblicherweise darauf konditioniert, vom Menschen Futter zu bekommen. Wölfe müssten dagegen ihr Überleben selbst sichern und viele Hindernisse der Natur überwinden, mit welchen Hunde nicht mehr konfrontiert sind.
 

Kommentare

#2 8. März 2018
Ich habe eine gleiche Versuchreihe im Wolfcenter Dörverden miterlebt. Jedoch wurde erst mit der Hand auf die richtige Dose gezeigt (in etwa gleiche Quote), an dann wurde die Reihe wiederholt jedoch wurde nur noch auf die richtige Dose geschaut. In diesem Fall konnte kein Wolf (50/50 Chance ausgeklammert) die richtige Dose finden.
 
#3 9. März 2018
Ich halte Wölfe und Haushunde ja für sehr faszinierende Tiere! Und die Forschungen im Wolf Science Center verfolge ich auch gerne, weil ich die Ergebnisse wirklich spannend finde.

Muss aber sagen, dass mich solche Überschriften wie "X klüger als Y" ein wenig stören. Sicher hat jede Spezies unterschiedliche Begabungen, aber die hat auch jedes Individuum. Mir würde es vom Gefühl herbesser gefallen wenn nicht so verglichen werden würde, sondern einfach Tatsachen festgestellt.
 
#4 9. März 2018
Danke für euer Feedback!
Der Titel ist etwas markanter gewählt, was bei Artikeln nützlich ist um das Interesse zu wecken. Ist meine Erfahrung das knackige Titel eher gelesen werden. Ich will es natürlich nicht übertreiben, soll ja kein Bildzeitungsniveau werden. Eine leichte "Provokation" die zum Lesen anregt darf aber schon sein finde ich.
 
#5 13. April 2018
An sich ist das Thema ziemlich interessant, aber die Versuche mit Hund und Wolf finde ich gar nicht aussageikräftig.

Aber eins lässt sich sagen: Beide Tiere sind sehr beeindruckend und schlau. Finde den Größenunterschied von Hund und Wolf bemerkenswert.