Todeszone im Golfstrom breitet sich aus

Artikel von Jonas Hubertus am 6. August 2017 um 17:53 Uhr im Forum Politik, Umwelt, Gesellschaft - Kategorie: Wissenschaft

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Todeszone im Golfstrom breitet sich aus

6. August 2017   Jonas Hubertus   Kategorie: Wissenschaft
Vor der Küste des US-Bundesstaats Louisiana erstreckt sich die größte Todeszone im Golf von Mexiko seit Beginn der Aufzeichnungen 1985: selbst die pessimistischen Prognosen der Wetter und Ozeanbehörde NOAA wurden übertroffen. Das Gebiet reicht von Texas bis nach Florida und ist mit einer Fläche von 23.000 Quadratkilometern neun mal so groß wie das Saarland. In diesen Teilen des Golfs ist der Sauerstoffgehalt so stark abgesunken, dass dort kein Leben mehr möglich ist.

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Verursacht wird dieser Sauerstoffmangel (hypoxisch) durch den massiven Zufluss von Nährstoffen aus dem Mississippi, welcher Düngemittel und Abwässer aus Städten sowie der Viehzucht sammelt und ins Meer leitet. Nitrate und Phosphate verursachen eine extreme Algen Vermehrung, die das Wasser trüben. (Am Satellitenbild zu erkennen) Wenn die Algen absterben und auf den Meeresgrund sinken werden sie von Bakterien zersetzt welche sich ebenfalls stark ausbreiten. Der Abbauprozess entzieht dem im Wasser gelösten Sauerstoff fast restlos und die "Todeszone" wächst.


Eine Studie der Umweltorganisation "Mighty" führt einen großen Teil des Nährstoffeintrags auf einige wenige Agrarkonzerne zurück, die im Mittleren Westen riesige Flächen bewirtschaften (lassen) und in großem Stil Fleisch produzieren. Die Viehzucht gilt ohnehin als einer der wichtigsten Einzelakteure, die für die Entstehung der Todeszonen verantwortlich sind. Neben den Ausscheidungen der Tiere spielt die Landumwandlung für ihre Ernährung eine wichtige Rolle: Vielfach grast das Vieh nicht mehr auf Weiden, sondern steht im Stall und erhält unter anderem Kraftfutter aus Mais und Soja. Beide Nutzpflanzen werden zudem zu Biokraftstoffen weiterverarbeitet, was als zweitgrößter Faktor für die Überdüngung des Golfs betrachtet wird.

In den letzten fünf Jahren lag die Durchschnittsgröße der sich mittlerweile alljährlich bildenden Todeszone vor der Mündung des Mississippis nur bei rund 15.000 Quadratkilometern. Das liegt weit über den 5000 Quadratkilometern, die als Maximalgröße von den US-Behörden eigentlich angestrebt wird. Denn diese hypoxischen Bedingungen zerstören nicht nur die Artenvielfalt vor Ort, sondern verursachen natürlich auch ökonomische Schäden: Fischfang und Schrimpszucht erleiden dadurch starke finanzielle Einbußen. Todeszonen treten weltweit in wachsender Zahl und Größe vor Küsten auf; sie wurden in der Ostsee und im Schwarzen Meer ebenso beobachtet wie vor Westafrika oder der Mündung des Jangtsekiang in Ostasien.

Nicht zuletzt hängt diese Überdüngung der Meere auch mit dem sterben großer Korralen-Gebiete wie dem Great Barrier Reef zusammen. Das große Artensterben beschränkt sich nicht nur auf das Festland oder Küsten, in den Ozeanen ist vor allem die Tiefsee kaum erforscht aber betroffen. Stichproben aus Tiefseenetzen messen regelmäßig die Fangmasse und stellen auch hier dramatische Rückgänge fest, die nicht auf das direkte Fischen zurück zu führen sind, da in diesen Tiefen keine Fangnetze ausgelegt werden (außer für Forschungszwecke), dafür ist dies viel mehr ein Indikator, dass sogar die gigantische Wassermasse der Tiefsee der menschlichen Verschmutzung nicht gewachsen ist und sich nicht schnell genug regenerieren kann (Ab heute lebt die Welt auf Pump: Ressourcen der Zukunft verbraucht ).
 
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