Die GVU ist insolvent: zweifelhafter Ruf und Kalkül der Copyrightlobby

Artikel von Michi am 1. Mai 2020 um 11:05 Uhr im Forum Netzwelt - Kategorie: Wirtschaft

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Die GVU ist insolvent: zweifelhafter Ruf und Kalkül der Copyrightlobby

1. Mai 2020     Kategorie: Wirtschaft
Nach 35 Jahren ist die umstrittene Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen GVU in finanziellen Schwierigkeiten. Das Unternehmen hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzschutz beantragt. Das gab das Amtsgericht Charlottenburg bekannt, welche einen Insolvenzverwalter bestellte. Offensichtlich war nicht nur der Ruf schlecht sondern auch der Nutzen zweifelhaft für die Sponsoren aus der Copyrightlobby.

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Die GVU war 1985 von Organisationen der Filmbranche gegründet worden, um gegen illegale Kopien von Filmen auf Videokassetten vorzugehen. Ende der 1990er Jahre stieß die Computerspielebranche zum Unterstützerkreis hinzu. Im Jahr 2000 wurde Microsoft Mitglied und das Aufgabengebiet der GVU erweiterte sich auch auf Anwendungssoftware. Mit Aufkommen des Internets ging die GVU gegen alle möglichen Urheberrechtsverletzungen vor. Auch Musik- und Verlagsbranche zählten zu den Unterstützern des Vereins.

In dem Verein waren mehrere ehemalige Polizisten und andere Ermittler beschäftigt, die anonyme Seitenbetreiber identifizierten oder ermittelnde Behörden technisch unterstützten. Zu den Geldgebern gehörten die Film- und Musikindustrie, die Spielebranche, die Verlage oder der Pay-TV-Sender Sky Deutschland. Im Vorstand ist Nikolaus Sieveking, der Vorsitzende der VG Media.

Im Jahr 2017 sagte ein GVU-Sprecher: "Grundsätzlich gilt für die Arbeit der GVU, dass sie diese nicht gegen die Endnutzer richtet, gleichwohl deren Verhalten nicht nur moralisch verwerflich, sondern eben auch eine Urheberrechtsverletzung darstellt." Selbst die Nutzung von illegalen Streamingseiten wurde von der GVU als rechtswidrig bezeichnet. Doch das hatte im Jahr 2017 auch der Europäische Gerichtshof so bewertet.

Spektakuläre Fälle waren die Abschaltung von Kino.to im Jahr 2011, die Durchsuchung gegen Kinox und Movie4k im Jahr 2014, 2017 die Abschaltung von Lul.to und 2019 Verhaftungen gegen mutmaßliche Movie2k.to-Betreiber, sowie die Abschaltung des Sharehosters Share-Online.biz sowie die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Betreiber im Jahr 2019.


Quelle: Urheberrecht: Die GVU ist insolvent

Legendär peinlich geriet die von der GVU bzw. deren Kettenhund veranlasste Sperrung eines Vimeo-Videos des "digitalen Reporters", das unter einer Creative Commons-Lizenz stand ("Digitale Variante von Vandalismus"). Die GVU machte 2010 Bekanntschaft mit dem Hacker-Kollektiv Anonymous, welches die Seite gnädig vom Netz nahm. Die von der GVU geforderte Haftung von Host-Providern erledigte sich stattdessen weitgehend mit der Abschaffung der deutschen Störerhaftung.

Den Zenit der Schlichtheit erklomm die GVU 2012 durch Mitverantwortung an einem fadenscheinigen Leitfaden, in dem man Lehrern Desinformation für ihre Schüler unterjubeln wollte. Darin suggerierte man, das laden von Streams könne rechtliche Folgen haben. Die Piratenpartei hätte sich keine bessere Werbung wünschen können.

Quelle: Hasta la vista, GVU!

 
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Kommentare

#2 1. Mai 2020
Das war absehbar. Denn die Copyrightlobby hat "endlich" verstanden, dass man mit dem Angebot was vorher mal illegal als Vorreiter da war, viel einfacher und mehr Geld verdienen kann. Zudem sinkt die Piraterie im Verhältnis zum legalem Konsum sehr stark. Denn die Streaminganbieter sind günstig und bequem. Das Piraterieangebot ist also kaum interessant für alle die halbwegs finanziell gut da stehen oder wenig Erfahrung im Web haben. Und durch die Coronakrise hat man gesehen, dass man mit online Kino viel mehr und schneller Geld verdienen kann, als mit dem klassischem offline Kino, das quasi überflüssig ist für die Filmproduzenten. Denn das Geld was im Kino hängen bleibt, fällt weg, man kassiert also pro Zuschauer viel mehr Geld als über den "Vermittler" Kino.

Die Filmindustrie wird feststellen, das sie extrem viel Verdienen wird, wenn sie alle Kinofilme gleich online streamt. Weil dann auch für viele gar nicht mehr der Anreiz besteht das illegale Angebot zu nutzen. Es gibt viele Menschen die einfach keine Lust auf Kino haben aber trotzdem die Filme sehen wollen, blieb also bisher nur das illegale Angebot. Diese Lücke hat die Filmindustrie nie verstanden, aber jetzt durch den Kino-Lockdown fällt es ihnen auf.

Die online Piraterie geht seit Jahren stark zurück im Verhältnis zu dem legal genutztem Angebot und im Verhältnis zu den wachsenden Umsätzen des legalen Angebotes. Es gibt also überhaupt keinen Grund mehr, Geld gegen Urheberrechtsverletzungen aufzuwenden. Das ist quasi unrentabel und macht eher ein schlechtes Image. Lustig das die Industrie dafür so lange gebraucht hat.

Aber das war schon immer so, und bei Drogen ist das ähnlich. Der Schwarzmarkt lebt vom Verbot. Denn die Nachfrage ist da, so lange die also nicht wegfällt oder sich ändert wird es immer einen Markt geben egal ob LEGAL oder ILLEGAL. Und um das zu beheben, gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder die Nachfrage senken (was schwer geht oder unmöglich ist) oder ein legale Alternative schaffen und in dem "Monopol Schattenmarkt" einsteigen und ihn austrocknen bzw übernehmen und dann anpassen.

Es ist schon ziemlich Paradox, wenn man sich überlegt das diese neoliberale geldgierige Wirtschaft da nicht drauf kommt. Fordern immer Freie Marktwirtschaft, aber halten sich selbst nicht dran und haben offensichtlich die eigene Basis am Markt nicht verstanden.
 
#3 26. Mai 2020 um 14:19 Uhr
Die GVU ist mit nur durch eher fragwürdige Kampagnen im Gedächtnis geblieben, daher kann ich die Insolvenz verschmerzen
 
#5 26. Mai 2020 um 19:13 Uhr
ACE was soll das sein? Kenn ich nur als Vitamin-Saft.
Im Artikel sieht man gut, das die Ursache nie gelöst wird sondern diese "Vereine" lediglich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sind sonst nichts. im Irrglauben das Verbote und Verfolgung die Nachfrage nach solchen Angeboten verhindert.